{"id":1201,"date":"2013-10-15T13:05:06","date_gmt":"2013-10-15T11:05:06","guid":{"rendered":"http:\/\/hkreiter.com\/?p=1201"},"modified":"2015-02-10T21:10:03","modified_gmt":"2015-02-10T19:10:03","slug":"der-see-mysterioeses-aus-bayern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/der-see-mysterioeses-aus-bayern\/","title":{"rendered":"Der See"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Als der Lehnhartinger eines Tages bei strahlendem Sonnenschein zum See hinunterging, um sich ein wenig von den M\u00fchen des Tages \u00a0zu erholen, machte er eine seltsame Entdeckung. <!--more-->Lehnhartinger oder Fonsi, wie in die Einheimischen nannten, war vom Beruf Schreiner und besass einen kleinen Betrieb im Ort. Handwerklich war er sehr geschickt und musste deshalb \u00fcber Auftr\u00e4ge nicht klagen. An diesem Tag also, als er sich am See niederliess, und er der einzige weit und breit war, sah er es. Erst nur undeutlich, dann aber immer klarer. Wie magisch, zog es ihn an. Immer wieder musste er hinsehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von der anderen Seite des Sees, wo sich in einem kleinen Freibad die Menschen tummelten, konnte man es nat\u00fcrlich nicht bemerken. Oft genug war er schon dort gewesen, sodass es ihm h\u00e4tte auffallen m\u00fcssen, wenn man es sehen k\u00f6nnte. Das war auch der Grund, weshalb er ganz sicher war, dass er der erste war, dem es ins Auge sprang. Das Bad war einfach zu weit entfernt, und die Nachbarn, die es vielleicht auch h\u00e4tten bemerken k\u00f6nnen, k\u00fcmmerten sich nicht darum. Sie liefen nicht am Seeufer herum, hatten entweder ihre eigenen H\u00e4user oder spazierten oben am Weg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fasziniert \u00fcberlegte Lehnhartinger, ob sich daraus ein Vorteil schlagen lie\u00dfe. Vielleicht, wenn er es geschickt anstellte. Also ginge er zum Gemeindeamt und fragte, was man als B\u00fcrger im See alles machen d\u00fcrfe. Er k\u00f6nne alles machen, gab man ihm zur Auskunft, solange er niemanden st\u00f6rte oder etwas t\u00e4te, wozu man einer besonderer Genehmigung bed\u00fcrfte, wie zum Beispiel Fischen.\u00a0<em>Das ist fein,\u00a0<\/em>dachte Lehnhartinger und machte sich daran, ein paar Dinge in die Wege zu leiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Sonntagmorgen traf sich das ganze Dorf in der Kirche. Die Sonntagsmesse war Pflicht und es gab nur wenige, die sie vers\u00e4umten. Der Pfarrer mahnte in seiner Predigt mehr Mitgef\u00fchl f\u00fcr jene Menschen an, die vom Wohlstand weniger gesegnet w\u00e4ren oder die ein Schicksalsschlag aus der Bahn geworfen h\u00e4tte. Einigen nur fiel es auf, dass der Lehnhartinger heute nicht zur Messe gekommen war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser war indessen zum See gegangen und hatte eine gro\u00dfe Plane ausgebreitet. Dann paddelte er auf einem Surfbrett liegend mit den H\u00e4nden ein paar Meter hinaus. Angetan mit einer Taucherbrille suchte er den Grund des Sees ab. Da! Kein Zweifel, das waren die Kisten, deren Bild er an der Oberfl\u00e4che, von den Bewegungen des Wassers verzerrt, beobachtet hatte. Er w\u00fcrde sie heraufholen, eine nach der anderen. Dann auf die Plane hieven, \u00f6ffnen, und sehen, wie er deren Inhalt am besten transportierte. Vielleicht alles auf die Plane kippen, einen Sack bilden, verschn\u00fcren, und wegschleifen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Messe ging zu Ende und die Menschen str\u00f6mten aus der Kirche. Verdutzt sahen sie auf einen Mann in der Ferne, der sich bei n\u00e4herem Hinsehen als Lehnhartinger entpuppte. Und noch etwas fiel den Leuten auf: Lehnhartinger zog einen Sack hinter sich her. Eigenartig, wo wollte nur hin?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lehnhartinger kam n\u00e4her, und die Menschen verlangsamten ihren Schritt, bis sie schliesslich stehen blieben. Vor der Kirche, von der sie gerade kamen, \u00f6ffnete Lehnhartinger die Verschn\u00fcrung und breitete die Plane aus. Neugierig dr\u00e4ngten die Kirchenbesucher heran.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Pfarrer bemerkte den Menschenauflauf vor seiner Kirche und ging hinaus, um deren Ursache zu ergr\u00fcnden. Was er gleich darauf sah, liess seinen Atem stocken. Menschenleiber, kleine Menschenleiber, Kinder! Entsetzt kam er n\u00e4her und schob die Neugierigen beiseite. Dann sah er Lehnhartinger, der mit jemandem sprach.<em> Lehnhartinger, was ist los hier?,\u00a0<\/em>rief er. Langsam drehte sich Lehnhartinger um und starrte dem Pfarrer ins Gesicht.\u00a0<em>Nach was sieht&#8217;s denn aus?,\u00a0<\/em>fragte er.