{"id":1545,"date":"2014-01-20T00:29:30","date_gmt":"2014-01-19T22:29:30","guid":{"rendered":"http:\/\/hkreiter.com\/?p=1545"},"modified":"2015-02-10T21:18:21","modified_gmt":"2015-02-10T19:18:21","slug":"lausbuben-3","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/lausbuben-3\/","title":{"rendered":"Lausbuben (3)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Am Gymnasium in Dingharting kehrte wieder der Alltag ein, so hatte es jedenfalls den Anschein. Der Lehrer Alexander Denzel verhielt sich seinen Sch\u00fclern gegen\u00fcber erstaunlich aufgeschlossen und schon bald dachte niemand mehr an den Zwist zwischen ihm und Alois Zehetmeier, jenem Sch\u00fcler, dem Denzel die beiden schmachvollen Niederlagen verdankte.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denzel w\u00e4re aber nicht Denzel gewesen, h\u00e4tte er nicht insgeheim bereits eine Revanche im Visier gehabt. Er wollte nichts \u00fcberst\u00fcrzen und diesmal besonders darauf achten, das dem Alois keine Zeit blieb, ihm wieder einmal eine Retourkutsche zu verpassen. Aber auch der Alois war wachsam, denn er traute dem Frieden schon lange nicht mehr.\u00a0<em>Der Denzel heckt was aus, des schw\u00f6r i euch,\u00a0<\/em>sagte er zu seinen Freunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann kam jener Freitag, \u00fcber den noch lange Zeit in Dingharting gesprochen werden sollte. Es war neblig an diesem Tag und es sah ganz so aus, als w\u00fcrde es die undurchdringliche Suppe von den nahen Bergen herunterziehen. Aber es war anders. Ein nachschiebendes Tief dr\u00fcckte die kalte Luft aus den hohen Lagen mit gro\u00dfer Gewalt ins Tal und verhinderte das Abziehen der Nebelschwaden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denzel rieb sich die H\u00e4nde. Die Bedingungen waren ideal f\u00fcr sein Vorhaben. Eilig verabschiedete er sich nach Schulschluss von den Kollegen im Lehrerzimmer, st\u00fcrmte aus dem Schulhaus und verschwand im Nebel. Nur Minuten sp\u00e4ter schon hatte Denzel sein Ziel erreicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alois Zehetmeier und seine Freunde hatten es ebenfalls eilig und wollten die Schule schnell verlassen, um nach Hause zu kommen. \u00a0Ein paar Happen in den Mund geschoben, einen Schluck hinterher getrunken und schon waren sie wieder aus dem Haus. Jetzt trugen sie Sportanz\u00fcge und man h\u00e4tte meinen k\u00f6nnen, sie w\u00e4ren auf dem Weg zum nahegelegenen Sportplatz. \u00a0Allerdings w\u00e4re\u00a0<span style=\"line-height: 1.5em;\">bei diesem Wetter<\/span><span style=\"line-height: 1.5em;\">\u00a0jede Art von Sport unm\u00f6glich gewesen, und so fand sich auch niemand dort ein.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Pfarrer hatte gerade die Sakristei verlassen, um hin\u00fcber zu gehen ins Pfarrhaus, das etwas abgesetzt lag. Da sah er \u00a0ein paar verschwommene Gestalten, sich ihren Weg durch den dichten Nebel bahnen.\u00a0<em>Merkw\u00fcrdig,\u00a0<\/em>dachte er noch,\u00a0<em>wer ist da wohl unterwegs?,\u00a0<\/em>und es kam ihm die Geschichte von Heilig Drei K\u00f6nig in den Sinn, als man ein paar Ganoven bei Eisesk\u00e4lte an einer Kastanie\u00a0<span style=\"line-height: 1.5em;\">am Marktplatz\u00a0<\/span><span style=\"line-height: 1.5em;\">festgebunden hatte. Halb\u00a0<\/span>erfroren hatte man sie zur mittern\u00e4chtlichen Stunde schliesslich in die Kirche geschleppt, von wo sie am n\u00e4chsten Tag verschwunden waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Derbe Methoden haben sie schon die Dinghartinger, um ihre Angelegenheiten zu regeln,\u00a0<\/em>dachte der Pfarrer<em>, <\/em>aber er wusste auch, dass die allermeisten F\u00e4lle auf diese Weise als erledigt galten. Sie waren derb, aber nachtragend waren sie nicht, die Dinghartinger. <em>Obwohl<\/em>, am\u00fcsierte er sich gedanklich, <em>f\u00fcr das hiesige Gymnasium galt das nicht immer.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alexander Denzel beeilte sich, mit wenigen Griffen ein mitgef\u00fchrtes Seil an einem Zaun zu befestigen, es \u00fcber den Weg zu legen und mit dem Seilende hinter einem Busch zu verschwinden. Ein kleiner Zug nur mit der Hand und das Seil spannte sich. Niemand konnte es im Nebel bemerken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alois Zehetmeier und seine Freunde hatten sich mittlerweile, am Pfarrhaus vorbei, am Marktplatz eingefunden. Sie berieten kurz, ob ihr Vorhaben bei dem vorherrschenden Nebel \u00fcberhaupt machbar war.\u00a0<em>Freilich machen wir&#8217;s,\u00a0<\/em>meinte der Alois und erkl\u00e4rte, warum es so gleich noch viel mehr Spass machte.\u00a0<em>Und Leut&#8216; sind auch keine\u00a0unterwegs,\u00a0<\/em>f\u00fcgte er noch an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus der Ferne t\u00f6nte das Geknatter zweier oder dreier Mopeds durch den Nebel an Denzels Ohr.