{"id":1181,"date":"2013-10-10T12:26:58","date_gmt":"2013-10-10T10:26:58","guid":{"rendered":"http:\/\/hkreiter.com\/?p=1181"},"modified":"2015-02-10T21:09:13","modified_gmt":"2015-02-10T19:09:13","slug":"liebessplitter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/liebessplitter\/","title":{"rendered":"Liebessplitter"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Ein sanftes Zittern wogte kaum merklich durch den schlanken K\u00f6rper der Frau. Sie versuchte, die Kontrolle zu behalten und sich nicht dem schneidenden Schmerz ihrer Gef\u00fchle hinzugeben. Er hatte sie verlassen! Alles, f\u00fcr das sie gelebt hatte, war zerst\u00f6rt.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rabatte von Lavendel verstr\u00f6mten jenen bet\u00f6rend, schweren Duft, der, vereint mit der S\u00fc\u00dfe bl\u00fchender Zitronen, laue Sommern\u00e4chte \u00a0in Paradiese f\u00fcr Verliebte verwandelt. Da waren sie gesessen und hatten die Wirkung dieser bet\u00e4ubenden Atmosph\u00e4re eingesogen. Sie hatte sich fallen lassen, hatte es mit allen Fasern ihrer Sinne ausgekostet, nur seiner Stimme zu lauschen. Diese Stimme, die dem Mann geh\u00f6rte, der sie auf so unbeschreibliche Weise in seinen Bann gezogen hatte. Diese Stimme; sie w\u00fcrde sie niemals mehr h\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Schluchzen entrang sich ihren Lippen, die leicht ge\u00f6ffnet, den Schmerz ihrer geschundenen Seele hinausschreien wollten. Aber es drang kein Laut \u00fcber sie. Das Wei\u00df der Z\u00e4hne, ein wenig bedeckt vom Rot des Lippenstiftes, gl\u00e4nzten im Schein einer Laterne. Er hatte das so gemocht. Jetzt war es bedeutungslos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie hatte ihn \u00fcber alles geliebt und er sie! Sie wusste es, sie f\u00fchlte es, wie eine Frau es nur f\u00fchlen kann. Er hatte es ihr immer wieder gesagt. Jetzt w\u00fcrde er es nie mehr aussprechen. Sie f\u00fchlte sich so allein, uns\u00e4glich allein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie hatte es nur soweit kommen k\u00f6nnen? Er hatte doch gesagt, er wolle nur schnell zur Tankstelle, alles richten, weil er am anderen Morgen zeitig los m\u00fcsse. Dann kam er nicht mehr zur\u00fcck, war pl\u00f6tzlich nicht mehr da! <em>Das macht doch niemand!,\u00a0<\/em>schrie sie in ihrer Verzweiflung. Aber es half nichts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nie mehr w\u00fcrde sie sich in einen Mann verlieben k\u00f6nnen. Nie mehr sollte sie jemand derart verletzen. Was f\u00fcr ein Herz musste ein Mensch haben, der so etwas zu Wege bringt? Er war einfach gegangen, hatte nichts mitgenommen. Seine Sachen: Sie lagen noch in ihrer Wohnung. Kein Wort des Abschieds. Keine Erkl\u00e4rung, warum? War sie die Monate hindurch blind gewesen? Man kann doch Liebe im realen Leben nicht spielen, wie in einem Film oder doch? Er hatte sie belogen, von Anfang an belogen, ihr etwas vorgemacht, sie ausgenutzt, ihre Liebe missbraucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie w\u00fcrde es niemals verwinden k\u00f6nnen. Der Schmerz sass zu tief. Was war er f\u00fcr ein Mann gewesen? Er musste sie verachtet haben, denn wie w\u00e4re es sonst zu erkl\u00e4ren? Aber warum nur? Tr\u00e4nen rannen \u00fcber ihr Gesicht, verschmierten das make up und hinterlie\u00dfen schwarze Linien auf \u00a0der Haut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie wusste nicht, wie ihr Leben weiter gehen sollte. Wie je mit dieser Dem\u00fctigung fertig werden? Unm\u00f6glich! Ihre Freunde und Bekannten: Schon morgen w\u00fcrde das Getratsche losgehen und Fragen gestellt werden, die sie nicht beantworten konnte. Alle werden sie mitleidig ansehen und auf sie einreden, ihr Ratschl\u00e4ge erteilen, was jetzt zu tun w\u00e4re. Aber niemand w\u00fcrde wirklich einen Rat geben k\u00f6nnen, denn sie waren nicht in ihrer Lage.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht sollte sie wegziehen. Eine andere Gegend br\u00e4chte vielleicht die n\u00f6tige Distanz. Nein, das war keine L\u00f6sung! Sie musste den Tatsachen einfach ins Auge sehen. Weglaufen w\u00fcrde nicht helfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Schrillen des Telefons zerriss ihre Gedanken. &#8222;Ich habe nichts verstanden, gar nichts. W\u00fcrden Sie bitte wiederholen?