{"id":1755,"date":"2014-05-31T20:33:01","date_gmt":"2014-05-31T18:33:01","guid":{"rendered":"http:\/\/hkreiter.com\/?p=1755"},"modified":"2015-02-10T21:22:17","modified_gmt":"2015-02-10T19:22:17","slug":"flug-lima-1214","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/flug-lima-1214\/","title":{"rendered":"Flug Lima 1214"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Schlieren von Abendwolken\u00a0verleihen dem\u00a0roten Feuerball am Horizont etwas mystisches. Die Maschine in 10.000 Metern\u00a0H\u00f6he ist gegen das immer noch glei\u00dfende Licht nur als ein schwarzer Schatten auszumachen. Sie zieht wei\u00dfe Kondensstreifen hinter sich her, die sich aber schon sehr bald mit den Wolkenfetzen\u00a0der Abendstimmung vermischen. Dann mit einem Male ist das Flugzeug verschwunden.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Es war einfach weg,\u00a0<\/em>berichtete ein aufgeregter \u00e4lterer Herr. Ungl\u00e4ubig tippt ein Beamter auf der Polizeiwache das Geh\u00f6rte \u00a0in ein Formular.\u00a0<em>Das Flugzeug war also einfach weg, sagen Sie,\u00a0<\/em>wiederholte er. Der \u00e4ltere Herr gab keine Antwort und nickte nur. Bed\u00e4chtig griff der Beamte zum Telefon und w\u00e4hlte die Nummer der Direktion.\u00a0Staunend vernahm er, dass bereits mehrere\u00a0 Meldungen zu diesem mysteri\u00f6sen Vorgang vorl\u00e4gen. Mittlerweile wisse man sogar schon, um welchen Flug es sich handle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Flugplatz herrschte hektische Aufregung. Eine Maschine soll pl\u00f6tzlich dem Blick aufmerksamer Menschen entschwunden sein. So jedenfalls lautete die Anfrage der Polizeidirektion, bei der zahlreiche solcher Hinweise eingegangen waren. Uhrzeit und Richtung stimmten \u00fcberein mit der Flugnummer einer ausl\u00e4ndischen Fluggesellschaft. Omin\u00f6s war, dass weder die deutsche Flugsicherung noch Eurocontrol\u00a0best\u00e4tigen konnten, was so viele Menschen glaubten, gesehen zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch wirrer wurde die Situation, als sich ein junger Mann meldete, der vorgab, er habe den Sonnenuntergang gefilmt und dabei beobachtet, wie pl\u00f6tzlich ein Flugzeug, das er die ganze Zeit im Sucher der Kamera gehabt habe, verschwunden sei. Zum Beweis zeigte er den aufgenommenen Film.\u00a0<em>Schauen\u00a0Sie,\u00a0<\/em>sagte er,\u00a0<em>hier ist die Maschine noch zu sehen, und hier, sehen Sie nur,\u00a0<\/em>bemerkte er v\u00f6llig au\u00dfer sich,\u00a0<em>hier, nur noch die Kondensstreifen, aber keine Spur des Flugzeugs.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Kann man denn den Piloten nicht per Funk erreichen?,\u00a0<\/em>fragte ein Beamter der Flughafenpolizei.\u00a0<em>Nat\u00fcrlich. Haben wir sofort versucht, aber&#8230; leider&#8230;, wir haben keine Verbindung!,\u00a0<\/em>stotterte ein Verantwortlicher der Flugsicherung. Dem aufmerksamen Reporter einer Tageszeitung war dieser Wortwechsel nicht entgangen und so berichtete er \u00fcber sein Handy an die Redaktion:\u00a0<em>Mysteri\u00f6se Ereignisse im Flugverkehr. Flug Lima 1214 auf dem Weg nach Toronto vom Himmel\u00a0verschwunden, Flugsicherung vor einem R\u00e4tsel!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Kommentar w\u00fcrde ganz sicher bereits\u00a0sp\u00e4t in der Nacht eines der Boulevardbl\u00e4tter zieren. Die Morgenausgaben bekam man immer schon gegen Mitternacht. Aber der Kommentar w\u00fcrde leider, wie so oft bei manchen Zeitungen, nicht den wahren Sachverhalt wiedergeben. Die Flugsicherung stand keinesfalls vor einem\u00a0R\u00e4tsel, denn ganz deutlich sahen die Fluglotsen Lima 1214 vor sich auf dem Schirm.\u00a0<em>Der Sprechfunk ist abgerissen!\u00a0<\/em>Mit dieser unglaublichen Nachricht st\u00fcrmte dann pl\u00f6tzlich ein Bote in das streng abgeschirmte Kontrollzentrum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch dieses konnte der verantwortliche Fluglotse nicht best\u00e4tigen.\u00a0<em>Unsinn,<\/em> sagte er,\u00a0<em>hier, der Kapit\u00e4n ist doch in der Leitung.\u00a0<\/em>Und wie zur Best\u00e4tigung war just in diesem Moment die Stimme des Kapit\u00e4ns \u00fcber den Lautsprecher zu vernehmen, \u00a0auf den der Lotse das Gespr\u00e4ch gelegt hatte.\u00a0<em>Aber &#8230;,\u00a0<\/em>stammelte der Bote,\u00a0<em>ich wei\u00df nicht &#8230;, irgend jemand hat das doch gerade noch behauptet!