\u00a0<em>Sie kommen!,\u00a0<\/em>freute er sich hinter seinem Busch. Aber sie kamen nicht. Das Geknatter erstarb. Zuf\u00e4llig hatte Denzel ein Gespr\u00e4ch belauscht, bei dem der Alois und seine Freunde Pl\u00e4ne f\u00fcr ein Spektakel schmiedeten. Mit ein paar Mopeds wollten sie abwechselnd exakt den Weg hinunterfahren, \u00fcber den er das Seil gelegt hatte. Der Weg endete an ein paar Stufen, die zu einem Kinderspielplatz hinabf\u00fchrten. Und just diese Stufen wollten sie als Sprungschanze benutzen, um zu sehen, wer mit den Mopeds am weitesten springen w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als nach einigen Minuten des Wartens weder von den Mopeds etwas zu h\u00f6ren war, noch die Burschen auftauchten, wollte Denzel nachsehen, was da los war. Er zog etwas am Seil, wickelte das Ende um einen Stumpf des Busches und eilte den Weg nach oben. Schon bald sah er sie. Denzel pirschte sich n\u00e4her heran, um zu h\u00f6ren, was vorgefallen war.<i><br \/>\n<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Vielleicht ist&#8217;s doch besser, wenn wir&#8217;s verschieben,\u00a0<\/em>h\u00f6rte Denzel den Alois sagen.\u00a0<em>A paar Minuten\u00a0k\u00f6nnt&#8216; ma noch warten,\u00a0<\/em>sagte ein anderer,\u00a0<em>vielleicht wird&#8217;s besser mit dem Nebel.\u00a0<\/em>Denzel sp\u00fcrte, das w\u00fcrde nichts mehr werden, denn der Nebel w\u00fcrde sich ganz sicher so schnell nicht auflichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da fasste er einen Entschluss. Blitzschnell w\u00fcrde er auf eines der Mopeds zust\u00fcrmen, aufsitzen, den Motor starten, und flugs den Weg hinunter fahren, kurz vor der Treppe abspringen und das Moped den Satz in die Tiefe ohne ihn ausf\u00fchren lassen. Die Burschen konnten dann den zur\u00fcckgebliebenen Schrott einsammeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denzel \u00fcberkam eine gewaltige Erregung und nur mit M\u00fche konnte er verhindern, dass er laut herausbr\u00fcllte, so heftig am\u00fcsierte ihn die Vorstellung seines Plans. Drei Maschinen standen da, eine davon war mit normalen Tretpedalen ausstaffiert, die anderen mit Kickstarter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Lehrer wartete einen g\u00fcnstigen Augenblick ab, spurtete dann auf ein Moped zu, schwang sich auf den Sitz und trat mit aller Kraft in die Pedale. Knatternd sprang der Motor an und bevor Alois und seine Freunde noch reagieren konnten, war Denzel schon auf und davon.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Burschen gestikulierten wild mit den Armen und zeichneten dabei bizarre Muster in den Nebel.\u00a0<em>So eine Schei\u00dfe, ausgerechnet meins,\u00a0<\/em>sagte einer der Freunde resigniert. In dem Augenblick h\u00f6rten sie aus dem Nichts kommend einen f\u00fcrchterlichen Schrei, dann das Bersten von Blech, dann Ruhe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie auf Kommando rannten sie in den Nebel hinein den Weg entlang, um schon wenige hundert Meter sp\u00e4ter abrupt zu stoppen. Irgendwo weiter vorne waren schemenhaft Teile des Mopeds wahrzunehmen. Davor lag ein B\u00fcndel wimmernder Mensch am Boden.\u00a0<em>Des is ja der Denzel,\u00a0<\/em>brachte Alois stockend hervor. Und einer der Freunde sagte:\u00a0<em>Schaut&#8217;s amal da! Da hat jemand a Seil \u00fcber&#8217;n Weg g&#8217;spannt. Sauerei!, <\/em>rief\u00a0Alois. <em>A\u00a0riesen Sauerei is des!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und einer der Freunde bemerkte:\u00a0<em>Und dann\u00a0<\/em><i>triffst ausgerechnet den Denzel. Aber warum hat er bloss des Moped\u00a0klaun woll&#8217;n? Ja mei, des versteht kein Mensch,\u00a0<\/i>erg\u00e4nzte der Alois. Dann r\u00e4umten sie den Schrott weg und k\u00fcmmerten sich um Denzel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Fortsetzung folgt!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\">Foto: Creative Commons-Lizenz, flickr,<a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/meerwolf\/\"><span style=\"color: #999999;\">Meerwolf<\/span><\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1560,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[352],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1545"}],"collection":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1545"}],"version-history":[{"count":23,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1545\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2045,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1545\/revisions\/2045"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1560"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1545"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1545"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1545"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}