{"id":1471,"date":"2014-01-03T20:16:32","date_gmt":"2014-01-03T19:16:32","guid":{"rendered":"http:\/\/hkreiter.com\/?p=1471"},"modified":"2018-01-23T16:24:55","modified_gmt":"2018-01-23T15:24:55","slug":"sternsinger","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/sternsinger\/","title":{"rendered":"Sternsinger"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Am Dreik\u00f6nigstag enden die Rauhn\u00e4chte und es ist Brauch, dass die Sternsinger von Haus zu Haus ziehen, um ihre Sternsinger Lieder vorzutragen und ein Gebet zu sprechen. Danach schreiben sie mit geweihter Kreide an die T\u00fcrbalken die bekannte Segensbitte C+M+B, was bedeutet:\u00a0<em>\u201eChristus mansionem benedicat\u201c <\/em>(Christus segne dieses Haus). Vor das\u00a0<em>C<\/em> schreiben sie\u00a0<em>20+\u00a0<\/em>und nach dem <em>B<\/em>\u00a0<em>+14<\/em>, womit das Jahr, z.B. 2014, der Segensbitte bezeichnet ist. Die\u00a0<em>Kreuze\u00a0<\/em>erflehen zus\u00e4tzlichen Segen, und davon kann man ja bekanntlich nicht genug bekommen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Heiligen Drei K\u00f6nige oder die drei Weisen aus dem Morgenlande, wie sie in den heiligen Schriften gelegentlich auch bezeichnet werden, sollen der \u00dcberlieferung nach vor \u00fcber 2000 Jahren das Jesuskind in seiner Krippe in Bethlehem aufgesucht haben, um ihm zu huldigen. Und darauf soll der Brauch zur\u00fcckgehen, sagt man.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"line-height: 1.5em;\">In Dingharting ist es nicht anders, und doch, wie schon aus fr\u00fcheren Berichten und Erz\u00e4hlungen bekannt, nehmen manche Dinge dort einen anderen Verlauf. Gerade so, als sei Dingharting ein ausgesprochen besonderer Ort f\u00fcr Mysteri\u00f6ses.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"line-height: 1.5em;\">Am Dreik\u00f6nigstag jenes unheilvollen Jahres also begab es sich, dass der Herr Pfarrer seine Ministranten, junge, kr\u00e4ftige Burschen, aussandte, um als Sternsinger reichlich Spenden einzusammeln. Die ben\u00f6tigte Kreide zum Beschriften der T\u00fcrbalken wurde in einer eigens hierf\u00fcr aufw\u00e4ndig zelebrierten Messe geweiht, ebenso das zur Weihe der H\u00e4user reichlich zu verwendende Weihwasser.\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein eiskalter Wintertag sei es gewesen, wissen noch ein paar Alte zu berichten. Viel Schnee soll gelegen haben, sodass die Sternsinger die H\u00e4user nur schweren Schrittes erreichten und sie viel l\u00e4nger unterwegs waren als es h\u00e4tte sein sollen. \u00a0Fr\u00fch am Abend schlich dann langsam die kalte Winternacht ins Land und verschluckte die Sternsinger, wenn sie wieder ein Anwesen hinter sich gelassen hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur der Mond und die kalt blinkenden Sterne warfen schwache Schatten der Gestalten in den Schnee. Mutig stapften sie, ein paar Laternen mit sich f\u00fchrend, durch die Nacht, nicht ahnend, an welch&#8216; unausweichlichem Schicksal sie bald teilhaben sollten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein gutes St\u00fcck weiter begrenzte eine alte Scheune den Weg, die hier schon gestanden hatte, als noch keiner der Alten geboren war. Das schwere Tor aus massivem Holz gezimmert, verbarg, was sich darin tat. Vom schwachen Licht einer Kerze etwas erhellt<span style=\"line-height: 1.5em;\">, \u00fcber die ein matter Glaszylinder gest\u00fclpt war<\/span><span style=\"line-height: 1.5em;\">, schw\u00e4rzten drei finstere Gestalten ihre Gesichter mit Russ. Dabei sprachen sie kein Wort, und nur ein schmieriges Grinsen deutete auf ihre Absicht hin.