{"id":1778,"date":"2014-08-06T18:08:40","date_gmt":"2014-08-06T16:08:40","guid":{"rendered":"http:\/\/hkreiter.com\/?p=1778"},"modified":"2015-02-10T21:22:47","modified_gmt":"2015-02-10T19:22:47","slug":"humankapital","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/humankapital\/","title":{"rendered":"Humankapital"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Als K\u00f6nig Ludwig der Bayer am 1. Mai 1327 in Como den Walst\u00e4tten Uri, Schwyz und Unterwalden das Reichsprivileg einer Reichsvogtei ohne Reichsvogt ausstellte und sie damit zum Dank f\u00fcr die gew\u00e4hrte Unterst\u00fctzung im damaligen Hickhack der s\u00fcddeutschen Gebiete privilegierte, konnte niemand wissen, dass hierdurch der vielleicht entscheidende Ansto\u00df f\u00fcr die eidgen\u00f6ssische Entwicklung\u00a0der sp\u00e4teren Schweiz erfolgt war. <!--more-->Ludwig der Bayer dachte ganz sicher nicht in diese Richtung. Er h\u00e4tte es auch gar nicht gekonnt, denn Staaten und Nationen, wie die Welt sie heute kennt,\u00a0waren\u00a0nicht\u00a0existent. Stattdessen trachtete er danach, den Einfluss der Habsburger\u00a0in den sogenannten Waldst\u00e4tten zu schw\u00e4chen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">M\u00f6rderisch ist es zu dieser Zeit landauf, landab zugegangen. F\u00fcrsten, Herz\u00f6ge, K\u00f6nige und anderes Edelvolk lieferten sich unabl\u00e4ssig Schlachten. Die Ritter hatten eine Menge zu tun. Viele \u00fcberlebten ihr Engagement allerdings nicht. Die Heere der Edlen z\u00e4hlten jeweils ein paar hundert Mann und rekrutierten sich aus allen Schichten. Schutz- und Trutzb\u00fcnde wurden geschlossen und wieder verworfen, um in neue einzum\u00fcnden. Uri, Schwyz und Unterwalden waren ein solcher Bund und sie trotzten vornehmlich den Habsburgern, aber auch die n\u00e4chste Nachbarschaft konnte vor ihnen nicht sicher sein, also schloss man auch dort B\u00fcndnisse und so weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit einem L\u00e4cheln auf den Lippen hing der Mann seinem Gedankenflug in die Geschichte\u00a0nach. Das war&#8217;s. Genau so w\u00fcrden sie es machen, dachte er weiter. Man muss den Menschen etwas bieten, das einen selbst nichts kostet, f\u00fcr die anderen aber ein hohes Gut darstellt. Gerade so, wie es sich zu jener Zeit mit der verliehenen Reichsvogtei verhielt, die unter dem Schutz des herrschenden K\u00f6nigs stand. Kam es zu Scharm\u00fctzeln, schickte der Herrscher ein paar edle Ritter und S\u00f6ldner\u00a0und hie\u00df sie, den Aufstand niederwerfen. Das taten sie denn auch mit brachialer Gewalt und viel Blut\u00a0tr\u00e4nkte den Boden, wenn so ein gegnerischer Kampftross aufgerieben wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir versprechen ihnen, sinnierte der Mann weiter, den Erhalt ihrer Arbeitspl\u00e4tze. Wir betonen, wie wichtig uns ihre Mitarbeit ist und wie wenig doch das Unternehmen ohne sie wirklich Wert w\u00e4re. Das werden sie schlucken, das ist unsere\u00a0<em>Reichsvogtei.\u00a0<\/em>Wenn es dann soweit ist, sehen wir weiter. In die Zukunft blickende Personalchefs haben nicht ohne Grund den Begriff des Humankapitals gepr\u00e4gt. Humankapital, das ist so etwas, wie Spielermaterial beim Fussball. Das sind entmenschlichte Wesen, die einzig einen bestimmten Zweck zu erf\u00fcllen haben. Erf\u00fcllen sie ihn nicht mehr, werden sie ausgetauscht, durch anderes <em>Material<\/em> ersetzt. Sie werden es\u00a0hinnehmen\u00a0die heute so hochgelobten Mitarbeiter und ihre Vertreter in den Betriebsr\u00e4ten und Gewerkschaften.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Mann liebte seine Philosophie. Sie war unantastbar, wie er fand. Im ersten Schritt versprichst du alles, dann \u00e4ndern sich die Zeiten und du sagst, ein paar von euch werden gehen m\u00fcssen, damit die anderen bleiben k\u00f6nnen. Das kannst du ruhig noch ein, zweimal wiederholen. Sie werden zwar murren, aber sie werden es ertragen. Du sagst, es wird einen Sozialplan geben und du betonst, dass\u00a0Betriebsr\u00e4te und Gewerkschaften mit am Tisch sitzen werden. Du erkl\u00e4rst, wie du alles dransetzen wirst, weitere Entlassungen zu verhindern. Aber du wei\u00dft es nat\u00fcrlich besser. Du wirst die Personalkosten derart drastisch nach unten fahren, dass es eine wahre Freude f\u00fcr die Aktion\u00e4re sein wird, denn die Kurse werden steigen und steigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann schl\u00e4gst du unerbittlich zu. Du wirst