{"id":1593,"date":"2014-02-06T13:20:56","date_gmt":"2014-02-06T11:20:56","guid":{"rendered":"http:\/\/hkreiter.com\/?p=1593"},"modified":"2015-02-10T21:19:15","modified_gmt":"2015-02-10T19:19:15","slug":"lausbuben-5","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/lausbuben-5\/","title":{"rendered":"Lausbuben (5)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Den Lehrer Finkenhuber wurmte es gewaltig. Was ihm da widerfahren war,\u00a0<em>eine Frechheit,\u00a0<\/em>wie er fand. Und nicht nur das &#8211; seiner Meinung nach, waren subversive Kr\u00e4fte am Werk, mit dem Ziel, den Lehrk\u00f6rper, die Autorit\u00e4t des Gymnasiums, der L\u00e4cherlichkeit preiszugeben.\u00a0<em>Das \u00fcbersteigt das Mass des Ertr\u00e4glichen,\u00a0<\/em>hatte er gesagt, aber der Rektor winkte nur ab und hatte geantwortet:\u00a0<em>Nehmen Sie es gelassener, Sch\u00fclerstreiche hat es immer schon gegeben.\u00a0<\/em>Und er hatte sogar noch hinzugef\u00fcgt, er, Finkenhuber, solle doch einmal seine Unterrichtsmethoden \u00fcberpr\u00fcfen, denn vielleicht l\u00e4ge ja darin die Ursache.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und so kam es, dass der Bayer Finkenhuber die N\u00e4he des Alexander Denzel suchte und so den Keim f\u00fcr eine Verbr\u00fcderung mit einem Nordlicht legte. Jetzt muss dazu erw\u00e4hnt werden, dass diese Art von Verbindung nichts mit dem Bestreben nach einem multikulturellen Austausch zu tun hatte, sondern andere Ziele verfolgte. Schnell kamen die beiden Lehrer n\u00e4mlich \u00fcberein, es diesem heimt\u00fcckischen Pack heimzuzahlen, an deren Spitze sie unzweifelhaft den Sch\u00fcler Alois Zehetmeier sahen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So begannen sich an diesem wundersch\u00f6nen, sonnigen Wochentag, von dem sogenannten Pack unbemerkt, schwere Gewitterwolken zusammenzubrauen. Freundlich l\u00e4chelte Alexander Denzel, als er die Arbeitsbl\u00e4tter f\u00fcr die n\u00e4chste Stunde austeilte und niemand argw\u00f6hnte etwas, als der Sportlehrer Finkenhuber den ersten Sportunterricht dieses Tages einl\u00e4utete. Alles war so, wie immer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcnf Minuten vor elf Uhr ert\u00f6nte \u00fcber die Lautsprecher der Schulgong und k\u00fcndigte die n\u00e4chste Stunde an. Drei Minuten sp\u00e4ter geschah es. Der Herr Pfarrer der benachbarten Kirche h\u00f6rte einen heftigen Knall, drehte sich sofort um, blickte hin\u00fcber zur Schule und sah, wie schwarzer Rauch aus einem der Fenster im ersten Stock drang. Der Pfarrer liess alles liegen und stehen und lief sofort hin\u00fcber, um zu sehen, was geschehen war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mehrere schwarzgef\u00e4rbte Gestalten taumelten gerade aus dem Schulhaus, als der Pfarrer dort eintraf. \u00a0<em>Was ist denn geschehen,\u00a0<\/em>rief er.\u00a0<em>Verpuffung,\u00a0<\/em>schrie eine der Gestalten, die mit einiger Anstrengung als Alois Zehetmeier zu erkennen war. Nach und nach erfuhr der Geistliche, was geschehen war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Alois und einige andere aus der Klasse hatten die Aufgabe, Vorbereitungen f\u00fcr den folgenden Chemieunterricht zu treffen. Im selben Moment, als der Alois etwas Fl\u00fcssigkeit aus einer Flasche in einen Beh\u00e4lter mit einer anderen Fl\u00fcssigkeit goss, kam es zum Knall. Ihm und allen in der N\u00e4he Stehenden fuhr ein geh\u00f6riger Schreck in die Glieder, und schwarzer Rauch f\u00e4rbte ihre Gesichter und Teile der Kleidung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Es kann nicht das in der Flasche gewesen sein, was auf dem\u00a0<\/em><i>Etikett stand,\u00a0<\/i>stammelte eine der schwarzen Gestalten und die Martinsh\u00f6rner der eintreffenden Feuerwehrfahrzeuge rissen ihm die Worte aus dem Mund. Schon nach kurzer Zeit zogen sie wieder ab. Es brannte nicht und auch der Rauch hatte sich schon bald verzogen.\u00a0<em>Irgendeine chemische Reaktion,\u00a0<\/em>h\u00f6rte man einen der Polizeibeamten sagen, die gewissenhaft alle Spuren sicherten. Allerdings fiel ihnen nicht auf, dass die Flasche, die vor kurzem noch der Alois in der Hand gehalten hatte, jetzt nicht mehr identisch mit der vorgefundenen war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um es kurz zu machen: Der Fall wurde nicht aufgekl\u00e4rt. Niemandem war erkl\u00e4rlich, wie es zu dieser Verpuffung hatte kommen k\u00f6nnen. Jegliche Experimente f\u00fchrten zu keinerlei Ergebnissen. Das Mischen der beiden Fl\u00fcssigkeiten war harmlos und konnte f\u00fcr das Geschehene nicht verantwortlich sein. Man einigte sich schliesslich darauf, dass auf irgend