&#8220;, sagte die Frau und dann: &#8222;Ja, ich komme.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hastig warf sie Schl\u00fcssel, Handy und Geldbeutel in ihre Handtasche, schl\u00fcpfte in ein Paar offene Schuhe, schmiss die T\u00fcre ins Schloss, sperrte ab und fuhr mit dem Lift in die Tiefgarage. Ein wenig unheimlich um diese Zeit, so alleine in den vom kalten Licht der Neonr\u00f6hren erhellten Katakomben. Vereinzelt freie Stellfl\u00e4chen, ein Oldtimer, Motorr\u00e4der, dort ihr Wagen.\u00a0<em>Zip,\u00a0<\/em>ein schmatzendes Ger\u00e4usch, die T\u00fcren waren entriegelt. Z\u00fcgig nahm sie die Ausfahrt, vorbei an der Tankstelle, zu der er hatte fahren wollen, und erreichte ein wenig sp\u00e4ter den Zubringer zur Stadt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unterwegs schossen ihr Gedanken, wie irrlichternde Blitze, durch den Kopf. Liebe, Eifersucht, verlassen werden! Jetzt, kurz vor Mitternacht war die Welt eine andere geworden. Nichts mehr war so, wie sie es mochte, und doch, etwas Neues, bisher Unbekanntes erf\u00fcllte sie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zehn Minuten sp\u00e4ter bog sie auf die Zufahrt ein, liess den Wagen irgendwo achtlos stehen und eilte auf den Eingang zu. Jemand rief ihr nach, sie k\u00f6nne den Wagen dort nicht stehen lassen, dann war sie schon vorbei, hetzte auf den Lift zu und wartete ungeduldig auf das \u00d6ffnen der T\u00fcre. Zweiter Stock, aussteigen, weiter, wohin?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Station 2 <\/em>war\u00a0auf einem Schild zu lesen, dann stand sie vor der T\u00fcre. Ihr Herz raste, der Atem war knapp. Eine kurze Pause nur, sich beruhigen, Luft holen! Jetzt! Das Klopfen an der T\u00fcre hallte in Ihren Ohren wieder. Mit einem Griff die T\u00fcre \u00f6ffnen und &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da lage er, inmitten wei\u00dfer Bettw\u00e4sche, ihr ein und alles, ihr Liebster, ihr Leben! Ein schiefes L\u00e4cheln empfing sie, als er mit schwacher Stimme sagte: &#8222;Da bist du ja.&#8220; Ohne R\u00fccksicht auf ihn zu nehmen, warf sie sich auf ihn, k\u00fcsste seine spr\u00f6den Lippen und stammelte unentwegt: &#8222;Du bist nicht fort von mir, du bist hier!&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Warum sollte ich fort sein? \u00a0Ich verstehe nicht!&#8220;, fl\u00fcsterte er mit einem fragenden Blick. &#8222;Lass nur&#8220;, sagte sie, &#8222;ich bin etwas durcheinander.&#8220; &#8222;Ja, das verstehe ich&#8220; kam es kaum noch verst\u00e4ndlich \u00fcber seine Lippen. &#8222;An der Einfahrt zur Tankstelle: Ein Fahrzeug kam auf mich zu, mehr weiss ich nicht mehr. Als ich wieder zu mir kam, lag ich schon in diesem Bett und habe einen Arzt gebeten, dich zu informieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcbergl\u00fccklich schloss sie die Augen, sp\u00fcrte, wie das Leben in sie zur\u00fcckkehrte und die Last des Abends von ihr fiel. Warum hatte sie gezweifelt? Sie verstand es nicht mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #c0c0c0;\">Foto: Creative Commons-Lizenz, flickr,<a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/hnewall\/\"><span style=\"color: #c0c0c0;\">Lake Crimson<\/span><\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1192,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[305],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1181"}],"collection":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1181"}],"version-history":[{"count":21,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1181\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2030,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1181\/revisions\/2030"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1192"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1181"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1181"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1181"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}