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Indessen waren am Flugplatz die ersten Flugg\u00e4ste aufmerksam geworden. Das hektische hin und her am Schalter von Lima- Airlines und dubiose Ger\u00fcchte, die den Weg in die \u00d6ffentlichkeit gefunden hatten, bescherten ein Sammelsurium an Spekulationen. Und \u00fcber allem schwebte die dr\u00e4ngende,\u00a0wie\u00a0gleichzeitig von der Fluggesellschaft\u00a0ungeliebte\u00a0Frage, was denn nun mit Flug Lima 1214 wirklich geschehen sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kopfsch\u00fcttelnd hatte der \u00e4ltere Herr die Polizeiwache inzwischen wieder verlassen. Die Beamten waren zusehend nerv\u00f6ser geworden und um ihn k\u00fcmmerte sich eigentlich keiner mehr. Das behagte ihm ganz offensichtlich nicht sonderlich, also beschloss er, zu gehen. So gab es zu dem Vorgang auch kein Protokoll, das er unterschrieben h\u00e4tte. Ein fundamentaler Fehler, wie sich sp\u00e4ter herausstellte. Der\u00a0\u00e4ltere Herr w\u00e4re n\u00e4mlich der einzige gewesen, der den Vorgang tats\u00e4chlich angezeigt und zu Protokoll gegeben h\u00e4tte. Alle anderen Beobachtungen waren nur telefonisch eingegangen. Mit einer Ausnahme: Der junge Mann, der den Sonnenuntergang gefilmt hatte. Aber auch er und damit der Film, das Beweisst\u00fcck, war aus den Augen der Beh\u00f6rden entschwunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ja kreizkruzifix,\u00a0<\/em>fluchte der Chef der Polizeidirektion,\u00a0<em>bin i denn nur von lauter Deppen umgeben?\u00a0<\/em><em>Was ist denn jetzt mit dem schei\u00df Flieger?\u00a0<\/em>Niemand konnte eine vern\u00fcnftige Erkl\u00e4rung finden f\u00fcr das schier Unvorstellbare. Ein Flugzeug verschwindet, von dem die Flugsicherung allerdings behauptete, es fliege seinen gewohnten Weg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der \u00e4ltere Herr war in ein Taxi gestiegen und nach Hause gefahren. Dort erwartete ihn schon sein Neffe, ein pfiffiger Bursche, der es verstand, mit nur einem Handy beste Videos herzustellen.\u00a0<em>Ich hab&#8216; dir&#8217;s gesagt,\u00a0<\/em>meinte der Neffe,\u00a0<em>die glauben uns alles. Du musst es nur richtig verpacken und das haben wir wirklich\u00a0gut gemacht.\u00a0<\/em>Der \u00e4ltere Herr sagte l\u00e4chelnd:\u00a0<em>Bin schon gespannt, was die Zeitungen dar\u00fcber schreiben.\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Morgen goss sich dann die ganze H\u00e4me \u00fcber\u00a0die\u00a0Verantwortlichen aus. Noch in der Nacht lag ein Umschlag im Briefkasten eines Lokalblattes. <em>Lima 1214, Gr\u00fc\u00dfe aus Toronto!,\u00a0<\/em>prangte die fette \u00dcberschrift auf deren Titelseite und der erstaunte Leser erfuhr die ganze Wahrheit der Trag\u00f6die, die keine war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Unbekannte narren Polizei und Flughafenpersonal!,\u00a0<\/em>der Text des Blattes.\u00a0\u00a0<em>Ein Film beweise nichts!,\u00a0<\/em>das\u00a0sei die Botschaft,\u00a0war zu lesen. Die Menschen sollten gef\u00e4lligst nicht alles glauben, was ihnen aufgetischt\u00a0werde, hiess es weiter. Zum Beweis war detailliert beschrieben, wie einfach es im Grunde gewesen sei, Flug Lima 1214 auf dem Video verschwinden zu lassen. Genauso simpel h\u00e4tte man ein Szenario hinzuf\u00fcgen k\u00f6nnen, so das n\u00e4chtliche Bekenntnis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Abend sa\u00dfen der \u00e4ltere Herr und sein Neffe beisammen und lie\u00dfen Revue passieren, was sie angezettelt hatten.\u00a0<em>Du hattest recht,\u00a0<\/em>sagte der \u00e4ltere Herr,\u00a0<em>ein fingierter Film und ein paar Telefonate, aber glaube mir, schon morgen werden sie wieder gerne alles genau so fressen, wie es ihnen vor die Nase gesetzt wird.\u00a0<\/em>Der Neffe schaute ungl\u00e4ubig auf den Onkel.\u00a0<em>Du wirst es sehen,\u00a0<\/em>sagte dieser.\u00a0<em>Es ist so bequem, den eigenen Verstand auszuschalten und zu glauben, was man vorgesetzt bekommt.\u00a0<\/em>Nachdenklich ging der Neffe nach Hause und gelobte, seine Sinne zu sch\u00e4rfen. Er wollte aus dem Experiment, wie der Onkel und er es nannten, etwas lernen, und wenn er der einzige w\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\">Foto: Commons-Lizenz, Flickr,https:\/\/www.flickr.com\/photos\/marfis75\/<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1769,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[305],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1755"}],"collection":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1755"}],"version-history":[{"count":16,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1755\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2053,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1755\/revisions\/2053"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1769"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1755"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1755"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1755"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}