{"id":1691,"date":"2014-03-09T02:34:55","date_gmt":"2014-03-09T00:34:55","guid":{"rendered":"http:\/\/hkreiter.com\/?p=1691"},"modified":"2015-02-10T21:21:01","modified_gmt":"2015-02-10T19:21:01","slug":"gemeindewahl-1","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/gemeindewahl-1\/","title":{"rendered":"Gemeindewahl (1)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt war es wieder soweit. In Dingharting, wie im \u00fcbrigen Bayern, stehen die Wahlen der Gemeinder\u00e4te und B\u00fcrgermeister vor der T\u00fcr. Richtig nerv\u00f6s war deshalb hier am Ort keiner. Oder doch, vielleicht jene, die kleineren Parteien angeh\u00f6rten und deshalb nicht darauf vertrauen konnten, gen\u00fcgend Stimmen zusammenkratzen zu k\u00f6nnen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei den <em>Schwarzen\u00a0<\/em>gab es solcherlei Sorgen nat\u00fcrlich nicht. Bei den\u00a0<em>Roten<\/em>,\u00a0den Sozis<em>,\u00a0<\/em>dagegen schon. Die Anzahl ihrer Gemeinder\u00e4te war schon bei der letzten Wahl vor sechs Jahren drastisch geschrumpft. Sie waren einmal zu f\u00fcnft gewesen, jetzt waren es ihrer gerade noch drei. Und wenn es bl\u00f6d lief &#8230;, aber daran wollte keiner denken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eines samstagnachmittags, die erste Fr\u00fchlingssonne strahlte \u00fcber dem makellosen, blauen Himmel, spielte auf dem Dorfplatz eine Blasmusik auf. Sie galt offensichtlich einem dunklen BMW, der sich rasch n\u00e4herte und vor einem Stand, bei dem ein Rednerpult aufgebaut war, zum Stehen kam. Der hintere rechte Wagenschlag \u00f6ffnete sich und ein eleganter Trachtenanzug sch\u00e4lte sich ins Freie. Der Ortsvorsitzende der Sozis, unter dessen Regie wohl alles ablief, eilte sofort auf den Trachtenanzug zu und erbot \u00fcberschw\u00e4ngliche Gr\u00fcsse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein paar Leute blieben stehen und wunderten sich, was da wohl vor sich ginge. <em>Ja, ist das nicht der<\/em> &#8230;, meinte einer.\u00a0<em> Nein, ich glaub&#8216; nicht, <\/em>sagte ein anderer. Dann gingen sie weiter. Der Mann im Trachtenanzug indessen war kein geringerer als der Vorsitzende der Sozis in Bayern. Die \u00f6rtliche Partei hatte in eingeladen, auf dem Marktplatz eine Rede zu halten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der jugendlich, dynamisch wirkende Mann sah verdutzt auf den Ortsvorsitzenden, als er gewahr wurde, dass die Dimension der Zuh\u00f6rerschaft weder ein Rednerpult noch ein Mikrofon mit Lautsprecheranlage erforderlich machte. Vielleicht ein dutzend Leute waren versammelt und es war unschwer auszumachen, dass es sich dabei um die vollz\u00e4hlig erschienenen Mitglieder des Ortsvereins jener Partei handelte, die man in Dingharting und anderswo in Bayern generell nur die\u00a0<em>Sozis <\/em>nannte und deren Landesvorsitzender sich soeben die Ehre gab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ja, haben Sie denn keine Werbung gemacht?,\u00a0<\/em>fragte der Vorsitzende just in dem Moment, als man vom Stand aus h\u00f6ren konnte, wie ein Mitglied der Sozis einem Passanten erkl\u00e4rte, wer der Mann im Trachtenanzug sei.\u00a0<em>Hob i no nia g&#8217;sehn,\u00a0<\/em>sagte der Passant, sch\u00fcttelte den Kopf und ging weiter. Dieses Schauspiel wiederholte sich noch ein paar Mal und trieb es sogar noch auf die Spitze, als ein Bub in Lederhosen meinte, ob der Vorsitzende der neue Kapellmeister der Blasmusik des \u00f6rtlichen Trachtenvereins w\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man sah, wie dem Vorsitzenden ob soviel Ignoranz und Frechheit langsam der Kamm schwoll. W\u00fctend, aber doch noch einigerma\u00dfen beherrscht, stapfte er zur\u00fcck zum Auto, schmiss den Wagenschlag zu, und gab Anweisung, das Weite zu suchen.