{"id":1642,"date":"2014-02-16T16:11:40","date_gmt":"2014-02-16T14:11:40","guid":{"rendered":"http:\/\/hkreiter.com\/?p=1642"},"modified":"2015-02-10T21:20:02","modified_gmt":"2015-02-10T19:20:02","slug":"lausbuben-7","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/lausbuben-7\/","title":{"rendered":"Lausbuben (7)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Es muss einmal festgehalten werden &#8211; das Gymnasium in Dingharting mit seinen Lehrern und Sch\u00fclern ist keinesfalls repr\u00e4sentativ f\u00fcr den \u00fcbrigen Freistaat oder gar das ganze Land. Die Ereignisse dort haben ihren eigenen Charakter und entspringen vermutlich der urgewaltigen Heimatverbundenheit der ortsans\u00e4ssigen Bev\u00f6lkerung.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist seit jeher Brauch am Gymnasium, zwischen Pfingsten und dem Beginn der Sommerferien, die \u00fcbrigens seit Menschengedenken sechs Wochen lang immer im August bis etwa Mitte September stattfinden, ein Schulfest einzuschieben. Da es wetterabh\u00e4ngig stattfindet, hat die Schulleitung auf ein fixes Datum verzichtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Alois und seine Freunde war es deshalb nicht ganz einfach, einen, wie sie meinten, Akzent zu setzen. Die gymnasiale Ausbildung verwirrte langsam ihren heimatlichen Sprachgebrauch, weshalb sie niemals mehr sagen w\u00fcrden, sie h\u00e4tten einen Streich gespielt.\u00a0<em>Wir setzen Akzente,\u00a0<\/em>betonte Alois, und keiner widersprach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als das Datum des Schulfestes endlich bekannt gegeben wurde, ein Freitag im Juli, blieb der Clique nicht mehr sehr viel Zeit f\u00fcr ihre Vorbereitungen. Es sollte etwas Besonderes werden &#8211; ein\u00a0nachhaltiger Akzent, wie Alois sagte. Und so h\u00e4tte es niemanden verwundert, wenn er die Burschen bei ihrem n\u00e4chtlichen Treiben beobachtet h\u00e4tte. Aber es sah keiner, dachten die Akteure.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwei Tage vor dem Schulfest beschlich den Lehrer Alexander Denzel ein eigenartiges Gef\u00fchl. Er musste mit jemanden dar\u00fcber reden. Wen sucht man sich in einem solchen Fall von Notstand? Einen Verb\u00fcndeten, dachte er nicht ganz unbegr\u00fcndet. Jetzt war es nur so: \u00a0Der Lehrer Denzel war bekannter Weise kein hiesiger und schon alleine daraus ergab es sich, dass er niemals und zu keiner Zeit auf wahre Verb\u00fcndete hoffen durfte. Es kam zu gelegentlichen Zweckb\u00fcndnissen, mit dem Sportlehrer Finkenhuber zum Beispiel, aber als Verb\u00fcndeten w\u00fcrde er ihn deshalb nicht bezeichnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alexander Denzel nahm sich ein Herz und klopfte an die T\u00fcre des Rektors. Je nach Tageslaune des Schulleiters konnte eine solche Handlung als subversiv eingestuft werden und der Zorn des Rektors w\u00fcrde einen derartigen Frevel unausweichlich bestrafen. Der Rektor hatte hierf\u00fcr eine Reihe von Massnahmen zur Verf\u00fcgung. Aber Denzel hatte Gl\u00fcck. Der Rektor h\u00f6rte sehr aufmerksam zu, als Denzel seine Bef\u00fcrchtungen ausbreitete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ich verstehe. Sie haben meine Unterst\u00fctzung und ich f\u00fcge an, tun Sie schnell etwas. Wir haben nicht mehr viel Zeit.\u00a0<\/em>Genau das wollte Denzel h\u00f6ren. Er begab sich daraufhin direkt zum Lehrer Finkenhuber, teilte ihm mit, er habe die R\u00fcckendeckung des Rektors und brauche jetzt seine Unterst\u00fctzung.\u00a0<em>Was haben Sie vor?,\u00a0<\/em>wollte Finkenhuber wissen.\u00a0<em>Es muss gut durchdacht sein, damit wir am Ende nicht wieder die Dummen sind!,\u00a0<\/em>erg\u00e4nzte er noch und sah Denzel erwartungsvoll an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wir m\u00fcssen die Zehetmeier-Clique \u00fcberwachen, damit wir ihnen zuvorkommen und ihren Plan zunichtemachen k\u00f6nnen.\u00a0<\/em>Das fand Finkenhuber sehr einleuchtend und etwas wie Abenteuerlust keimte in ihm hoch. Ein Gef\u00fchl, wie er es zuletzt in seiner Schulzeit versp\u00fcrt hatte.