{"id":1504,"date":"2014-01-10T14:23:40","date_gmt":"2014-01-10T12:23:40","guid":{"rendered":"http:\/\/hkreiter.com\/?p=1504"},"modified":"2015-02-10T21:17:23","modified_gmt":"2015-02-10T19:17:23","slug":"lausbuben-1","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/lausbuben-1\/","title":{"rendered":"Lausbuben (1)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Am Gymnasium in Dingharting gab es an diesem Tag die Halbjahreszeugnisse. F\u00fcr die meisten Sch\u00fcler war das nur insofern aufregend, weil es halt immer bis zum Schluss spannend bleibt und niemand vor \u00dcberraschungen gefeit ist. F\u00fcr einen der Sch\u00fcler, genau f\u00fcr den Zehetmeier Alois aus der 10b, war das erhaltene Zeugnis zwar keine \u00dcberraschung, was die Noten anbelangte, aber der hinterh\u00e4ltige Kommentar von einem der Lehrer, der wurmte ihn m\u00e4chtig.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Nachmittag trommelte der Alois seine engsten Freunde zusammen, um \u00fcber angemessene Sanktionen nachzudenken. Der Alois und seine Freunde waren n\u00e4mlich der Ansicht, dass man sich die Hinterfotzigkeit des Lehrers nicht gefallen lassen k\u00f6nne.\u00a0<em>Der macht des sonst immer wieder,\u00a0<\/em>meinte der Alois lakonisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dem Abend sah der Alois mit gemischten Gef\u00fchlen entgegen. Die Mutter kannte das Ergebnis seiner schulischen Leistungen bereits, aber der Vater musste sich noch damit auseinandersetzen. Und wenn der Vater schlecht drauf war, konnte so eine Sache b\u00f6se in die Hosen gehen. Aber, wie es schien, war das, bis auf das Zeugnis selbst, heute ein Gl\u00fcckstag f\u00fcr Alois. Der Vater murmelte etwas wie, es sei doch gar nicht so schlecht und in einem Fach h\u00e4tte er sich sogar verbessert.\u00a0<em>Mit dem Lehrer red&#8216; i no,\u00a0<\/em>sagte der Vater dann nach einer Weile,\u00a0<em>weil so a Bemerkung, des steht dem net z<\/em><i>ua, no dazua, wo&#8217;s a\u00a0Prei\u00df is, und stimma duats a net.\u00a0<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das war seines Vaters maximaler Ausdruck von Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr die Leistungen des Sohnes und die Bekundung seines Missfallens \u00fcber die schriftliche Einlassung des Lehrers. Der Alois, froh \u00fcber des Vaters Reaktion, sagte deshalb:\u00a0<em>Lass nur Papa, brauchst net mit ihm\u00a0red&#8217;n. Erstens t\u00e4t&#8217;s nix nutz&#8217;n und zwoat&#8217;ns \u00fcberleg i mia selber\u00a0<\/em><i>wos.\u00a0<\/i>Der Vater schaute verwundert auf den Sohn und meinte dann:\u00a0<em>Brav so, wirst langsam a Mo, der seine\u00a0Sachan\u00a0<\/em><i>selber in d&#8217;Hand nimmt.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der n\u00e4chste Tag war ein Schultag, wie jeder andere, so schien es jedenfalls. Die Glocke im Schulhaus l\u00e4utete p\u00fcnktlich um acht Uhr zur ersten Unterrichtsstunde. Das Zimmer der 10b f\u00fcllte sich rasch, und als der letzte Schall der Glocke verklungen war, sassen alle Sch\u00fcler auf ihren Pl\u00e4tzen. Als f\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter der Lehrer immer noch nicht erschienen war, begab sich der Klassensprecher ins Rektorat, um Meldung zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Das verstehen wir jetzt gar nicht,\u00a0<\/em>sagte eine der Angestellten dort.\u00a0<em>Der Herr Denzel war doch um viertel vor acht schon hier.\u00a0<\/em>Auch der Schulleiter wusste nicht, wo der Lehrer Denzel, Fach Mathematik, geblieben war.\u00a0<em>Merkw\u00fcrdig,\u00a0<\/em>war auch sein Kommentar und er beschloss, mit einigen der unterrichtsfreien Lehrkr\u00e4fte das Schulareal nach Denzel abzusuchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aufmerksam verfolgten mehrere Augen aus den Fenstern der 10b die Suchaktion. Die meisten wunderten sich dar\u00fcber, was da vor sich gehe. Alois und seine Freunde hingegen zwinkerten sich zu und warteten gespannt darauf, was der Rektor und seine Lehrer zutage f\u00f6rdern w\u00fcrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur knappe 15 Minuten sp\u00e4ter war es dann so weit. Aufgeregt st\u00fcrzte der Rektor aus einem Seitengeb\u00e4ude hervor, das der Turn- und Sporthalle vorgesetzt war. Er gestikulierte wild mit den H\u00e4nden und sagte etwas zu zwei herbeigeeilten Lehrern des Suchtrupps.