\u00a0<em>Ich hab&#8216;\u00a0mei \u00a0Zeit ja schliesslich nicht gestohlen!,\u00a0<\/em>rief er den verlegen dreinblickenden Parteimitgliedern noch zu.\u00a0<em>Ja mei, <\/em>bemerkte einer,\u00a0<em>wenn ihn halt keiner kennt.\u00a0<\/em><em>Den kennen&#8217;s ja\u00a0<\/em><i>nirgendwo,\u00a0<\/i>pflichtete ein anderes Parteimitglied bei.\u00a0<em>Wenn i net\u00a0<\/em><i>g&#8217;wusst h\u00e4t, dass er heut kommt, h\u00e4t&#8216; i ihn\u00a0selber net erkannt,\u00a0<\/i>gab ein weiteres Mitglied seinen Kommentar zum Besten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wie, um Gottes Willen, sollen wir eine Wahl gewinnen oder wenigstens ein paar Gemeinderatsmitglieder durchbringen, wenn im ganzen Land den Chef von unserer Partei koaner kennt?, <\/em>meinte der Ortsvorsitzende verdrossen<em>\u00a0<\/em>und gab Anweisung den Stand und alles andere abzubauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Hab&#8217;ts a Problem?,\u00a0<\/em>s\u00e4uselte die Stimme des\u00a0<em>zuf\u00e4llig\u00a0<\/em>vorbeigekommenen B\u00fcrgermeisters dem Ortsvorsitzenden von hinten ins Ohr.\u00a0<em>Koana woass, wer er is, net wahr?,\u00a0<\/em>erg\u00e4nzte der B\u00fcrgermeister noch und ging lauthals lachend seines Weges.\u00a0<em>Des a no,\u00a0<\/em>war alles, was dem Ortsvorsitzenden dazu einfiel. Am Montag konnte dann jedermann \u00fcber das Desaster der Sozis in der Regionalzeitung lesen:\u00a0<em>Partei ohne Gesicht!\u00a0<\/em><em>Wer kennt den Vorsitzenden der Opposition?\u00a0<\/em>Gemeinerweise war im Text dann auch noch ausgef\u00fchrt, dass dies nicht so schlimm sei, weil die Sozis ja gute Chancen h\u00e4tten, bald \u00fcberhaupt keine Rolle mehr zu spielen, jedenfalls nicht in Dingharting.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit sich und der Welt zufrieden spazierte der B\u00fcrgermeister durch\u00a0<em>sein\u00a0<\/em>Dingharting, hob gr\u00fcssend die Hand und l\u00fcpfte den Hut, grad so, wie es sich auf dem Lande geh\u00f6rte. Keine Frage, im Gemeinderat w\u00fcrde seine Partei wieder die st\u00e4rkste werden und er selbst, auch daran hegte er keinerlei Zweifel, mit \u00fcberw\u00e4ltigender Mehrheit erneut zum B\u00fcrgermeister gew\u00e4hlt werden. Da traf ihn<span style=\"line-height: 1.5em;\">, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, unvermittelt eine Nachricht<\/span><span style=\"line-height: 1.5em;\">.\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der B\u00fcrgermeisterkandidat der\u00a0<em>Freien,\u00a0<\/em>immerhin der Sohn eines angesehenen und alt eingesessener Landwirtes, gab im\u00a0<em>Br\u00e4u\u00a0<\/em>eine Veranstaltung.\u00a0<em>Der Saal ist brechend voll,\u00a0<\/em>berichtete man dem amtierenden B\u00fcrgermeister,\u00a0<em>und an\u00a0Haufen Leut von uns san a dort!,\u00a0<\/em>war die niederschmetternde Erg\u00e4nzung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Zefix, zefix\u00a0<\/em>war des B\u00fcrgermeisters Kommentar hierzu.\u00a0<em>Soll i da eps \u00fcbersehen haben?,\u00a0<\/em>fragte er sich. <i>Ja weisst,\u00a0<\/i>erkl\u00e4rte ihm ein Freund,\u00a0<em>d&#8217;Leut sagen, du\u00a0<\/em><i>w\u00e4rst ihnen zu selbstherrlich g&#8217;worden, nur noch ansprechbar f\u00fcr die Oberen, kein Ohr mehr f\u00fcr den Kleinen und da meinen sie, es\u00a0k\u00f6nnt net schlecht sein, den B\u00fcrgermeister mal von den Freien zu w\u00e4hlen, vielleicht sogar noch a paar\u00a0Gemeinder\u00e4te von den Freien dazu g&#8217;w\u00e4hlt, des\u00a0k\u00f6nnt ganz guat sei \u00a0f\u00fcr Diungharting.