eine Weise eine nicht n\u00e4her bekannte Substanz ins Glas gelangt sein musste oder es darin m\u00f6glicherweise noch R\u00fcckst\u00e4nde eines vorangegangenen Versuches gegeben hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dem Alois und seinen Freunden kam das alles mehr als komisch vor, aber sie fanden keinen Hinweis darauf, dass einer der Lehrer verwickelt gewesen w\u00e4re. Sie hatten zwar ein wachsames Auge auf Denzel und Finkenhuber, fanden aber nichts Verd\u00e4chtiges. Erst als Alois zuf\u00e4llig Wind davon bekam, dass der Chemielehrer just an jenem Tag kurz vor Unterrichtsbeginn einen Anruf bekam, der sein p\u00fcnktliches Erscheinen zum Unterricht verhinderte, war es f\u00fcr die Clique klar: Es war kein Zufall gewesen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So sehr sie sich auch abm\u00fchten, Alois und seine Freunde fanden nichts, was ihre Theorie best\u00e4tigte.\u00a0<em>Wir m\u00fcssen uns etwas einfallen lassen,\u00a0<\/em>sagte der Alois,\u00a0<em>und zwar etwas, das diesmal die ganze Schule trifft.\u00a0<\/em>Seine Freunde gaben ihm recht. So konnte es nicht bleiben. Die Heimhauser Zenzi hatte zwar den Anruf mitbekommen, aber nicht, mit wem der Chemielehrer gesprochen hatte. Das hatte sie dem Alois erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein paar Tage sp\u00e4ter sah man, wie Jugendliche in einem mehrere Bahnstationen entfernten Baumarkt verschiedene Materialien einkauften. Aber jene, die es bemerkten, kannten die Burschen nicht, und so blieb es verborgen und drang nicht bis Dingharting ans Gymnasium vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der darauffolgenden Woche war Lehrerkonferenz. Der Unterricht endete an diesem Tag um eine Stunde fr\u00fcher und die Sch\u00fcler str\u00f6mten frohen Mutes nach Hause. Nur eine kleine Gruppe blieb unbemerkt zur\u00fcck. Einer davon war Alois.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als die Konferenz gegen 22:30 Uhr dem Ende entgegen ging, packten die Teilnehmer ihre Sachen zusammen, sagten sich ein gegenseitiges g<em>ute Nacht\u00a0<\/em>oder einfach nur\u00a0<em>ciao\u00a0<\/em>und begaben sich zur T\u00fcre. Der Fl\u00fcgel schlug zur\u00fcck, dann stockte der Schritt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Perplex starrten die Versammelten auf eine Mauer. Den Ausgang gab es nicht mehr. Sie waren gefangen. Gefangene in der eigenen Schule. Wie paradox. Sie verstanden es nicht. Jemand musste die Mauer w\u00e4hrend der Konferenz hochgezogen haben, und sie hatten es nicht bemerkt. Kein verd\u00e4chtiges Ger\u00e4usch, nichts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Hier, seht her, da, ein Blatt Papier!,\u00a0<\/em>rief pl\u00f6tzlich einer. Die K\u00f6pfe ruckten in die angezeigte Richtung und tats\u00e4chlich, ein Zettel aus einem Block, an die Wand geklebt.\u00a0<em>Es steht etwas drauf,<\/em> sagte jemand, der am N\u00e4chsten stand. Und er las vor:\u00a0<em>Diese Mauer ist das Ergebnis einer unm\u00f6glichen chemischen Reaktion.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter den Anwesenden war niemand, der die Botschaft nicht verstanden h\u00e4tte und so sagte der Rektor:\u00a0<em>Verehrte Kolleginnen und Kollegen, sollten wir nicht damit aufh\u00f6ren. Sch\u00fcler spielen Streiche, das kommt vor, aber doch nicht wir, ihre Lehrer. Und wenn diejenigen, die meinen, es trotzdem tun zu m\u00fcssen, es nicht lassen k\u00f6nnen, dann doch bitte mit Witz und Scharm.\u00a0<\/em>Dabei sah der Rektor auf die Lehrer Denzel und Finkenhuber. Die anderen nickten, sie hatten es geahnt, jetzt wussten sie es.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Fortsetzung folgt!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\">Foto: Creative Commons-Lizenz, flickr,<a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/chemiebw\/\"><span style=\"color: #999999;\">ChemieBW<\/span><\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1612,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[352],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1593"}],"collection":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1593"}],"version-history":[{"count":24,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1593\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2047,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1593\/revisions\/2047"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1612"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1593"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1593"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1593"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}