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als sie mit ihren Vorbereitungen zu Ende waren, l\u00f6schten sie die Kerze, \u00f6ffneten das Tor einen Spaltbreit und verschwanden in der Dunkelheit der Nacht. Ihre Silhouetten warfen ein bizarres Bild in den Schnee. Nur dunkle, schemenhafte Unget\u00fcme, ohne Gesichter, wie es schien, unwirklich und unheimlich zugleich, schleppten sie sich vorw\u00e4rts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie waren den Sternsingern gute sechs oder sieben Anwesen voraus, als sie mit derben Schl\u00e4gen an die T\u00fcre eines Hauses klopften und einer mit dunkler Stimme rief: <em>Hier\u00a0sind die drei Weisen aus Dingharting und begehren Einlass, gute Leute! \u00a0<\/em>Drinnen im Haus blieb es zuerst still, und gerade, als der Sprecher seinen Spruch erneut aufsagen wollte, h\u00f6rte man Ger\u00e4usche und ein Licht ging an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Haust\u00fcre \u00f6ffnete sich und zwei \u00e4ltere Leute waren zu sehen.\u00a0<em>Habt&#8217;s ein neuen Spruch?, \u00a0<\/em>fragte der Mann, der sichtlich schon um die achtzig war, und seine Frau f\u00fcgte hinzu:\u00a0<em>Und wie&#8217;d Sternsinger schaut&#8217;s es auch net grad aus!\u00a0<\/em>Aber da war es schon zu sp\u00e4t. Die Drei mit den geschw\u00e4rzten Gesichtern dr\u00e4ngten die Alten zur\u00fcck ins Haus und warfen die T\u00fcre ins Schloss.\u00a0<em>Machen wir net lang herum,\u00a0<\/em>sagte einer der Eindringlinge.\u00a0<em>Geld und Schmuck her und zwar ein bisschen pl\u00f6tzlich,\u00a0<\/em>f\u00fcgte er noch hinzu. Und wie von Zauberhand hielt er jetzt einen Stutzen in den H\u00e4nden und zielte damit just auf die Frau.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Es Dreckhammeln,\u00a0<\/em>stammelte der alte Mann mit bebender Stimme und versuchte, sich vor seine Frau zu schieben.\u00a0<em>Lass des Alter, sonst wird&#8217;s dir leid tun und deiner Alten noch mehr. Gebt&#8217;s\u00a0<\/em><i>uns was wir\u00a0wollen, dann sind wir wieder weg!,\u00a0<\/i>sagte der Gleiche von vorhin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Is guad,\u00a0<\/em>sagte daraufhin der Alte,\u00a0<em>ich\u00a0<\/em><i>hol&#8217;s, aber\u00a0dazu muss ich nach oben.\u00a0<\/i>Der Redner von eben bedeutete dem Alten, dass er mitkommen wolle und wies die anderen an, solange auf die Frau acht zu geben, dann stiegen sie die steile Treppe hinan, der Alte voraus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da, pl\u00f6tzlich ein Gepolter! Dem Alten schien schwindelig geworden zu sein, denn es sah ganz so aus, als w\u00fcrde er r\u00fcckw\u00e4rts die Treppe hinunterst\u00fcrzen und dabei jeden Moment den Mann hinter sich mitreissen.\u00a0<em>Ja,\u00a0<\/em><i>Kruzifix,\u00a0konnst denn net\u00a0aufpassen du\u00a0oider Depp!,\u00a0<\/i>schrie der Mann mit dem Stutzen und versuchte, einen Schritt zur Seite zu machen. Aber auf der schmalen Stiege gab es kein Entrinnen, und so st\u00fcrzten sie beide hinab. So jedenfalls vermeinten es die unten Gebliebenen wahrzunehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Kn\u00e4uel, das die paar Stufen sp\u00e4ter unten aufschlug, entpuppte sich aber nur als ein einzelner Mensch, der versuchte, sich m\u00fchsam wieder hoch zu rappeln. Da peitschte schon die Stimme des Alten auf die verbl\u00fcfften Kumpanen nieder, der jetzt noch dazu, wie verhext, den Stutzen f\u00fchrte:\u00a0<em>Hupf auf&#8217;d Seiten Oide, und es bleibt&#8217;s wo&#8217;s seit&#8217;s, sonst druck i ab! Habt&#8217;s me verstand&#8217;n?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Drei r\u00fchrten sich nicht von der Stelle. Wie angewurzelt verharrten sie in ihren Bewegungen. Nur der Gest\u00fcrzte st\u00f6hnte etwas und meinte, er habe sich den Arm gebrochen.