{"id":1569,"date":"2014-01-28T20:05:46","date_gmt":"2014-01-28T18:05:46","guid":{"rendered":"http:\/\/hkreiter.com\/?p=1569"},"modified":"2015-02-10T21:18:47","modified_gmt":"2015-02-10T19:18:47","slug":"lausbuben-4","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/lausbuben-4\/","title":{"rendered":"Lausbuben (4)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Es w\u00e4re nur mehr als logisch gewesen, wenn Alexander Denzel nach den letzten Vorkommnissen den Schuldienst in Dingharting h\u00e4tte quittieren m\u00fcssen. Solcher Art Gedanken qu\u00e4lten den Lehrer, der f\u00fcr ein paar Tage im \u00f6rtlichen Krankenhaus lag, weil sein rechtes Schienbein bei der Mopedeskapade zu Bruch gegangen war.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend Denzel r\u00e4tselte, ob es einen Ausweg geben k\u00f6nnte, hielt Alois Zehetmeier mit seinen Freunden Kriegsrat. Lange wogten die Argumente hin und her, bis die Burschen schliesslich einen Entschluss fassten. Eine eigenartige Stimmung lag \u00fcber Dingharting, als die Freunde sich auf den Weg ins Krankenhaus machten. Gelblich, wie von giftigem Schwefel durchzogen, blendete das fr\u00fch abendliche Licht das Auge. Gewaltige Wolkenwulste schoben sich ineinander und formten bizarre Gebilde, aus deren \u00e4u\u00dferen R\u00e4ndern dieses glei\u00dfende, die Konturen verwischende Licht zu kommen schien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcberrascht brummte Denzel ein\u00a0<em>herein,<\/em> als es an seiner T\u00fcre klopfte, denn dieses Klopfen t\u00f6nte anders als das \u00fcbliche, kurze, trockene der Schwestern und \u00c4rzte. Es klang irgendwie eine Spur z\u00f6gerlicher. Gespannt sah er, wie die T\u00fcre langsam zur\u00fcckschwang und sie dann im Zimmer standen, der Zehetmeier Alois und seine Clique.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Keiner sagte etwas. Auch der Denzel brachte kein Wort heraus. Ein paar Sekunden lang ein betretenes Schweigen, bis der Alois schliesslich mit einer Stimme kr\u00e4chzte, als sei er schwer erk\u00e4ltet:\u00a0<em>Wir wollten nur\u00a0mal fragen, wie&#8217;s so geht.\u00a0<\/em>Die Burschen blickten dabei verlegen auf den Boden und unschwer konnte man erkennen, dass es insbesondere dem Sprecher, aber auch allen anderen, ziemlich egal war, wie es dem Denzel ging. Der wirkliche Anlass ihres Besuches musste also ein anderer sein. Das bemerkte sogar der Lehrer Denzel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als die Clique\u00a0<span style=\"line-height: 1.5em;\">vielleicht eine viertel Stunde sp\u00e4ter\u00a0<\/span><span style=\"line-height: 1.5em;\">das Krankenhaus wieder verliess, war aus dem glei\u00dfenden schwefelgelb des Lichtes ein blass grelles Wei\u00df geworden, das sich anschickte, immer schneller werdend in ein Grau zu verfallen, um schliesslich in einem unheimlichen Schwarzblau zu enden. Und mit einem Schlag setzte pl\u00f6tzlich ein f\u00fcrchterlicher Sturm ein, der von riesigen Wassermassen eines sintflutartigen Platzregens begleitet wurde.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erschrocken schauten der Alois und die seinen zum Himmel, aber es schien so, als w\u00e4re dieser mit der Erde zu einer Einheit verschmolzen. Bis auf die Haut durchn\u00e4sst stolperten sie ins nahe gelegene Wirtshaus. Sie erwischten gerade noch einen Tisch, denn mehreren anderen Dinghartingern war es nicht anders ergangen, wie ihnen, und so machte der Wirt dank des Unwetters einen sch\u00f6nen Umsatz au\u00dfer der Reihe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Meinst wir k\u00f6nnen ihm trauen, dem Denzel,\u00a0<\/em>fragte einer den Alois.\u00a0<em>Ich denk&#8216; schon,\u00a0<\/em>meinte der Alois,\u00a0<em>schliesslich haben wir die Fotos und wissen, wem des Moped g&#8217;h\u00f6rt, und \u00fcberhaupt, wies wirklich passiert ist.\u00a0<\/em>Die anderen nickten zustimmend. Das war ihr Abkommen mit dem Denzel: Sie, die Alois-Clique, sagt nichts, und der Denzel gibt fortan eine Ruh.\u00a0<em>Wir m\u00fcssen halt aufpassen und eine Auge auf ihn haben,\u00a0<\/em>meine der Alois abschlie\u00dfend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Denzel war sehr erleichtert ob dieser Wende und sein Genesungsprozess machte nicht zuletzt auch deshalb sichtlich gro\u00dfe Fortschritte. Allerdings geh\u00f6rte Alexander Denzel bedauerlicher Weise zu jener Sorte Mensch, die Niederlagen ums Verrecken, wie man in Bayern sagt, nicht verwinden k\u00f6nnen. Und so geisterten bereits wenige Tage nach der Abmachung mit den Burschen neue, aberwitzige Gedanken durch seinen Kopf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sch\u00fcler wunderten sich indessen \u00fcber die Wandlung des Lehrers Denzel, der seinen Unterricht auf Kr\u00fccken gehend absolvierte. Direkt freundlich war er auf einmal geworden. Keine Spitze mehr gegen niemanden.