dem Staat die Schuld geben, wenn er nichts f\u00fcr die vielen Menschen tut, deren Arbeitspl\u00e4tze du trotz bestem Bem\u00fchen nicht mehr halten kannst. Es ist nicht deine Schuld! Es sind die Rahmenbedingungen, die das Unternehmen in die Knie zwingen. Zu viele Abgaben, das sei nicht mehr zu machen, wird du erkl\u00e4ren. Krankenkassen, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung, freiwillige Leistungen des Unternehmens und schlie\u00dflich die Steuerlast, damit m\u00fcsse jetzt Schluss sein, wird du hinausposaunen. Und wieder werden sie auf dein schon so oft erprobtes Gew\u00e4sch hereinfallen. Du wirst die Millionen der Politiker nehmen, die ja nicht ihr eigens Geld verteilen. Du wirst mit den Arbeitnehmervertretern wahre Knebelvertr\u00e4ge aushandeln. Und am Ende wirst du beinahe unter Tr\u00e4nen bedauern, dass alles nichts gen\u00fctzt h\u00e4tte, aber das Unternehmen w\u00fcrde schlie\u00dfen oder verkauft werden oder ins Ausland verlagert. Alle h\u00e4tten es versucht, aber leider &#8230;!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann wirst du zu Hause \u00fcber die Dummheit der Beteiligten lachen. Im Vorstand werdet ihr Witze rei\u00dfen \u00fcber die M\u00f6chtegerne von Politikern, die euch doch nicht das Wasser reichen k\u00f6nnten. Und deine Philosophie wird wie ein Kredo widerhallen, dass alles nur ein Kreislauf sei und nicht Arbeitspl\u00e4tze vernichtet w\u00e4ren, sondern lediglich Humankapital zur\u00fcckgef\u00fchrt worden sei in die Humanresource, woraus nun andere Unternehmen sch\u00f6pfen k\u00f6nnten. Und du wei\u00dft, es ist gelogen. Niemand sch\u00f6pft! Das entledigte Humankapital bleibt, wo es ist. Und schon bald k\u00fcmmert es niemanden mehr, ist Gras \u00fcber die Sache gewachsen. Was schert\u00a0es dich? Du und das Unternehmen habt euren Profit gemacht und nur das z\u00e4hlt!, denkst du.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da reisst dich das Telefon aus deinen Gedanken. Noch volltrunken ob des Erfolges vernimmst du erst gar nicht, was die Stimme am anderen Ende sagte. Dann realisierst du es! Langsam tropfen die Worte in dein Gehirn, machen sich breit, erreichen deine Seele, von der du noch bis vor kurzem glaubtest, so etwas g\u00e4be es nur bei Weicheiern und Warmduschern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie haben dich gefeuert! Du bist der S\u00fcndenbock! Du &#8230;! Deine Philosophie: Haneb\u00fcchen! Kalt und herzlos seist du, nicht auf der Stufe der Zeit! Wie man dir \u00fcberhaupt eine solch gewaltige Aufgabe habe anvertrauen k\u00f6nnen? Mit sofortiger Wirkung von allen Aufgaben entbunden! Der Aufsichtsrat habe in einer Eilsitzung bereits zugestimmt. Du m\u00fcsstest verstehen, kein Ausweg m\u00f6glich, die Bundeskanzlerin h\u00f6chstpers\u00f6nlich &#8230; !<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da sitzt du nun, ein j\u00e4mmerlicher Haufen Nichts. Du wirst deine Abfindung kassieren! Das richtet dich wieder auf. Du wirst Geld haben, aber keine Macht. Entsetzlich! Warte es ab, sagt eine innere Stimme, eines Tages brauchen sie dich wieder. Irgendwer hat immer Dreck am Frack und du bist doch der Profi f\u00fcr Dreck! Ein L\u00e4cheln umspielt deine Lippen. Morgen bist du schon wieder der Alte!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Humankapital nicht! Sie sind morgen nicht wieder die Alten. Die J\u00fcngeren vielleicht, die k\u00f6nnten es schaffen. Die anderen bleiben, rutschen weiter ab. Niemand braucht sie mehr! Oder vielleicht doch? Nur wenig Hoffnung, die sich breitmacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\">Foto: Creative Commons-Lizenz, flickr,\u00a0https:\/\/www.flickr.com\/photos\/kenfagerdotcom\/<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1792,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[305],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1778"}],"collection":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1778"}],"version-history":[{"count":16,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1778\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2054,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1778\/revisions\/2054"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1792"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1778"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1778"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1778"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}