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt erst gewannen die Gegenst\u00e4nde auf der Plane an Klarheit, und der Pfarrer sah, dass ihm seine Sinne wohl einen Streich gespielt hatten. Nicht Menschenleiber lagen da, nein, es waren Puppen. Gro\u00dfe und kleine Puppen. Manche bekleidet, andere nackt.\u00a0<em>Was hat das zu bedeuten, Lehnhartinger?,\u00a0<\/em>wollte er wissen.\u00a0<em>Das ist eine gute Frage<\/em>, antwortete dieser.\u00a0<em>Wenn ich es w\u00fcsste, w\u00fcrde ich es Ihnen gerne sagen. Jemand hat diese Puppen in Kisten verpackt und im See versenkt. Und ich habe sie heute Morgen daraus befreit. Das ist alles, was ich dazu sagen kann!<\/em><i><br \/>\n<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Leute schauten verdutzt, manche ungl\u00e4ubig. Wer sollte das gewesen sein und zu welchem Zweck?\u00a0<em>Was machen wir jetzt damit?,<\/em> fragte der Pfarrer unschl\u00fcssig.\u00a0<em>Ich hab&#8216; sie gefunden und rausgeholt. Sie geh\u00f6ren jetzt mir, und ich \u00fcberlege, ob ich sie verkaufe. Vielleicht behalte ich sie aber auch. Sind doch jetzt eine Attraktion: Die Puppen vom Pilsensee!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mittlerweile hatte sich ein Polizeiwagen eingefunden und zwei Streifenbeamte stiegen aus. Sie waren schnell ins Bild gesetzt und meinten:\u00a0<em>Nix da. Da wird nix verkauft. Wir nehmen das Zeug mit und verst\u00e4ndigen die Kriminalpolizei. Wozu die Kriminalpolizei?,\u00a0<\/em>fragte Lehnhartinger.\u00a0<em>Denken Sie, jemand hat die Puppen ermordet?\u00a0<\/em>Lauthals br\u00fcllte Lehnhartinger los, und auch die Umstehenden konnten jetzt nicht mehr an sich halten und stimmten mit ein. Selbst der Pfarrer konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Als er wieder aufblickte, sah er, wie zwei M\u00e4nner und eine Frau sich bem\u00fchten, aus einem Wagen, mit der Aufschrift\u00a0<em>Bayerisches Fernsehen,\u00a0<\/em>eine Kamera zu entladen und in Position zu bringen. Die Frau hielt ein Mikrofon in der Hand und kam auf Lehnhartinger zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Sind Sie der Mann, der diesen omin\u00f6sen Fund gemacht hat?,\u00a0<\/em>fragte die Frau und erkl\u00e4rte f\u00fcr die sp\u00e4tere Sendung, was sich zugetragen hatte.\u00a0<em>Haben Sie eine Erkl\u00e4rung daf\u00fcr?,\u00a0<\/em>fragte sie weiter und ging hin\u00fcber zu den beiden Polizisten, die schon damit begonnen hatten, alles im Kofferraum des Wagens zu verstauen.\u00a0<em>Der Puppenm\u00f6rder vom Pilsensee, nehmt euch in acht Leute!; <\/em>rief jemand aus dem Publikum, und wieder fingen alle an, hellauf zu lachen. Auch das Kamerateam stimmte mit ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach einer Weile rief wieder jemand etwas in die Runde. Das Gelache und Stimmengewirr war derart hoch, dass der Rufer seine Botschaft wiederholen musste, um sich Geh\u00f6r zu verschaffen:\u00a0<em>Da dr\u00fcben, schaut&#8217;s nur!\u00a0<\/em>Die K\u00f6pfe wandten sich in die angezeigte Richtung. Aus einer Buschgruppe traten einige Personen hervor. Einer f\u00fchrte ein Mikrofon und Aufnahmeger\u00e4t mit sich. F\u00fcr jeden erkennbar, war hier ein weiteres Fernsehteam am Werk gewesen.\u00a0<em>Guten Morgen!,\u00a0<\/em>rief der mit dem Mikrofon:\u00a0<em>Willkommen bei der versteckten Kamera!\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lehnhartinger freute sich; das Fernsehen hatte ihm einen sch\u00f6nen Betrag bezahlt, als er ihnen sagte, was er vorhabe und was sich in den Kisten bef\u00e4nde. Die Puppen geh\u00f6rten jetzt ihm. Die Polizei hatte kein Interesse mehr daran. Aufgekl\u00e4rt wurde der mysteri\u00f6se Fund jedoch nie. Sp\u00e4ter machten sich Ger\u00fcchte breit, in den Puppen w\u00e4ren Diamanten und wertvoller Schmuck versteckt gewesen. Da war der Lehnhartinger aber schon l\u00e4ngst aus der Gegend\u00a0weggezogen, und niemand wusste, wohin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1203,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[304],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1201"}],"collection":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1201"}],"version-history":[{"count":18,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1201\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2031,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1201\/revisions\/2031"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1203"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1201"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1201"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1201"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}