\u00a0<em>Vielleicht ist er bei dem Unfall auf den Kopf gefallen und das b\u00f6se Erwachen kommt noch,\u00a0<\/em>meinte einer, der die wahren Zusammenh\u00e4nge nicht kannte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Es is beinahe fad,\u00a0<\/em>sagte der Alois eines Tages zu seinen Freunden,\u00a0<em>der Denzel pariert und wir ham jetzt koan mehr zum \u00c4rgern.\u00a0<\/em>Das fanden die Freunde auch und so kam es, dass sie eifrig dar\u00fcber nachdachten, wie dieser marode Zustand ge\u00e4ndert werden k\u00f6nnte. Wie nicht anders zu erwarten, brauchten sie nicht besonders lange, bis eine z\u00fcndende Idee geboren war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war kurz vor der n\u00e4chsten Sportstunde, als Sch\u00fcler und Lehrer durch die ge\u00f6ffneten Fenster von der Sporthalle her einen nicht n\u00e4her definierbaren L\u00e4rm vernahmen und gleich darauf die erz\u00fcrnte Stimme des Sportlehrers Finkenhuber, der da rief:\u00a0<em>So eine Sauerei, so eine vermaledeite. Na wart&#8217;s nur, ich wer&#8217;d euch schon die Hammelbeine lang ziehen!<\/em><i><br \/>\n<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenige Sekunden darauf sahen eine begeisterte Schar von Sch\u00fclern und etwas betreten l\u00e4chelnde Lehrer wie ein blaues Etwas aus dem Eingang der Sporthalle st\u00fcrmte. Die Lehrer, selbst neugierig, was da vorgefallen war, waren an die Fenster geeilt und die Sch\u00fcler sofort hinterher.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wissend l\u00e4chelnd hielten sich der Alois und seine Freunde zur\u00fcck und machten den anderen Platz am Fenster, grad so, als w\u00fcssten sie ohnehin, was die anderen gleich zu sehen bek\u00e4men.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Zimmer des Schulrektors herrschte eine verst\u00e4ndliche Aufregung. Der Sportlehrer war ohne anzuklopfen in dessen Zimmer gerast, hatte sich vor ihm aufgebaut und geschrien, dass diese Frechheit eine Bestrafung der Schuldigen verlange. Der Rektor schaute mitleidig auf den blauen Lehrer vor ihm und sagte:\u00a0<em>Erstens klopfen wir doch immer an, bevor wir das Zimmer des Rektors betreten, nicht war? Und zweitens, wen wollen Sie denn bestrafen? Wissen Sie denn wer es gewesen ist? Und drittens, was ist denn \u00fcberhaupt geschehen? Sie sehen ja\u00a0gottserb\u00e4rmlich aus.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Sportlehrer, immer noch sichtbar erregt, berichtete dem staunenden Rektor, dass jemand \u00fcber dem Eingang zur Umkleide einen Eimer mit blauer Farbe angebracht h\u00e4tte, der sich \u00fcber ihn ergossen habe, just, als er die T\u00fcre ge\u00f6ffnet habe.\u00a0<em>Muss ja dann wohl jemand mit handwerklichen F\u00e4higkeiten gewesen sein, denn den Eimer so zu drapieren, dass dieser nicht nach vorne gefallen ist, sondern zur\u00fcck in Richtung T\u00fcrstock und es somit erst m\u00f6glich geworden war, seinen\u00a0Inhalt \u00fcber Sie zu ergie\u00dfen, das, lieber Herr Finkenhuber<\/em><i>, ist schon beachtlich, finden Sie nicht auch?,\u00a0<\/i>bemerkte der Rektor und konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um es vorweg zu nehmen: Die T\u00e4ter wurden nicht gefunden. Es wurde viel gelacht in diesen Tagen und so richtig Mitleid hatte niemand mit dem Opfer, denn der Lehrer Finkenhuber hatte durchaus seine Eigenarten. An schlechten Tagen triezte er die Sch\u00fcler oftmals schon gewaltig in der Halle oder auf dem Platz. Der Alois meinte dazu lakonisch: <i>Der wird seine Feldwebelmanieren auch noch ablegen, davon bin ich \u00fcberzeugt,\u00a0<\/i>und seine Freunde nickten beif\u00e4llig, w\u00e4hrend sie sich die Reste blauer Farbe von den H\u00e4nden wuschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Fortsetzung folgt!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\">Foto: Creative Commons-Lizenz, flickr,<a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/rbrwr\/\"><span style=\"color: #999999;\">rbrwr<\/span><\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1580,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[352],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1569"}],"collection":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1569"}],"version-history":[{"count":20,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1569\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2046,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1569\/revisions\/2046"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1580"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1569"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1569"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1569"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}