\u00a0<em>Ich bin dabei, schlagen wir uns die n\u00e4chsten beiden N\u00e4chte um die Ohren!, <\/em>tat Finkenhuber kund. Es war ja auch so, dass er, Finkenhuber, dem Herrn Rektor gerne zeigen wollte, auf wessen Seite er stand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alois und seine Mannen merkten von alledem nichts, als sie am Mittwoch sp\u00e4t nach Mitternacht losmarschierten. Ihre geschw\u00e4rzten Gesichter verschmolzen mit der Dunkelheit der Nacht, und auch der Mond unterst\u00fctze sie, denn sein Licht konnte in dieser Nacht die dicke Wolkendecke nicht durchdringen. Flink gingen die Burschen zu Werk. Von einer Rolle, die einer an einem Gestell auf dem R\u00fccken trug, gerade so, wie die Fernmelder beim Milit\u00e4r, spulten sie schwarzen, gedrillten Draht, bestehend aus zwei Litzen, ab. An bestimmten Stellen verbanden sie den Draht mit kleinen Gegenst\u00e4nden. Das Ende der Drahtrolle m\u00fcndete schliesslich in einem K\u00e4stchen, von dessen anderer Seite ein USB-Kabel herausf\u00fchrte, das ganz offensichtlich auf den Anschluss an ein Laptop harrte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wo hast denn das aufgetrieben,\u00a0<\/em>wollte einer der Freunde von Alois wissen. Ein Spezi seines Vaters habe da gewisse Verbindungen, und als ich ihnen sagte, was wir vorhaben, da hat es sie beinahe vor lauter Lachen zerrissen. Es war sp\u00e4t geworden und die Freunde wollten noch eine M\u00fctze Schlaf erwischen, so achteten sie nicht besonders auf ihre Umgebung, als sie nach Hause eilten und sahen den Schatten nicht, der\u00a0<span style=\"line-height: 1.5em;\">hin und wieder<\/span><span style=\"line-height: 1.5em;\">\u00a0trotz der Dunkelheit<\/span><span style=\"line-height: 1.5em;\">\u00a0matte Konturen warf.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"line-height: 1.5em;\">Als am Donnerstag Morgen die Schulglocke p\u00fcnktlich zur ersten Unterrichtsstunde rief, sa\u00dfen Alois und seine Freunde auf ihren Pl\u00e4tzen und nichts deutete auf ihre n\u00e4chtlichen Aktivit\u00e4ten hin. Als sp\u00e4ter der Sportunterricht stattfinden sollte, wunderten sich alle, als sie vernahmen, dass dieser wegen kurzfristiger Erkrankung des Sportlehrers Finkenhuber ausfiel.\u00a0<em>Der Finki,\u00a0<\/em>wie ihn die Sch\u00fcler nannten,\u00a0<em>krank?,\u00a0<\/em>das mochte Alois nicht recht glauben, war er doch gestern noch putzmunter gewesen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Leut&#8216;, da m\u00fcssen wir aufpassen, nicht, dass die wieder etwas einf\u00e4deln, f\u00fcr morgen, zum Schulfest,\u00a0<\/em>res\u00fcmierte Alois weitsichtig. Der Wetterbericht war g\u00fcnstig und sagte f\u00fcr den Freitag einen herrlichen Sommertag voraus. Es blieb ihnen nicht mehr viel Zeit, um aufzudecken, was die Lehrerschaft im Schilde f\u00fchrte. Na ja, es waren sicher nicht alle Lehrer beteiligt, aber eine diebische Freude w\u00fcrden sie trotzdem alle haben, wenn es den Sch\u00fclern mal an den Kragen ginge. Solche und \u00e4hnliche Schlussfolgerungen befl\u00fcgelten den Eifer der Clique um Alois.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war schon sp\u00e4ter Abend, als Alois seine Freunde per telefonischen Rundspruch zusammentrommelte. Innerhalb weniger Minuten versammelten sie sich hinter der Kirche, ein Ort, an dem sie wegen des nahem Friedhofs niemand st\u00f6ren w\u00fcrde.\u00a0<em>Ich weiss, was sie vorhaben, <\/em>erkl\u00e4rte Alois seinen erstaunten Freunden.\u00a0<em>Ich hab&#8216; schon alles in die Wege geleitet. Den Spass versalzen wir ihnen,\u00a0<\/em>f\u00fchrte Alois weiter aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Freitag, dem Tag des Schulfestes, fehlte einer aus Alois Klasse und in der vorletzten Stunde musste dann sogar noch der Alois selbst um Befreiung nachsuchen. Ausgerechnet in der Sportstunde, die ein \u00fcberraschend schnell genesener und gut gelaunter Sportlehrer Finkenhuber leitete, erlitt Alois derart heftiges Nasenbluten, dass die weitere Teilnahme am Unterricht ausgeschlossen war.\u00a0<em>Schaust, dass du zum Schulfest wieder hergestellt bist,\u00a0<\/em>gab Finkenhuber Alois mit auf den Weg, als er ihn nach Hause schickte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kaum aus der Schule, h\u00f6rte das Nasenbluten schlagartig auf, und Alois wischte sich verschmitzt lachend die Farbe von Nase und Mund, die einer zuvor in der Nase zerdr\u00fcckten Farbkapsel entstammte.\u00a0<em>Da musst fr\u00fcher aufstehen Finki,\u00a0<\/em>sagte Alois zu sich und machte sich eilig daran, seinen vom Unterricht ferngebliebenen Freund aufzusuchen. Dieser hatte inzwischen ein paar Dinge besorgt.\u00a0<em>War schon alles hergerichtet und einen sch\u00f6nen Gru\u00df soll ich dir noch bestellen,\u00a0<\/em>sagte der Freund. Ja, auf die Spezl seines Vaters war eben Verlass, stellte Alois mit Genugtuung fest.