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die drei eilten stante pede dahin zur\u00fcck, wo der Rektor hergekommen war. Und dann sahen sie es. Hoch oben an der Decke der Turnhalle zappelte etwas in einem Netz, das an vier Ringen befestigt, nach oben gezogen worden war. Weitere Lehrer eilten herbei und schliesslich packten vier Mann die Seilenden der Ringe, um das Netzt vorsichtig zu Boden zu lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das zappelnde Etwas entpuppte sich als der verehrte Kollege Denzel, dem jemand einen \u00fcblen Streich gespielt hatte. Sein Mund, zugeklebt mit einem Tape, hing er in einem Netzt, das sonst zur Aufbewahrung von B\u00e4llen verwendet wurde. Nachdem er sich aus den Maschen des Netzes freigesch\u00e4lt und das Tape mit einem Ruck heruntergerissen hatte, japste er nach Luft und stammelte dann:\u00a0<em>Das werden sie mir b\u00fcssen!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Was ist den geschehen?,\u00a0<\/em>wollte der Direktor wissen.\u00a0Der Lehrer Denzel erkl\u00e4rte, dass er das auch nicht so genau wisse, denn er sei etwa 10 Minuten vor acht Uhr \u00fcber sein Handy in die Turnhalle gebeten worden. Es sei dringend, habe der Anrufer, eine durchaus sonore Stimme, gesagt. Darauf hin sei er hierher geeilt und alles w\u00e4re dann blitzschnell gegangen. Er habe nichts erkennen k\u00f6nnen, denn es sei dunkel und die schwarzen Vorh\u00e4nge vorgezogen gewesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wenn Sie nichts gesehen haben, wen meinten Sie dann, wenn Sie sagen, das werden sie mir b\u00fcssen?\u00a0<\/em>Unverkennbar war einigen der Lehrer die Schadenfreude erkennbar ins Gesicht geschrieben. Es war im Kollegium nicht verborgen geblieben, dass Denzel immer wieder zu fiesen Methoden griff, um seine Sch\u00fcler zu disziplinieren. Einige hatten es ihm jetzt wohl heimgezahlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alois und seine Freunde waren sich ganz sicher, dass Denzel genau wusste, wer hinter dem Streich stand. Hatte er nicht den Kommentar verfasst:\u00a0<em>Der Sch\u00fcler schwebt mit seinen Gedanken meistens in f\u00fcr ihn unerreichbaren Sph\u00e4ren, sodass es besser w\u00e4re, er k\u00e4me schnellstens auf den Boden der Realit\u00e4t zur\u00fcck. Er ist ein Tr\u00e4umer, der immer hoch hinaus will,\u00a0dessen geistiges Verm\u00f6gen daf\u00fcr aber nicht ausreicht.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und so war es auch. Lehrer Denzel verstand der Sch\u00fcler Wink mit den Zaunpfahl und sinnierte lange dar\u00fcber, welcher Art Rache er an Alois Zehetmeier nehmen k\u00f6nnte, um die erlittene Schmach zu tilgen. Auf Anhieb fiel ihm nichts passendes ein. Aber eines Tages kam er auf eine blendende Idee, wie er meinte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Fortsetzung folgt!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\">Foto: Creative Commons-Lizenz, flickr,<a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/oldbrian\/\"><span style=\"color: #999999;\">byCharly<\/span><\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1517,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[352],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1504"}],"collection":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1504"}],"version-history":[{"count":17,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1504\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2043,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1504\/revisions\/2043"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1517"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1504"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1504"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1504"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}