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das war also der Dank daf\u00fcr, dass er sich seit Jahren f\u00fcr Dingharting den A&#8230;. aufriss. Aber da hatten sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht.\u00a0<em>Ihr werd&#8217;s mi no kenna lerna!,\u00a0<\/em>sagte er und beschloss sofort Gegenmassnahmen einzuleiten.\u00a0<em>Was willst machen?,\u00a0<\/em>fragte ein enger Freund.\u00a0<em>Ward&#8217;s ab,\u00a0<\/em>antwortete der B\u00fcrgermeister und klopfte dem Freund auf die Schulter,\u00a0<em>des mach ma, wie immer bei uns in Bayern. F\u00fcr was hat ma denn seine Spezl?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und so kam es, dass der B\u00fcrgermeister ganz r\u00fchrig und umsichtig, wie es schien, Leute zu Hause aufsuchte oder sie in seine Amtsstube bestellte. Erstaunlich war auch, dass Freunde des B\u00fcrgermeisters just genau das gleiche taten. Und zu diesen Freunden z\u00e4hlten honorige B\u00fcrger. Es drang nicht durch, was da im Einzelnen so gesprochen wurde, denn die Beteiligten behielten es f\u00fcr sich. Ja selbst die Frauen wussten nicht, was ihre M\u00e4nner umtrieb und manchmal war es auch umgekehrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Freilich fiel allen auf, dass in diesem Jahr die Zusammenkunft\u00a0<span style=\"line-height: 1.5em;\">der Partei des B\u00fcrgermeisters\u00a0<\/span><span style=\"line-height: 1.5em;\">am Aschermittwoch so gut besucht war, wie schon lange nicht mehr. Sie fand nicht im\u00a0<em>Br\u00e4u\u00a0<\/em>statt, wie \u00fcberhaupt der\u00a0<em>Br\u00e4u\u00a0<\/em>seit jener denkw\u00fcrdigen\u00a0<\/span>Versammlung der\u00a0<em>Freien,\u00a0<\/em>pl\u00f6tzlich weniger G\u00e4ste z\u00e4hlte als zuvor. B\u00f6se Zungen behaupten, dies habe etwas zu tun mit des B\u00fcrgermeisters und dessen Freundes Aktivit\u00e4ten. Aber Beweise gab es hierf\u00fcr nicht. Ger\u00fcchte halt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im engsten Kreis seiner besten Freunde indessen schmiedete der B\u00fcrgermeister seine Eisen, die er im Feuer hatte.\u00a0<em>Macht&#8217;s euch keine Gedanken,\u00a0<\/em>sagte er, <i>mia g&#8217;winna, so wie mia immer g&#8217;wunna ham!\u00a0<\/i>Beif\u00e4lliges Gemurmel und Schulterklopfen. <em>Es ist halt sch\u00f6n, wenn man gute Freunde hat<\/em>, dachte der B\u00fcrgermeister, <em>die von jedem und allem etwas wissen.\u00a0<\/em>Es brauchte nur einen findigen Kopf, wie den seinen, der die Dinge so zusammen brachte, wie sie zusammen geh\u00f6rten, dann waren sie wieder eins und die Wahl konnte kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Fortsetzung folgt nach den Wahlen!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\">Foto: Creative Commons-Lizenz, flickr,<a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/luckyluka\/\"><span style=\"color: #999999;\">luckyfotostream<\/span><\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1705,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[352],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1691"}],"collection":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1691"}],"version-history":[{"count":15,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1691\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2051,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1691\/revisions\/2051"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1705"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1691"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1691"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1691"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}