\u00a0<em>Des macht nix,\u00a0<\/em>erwiderte der Alte,\u00a0<em>wirst am End&#8216; froh sein, wenn&#8217;s dabei bleibt!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt schlug es wieder an die T\u00fcr, und der brave Ruf der Sternsinger ert\u00f6nte.\u00a0<em>Lass\u00a0<\/em><i>eine, Oide!,\u00a0<\/i>befahl der Alte seiner Frau, die T\u00fcre zu \u00f6ffnen. Schnell waren die Burschen ins Bild gesetzt, und es dauerte nicht lange, und die ungebetenen G\u00e4ste waren an H\u00e4nden und F\u00fcssen gefesselt, grad soviel, dass sie noch kleine Schritte machen konnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Get\u00f6se und Hallo trieben jetzt die Sternsinger die drei M\u00e4nner zur\u00fcck zum Dorfplatz, die beiden Alten mit dem Stutzen hinterdrein. Der mit dem gebrochenen Arm jammerte und schrie, dass es eine wahre Freude war. Der Pfarrer kam hinzu und schnell noch andere aus der Nachbarschaft.\u00a0<em>Bind&#8217;s es derweil an den Baum da, <\/em>sagte einer und wies auf eine der alten Kastanien. Dann verschwanden sie alle nach und nach im Wirtshaus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Bier floss und eifrig wurde beraten, was man denn mit den Frevlern anstellen solle.\u00a0<em>\u00dcbergeben wir sie dem Gendarm,\u00a0<\/em>meinte einer.\u00a0<em>Zu viel Aufwand,\u00a0<\/em>meinte ein anderer.\u00a0<em>Dann lass\u00a0<\/em><i>mas halt\u00a0steh&#8217;n,\u00a0<\/i>schlug jemand vor. Und so machten sie es auch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als alle nach Mitternacht schliesslich die Wirtschaft verlie\u00dfen, um endlich ins Bett zu kommen, war&#8217;s ruhig am Baum geworden.\u00a0<em>Vielleicht sind&#8217;s schon erfroren?,\u00a0<\/em>bemerkte einer.\u00a0<em>So schnell geht&#8217;s a wieder net,\u00a0<\/em>meinte der Pfarrer und dann doch bed\u00e4chtig:\u00a0<em>Obwohl, sie r\u00fchren sich schon gar kein\u00a0Bisschen mehr! Und auch an Atem sieht man\u00a0<\/em><i>nimmer,\u00a0<\/i>f\u00fcgte ein anderer hinzu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Also gut, schneiden wir sie ab und legen&#8217;s in Kirch&#8216;, da ist&#8217;s net ganz so kalt, und wenn&#8217;s dem Herrn gef\u00e4llt, dann hat er ein Erbarmen und sie wer&#8217;n scho&#8216; wieder munter werden, und wir lassen sie dann laufen.\u00a0<\/em>Und ein weiterer f\u00fcgte hinzu: Und wenn net, dann wird&#8217;s morgen scho&#8216; jemand finden. <em>Einbrecher halt! Sind selber Schuld!\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ja mei,\u00a0<\/em>bemerkte der Herr Pfarrer noch: <em>Wer sich mit dem Teufel einl\u00e4sst, der darf sich auch nicht wundern!\u00a0<\/em>Alle nickten beif\u00e4llig, als sie die steifen Gestalten hin\u00fcber in die Kirche schleppten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\">Foto: Creative Commons-Lizenz, flickr,<a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/fg-haas\/\"><span style=\"color: #999999;\">foto G.HAAS<\/span><\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1494,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1012,304],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1471"}],"collection":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1471"}],"version-history":[{"count":32,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1471\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2042,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1471\/revisions\/2042"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1494"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1471"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1471"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1471"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}