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Schulfest nahm seinen gewohnten Verlauf. Der Rektor hielt eine Ansprache, dann die Elternvertreter und noch irgend jemand. Sogar der Schulrat war gekommen, um dem ganzen eine besondere Note zu verleihen. Der Duft gegrillter W\u00fcrste machte sich breit und es wurde viel gealbert und gelacht. Wettk\u00e4mpfe zwischen Lehrern und Sch\u00fclern lockerten die Atmosph\u00e4re zusehend auf. Jede der Parteien gewann und verlor. Besonders belustigend fanden die Sch\u00fcler es, dass die Lehrer ausgerechnet beim Tauziehen verloren und auch beim Zielwerfen auf einige aufgestellte Dosen das Nachsehen hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als es dann endlich dunkel genug war und nur noch Lampions, Fackeln und ein paar Hofleuchten den Schulhof erhellten, gab der Alois seinen Freunden ein Zeichen und verschwand hinter dem Schulhaus. Aus den Augenwinkeln bemerkte er, dass die Lehrer Denzel und Finkenhuber sehr genau beobachteten, was er tat.\u00a0Und sogar der Rektor verhielt sich irgendwie in gespannter Erwartung.\u00a0<em>Na wartet nur, ihr werdet gleich Augen machen,\u00a0<\/em>fl\u00fcsterte der Alois und steckte das USB Kabel, wie sie es am Mittwoch Nacht vorbereitet hatten, in sein Laptop.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vom Schulhof horte man dann ein Ahh und wieder ein langgezogenes Ahh, als eine Feuerwerksrakete nach der anderen in den Himmel stieg, gerade so oft, wie Alois Laptop die Raketen z\u00fcndete. Denzel, Finkenhuber und der Rektor schauten sich wissend in die Augen und ein L\u00e4cheln umspielte dabei ihre Mundwinkel. Da hatten sie die Burschen endlich hereingelegt und die angebrachten Detonationsk\u00f6rper gerade noch rechtzeitig durch Feuerwerksraketen ersetzt. W\u00e4hrend die Lehrer noch in ihrem Gl\u00fccksgef\u00fchl schwelgten und der Schulrat ihnen anerkennend zunickte, tat es mit einem Mal einen f\u00fcrchterlichen Rums, gerade so, als sei im Schulhaus etwas explodiert. Gleich darauf sahen alle, wie schwarzer, bei\u00dfender Qualm aus den Fenstern des Lehrerzimmers quoll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur wenig sp\u00e4ter schon waren die Martinsh\u00f6rner der Feuerwehr zu vernehmen. Die Rauchmelder hatten sofort Alarm ausgel\u00f6st. V\u00f6llig entgeistert starrten alle zum Schulhaus, als sich der Alois wieder hinzugesellte und mit sorgenvoller Mine rief:\u00a0<em>Hoffentlich nichts Schlimmes!\u00a0<\/em>Er und seine Freunde konnten nicht mehr anders. Lauthals prusteten sie es hinaus und schon bald stimmten alle Sch\u00fcler mit ein, denen langsam ein Licht aufging. Strafend blickte der Rektor auf Denzel und sagte:\u00a0<em>Was haben Sie denn jetzt wieder angestellt? Sagten Sie nicht, Sie h\u00e4tten alles im Griff?\u00a0<\/em><em>Ich weiss nicht,\u00a0<\/em>stammelte dieser,\u00a0<em>sie m\u00fcssen es gewusst haben. Saubande elende!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sommerferien zogen ins Land und noch oft machte die Geschichte vom Schulfest\u00a0<span style=\"line-height: 1.5em;\">in Dingharting\u00a0<\/span><span style=\"line-height: 1.5em;\">die Runde. Sogar die Lokalzeitung berichtete dar\u00fcber und das Bayerische Fernsehen schickte jemanden vor Ort, aber da waren der Alois und seine Freunde beim Baden am See. Ein Lausbubenstreich wurde vermutet und niemand erfuhr die wahren Hintergr\u00fcnde. Da hielten sie dicht, die Dinghartinger, ausnahmslos alle, sogar der Denzel, aus dem fortan ein ganz passabler\u00a0<\/span>Lehrer geworden sein soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ende<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\">Foto: Commons Creative-Lizenz, flickr,<a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/kussiphoto\/\"><span style=\"color: #999999;\">Claus Kusmitsch<\/span><\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1651,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[352],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1642"}],"collection":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1642"}],"version-history":[{"count":16,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1642\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2049,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1642\/revisions\/2049"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1651"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1642"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1642"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1642"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}