{"id":1843,"date":"2014-11-23T20:54:28","date_gmt":"2014-11-23T18:54:28","guid":{"rendered":"http:\/\/hkreiter.com\/?p=1843"},"modified":"2017-04-11T21:53:44","modified_gmt":"2017-04-11T20:53:44","slug":"ein-tag-fuer-die-ewigkeit-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/ein-tag-fuer-die-ewigkeit-2\/","title":{"rendered":"Ein Tag f\u00fcr die Ewigkeit (2)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Bei 600 Metern begannen Flinserl von wei\u00dfem Schnee B\u00e4ume und Wiesen zu bedecken. Je h\u00f6her die M\u00e4nner stiegen, desto fester wurde die Schneedecke, bis es schlie\u00dflich einige hundert Meter weiter oben\u00a0schon ordentlich unter den Schuhsohlen knirschte. Unten am See hatte es in der letzten Woche noch einigen Regen heruntergeprasselt, aber dort, wo sie jetzt ihre Vorbereitungen treffen wollten, \u00a0war der Winter nicht mehr fern.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Meint ihr, er wird liegenbleiben,\u00a0<\/em>fragte einer der M\u00e4nner in die Stille hinein, die nur durch das stapfende Ger\u00e4usch der schweren Stiefel unterbrochen wurde.\u00a0<em>Kann man nicht sagen,\u00a0<\/em>meinte ein anderer. Dann schleppten sie sich, einem schmalem Pfad folgend, weiter hoch, bis eine unscheinbare, festgef\u00fcgte H\u00fctte in ihr Blickfeld trat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eigentlich war es f\u00fcr ihr Vorhaben egal, ob der Schnee Bestand haben oder bereits von einer n\u00e4chsten Regenwand weggesp\u00fclt w\u00fcrde. Wichtig war nur, dass niemand ihr Werk vorzeitig aufdeckte. Georg Fuchs, ihr Anf\u00fchrer, war in den vergangenen Tagen schon ein paar Mal hier oben gewesen. Die Jagdh\u00fctte eines Freundes war das ideale Versteck f\u00fcr ihre Utensilien. Das tr\u00fcbe Licht einer Taschenlampe gab den Blick frei auf Rollen von Draht, l\u00e4ngsseits der Wand unter einem Fenster aufgereiht, dessen schwere L\u00e4den verriegelt waren, Beutel mit Sprengz\u00fcndern, Sprengpatronen und schlie\u00dflich einige l\u00e4ngliche K\u00e4sten mit einer Kurbel am Ende, und Feuerwerksk\u00f6rper.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwei Petroleumlampen l\u00f6sten die Taschenlampe ab und erhellten die b\u00e4rtigen, dem Fuchs Georg zuwandten Gesichter, als er seine Anweisungen erteilte.\u00a0<em>Passt mir gut auf, dass die Z\u00fcnder richtig sitzen und die Dr\u00e4hte gen\u00fcgend fest mit den Kontaktbuchsen an den Kurbelk\u00e4sten verbunden sind.\u00a0<\/em><em>Sonst wird des nix mit unserm Spass!\u00a0<\/em>Die M\u00e4nner nickten beif\u00e4llig und ein gemeines Grinsen umspielte ihre M\u00fcnder. Dann machten Sie sich jeweils zu zweit,\u00a0mit dem Material aus der H\u00fctte bepackt, in verschiedene Richtungen auf.\u00a0<em>Wenn&#8217;s fertig\u00a0seid&#8217;s, treffen wir uns wieder hier in der\u00a0H\u00fctt&#8217;n. Und schaut&#8217;s, dass man die Dr\u00e4hte net sehen kann, auch wenn&#8217;s kein Schnee hat!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Fuchs Georg blieb in der H\u00fctte zur\u00fcck. Sie brauchten ihn nicht f\u00fcr ihre Arbeit und die Kraxlerei, noch dazu des nachts. Das war nichts mehr f\u00fcr ihn. Sie mussten schon aufpassen. Ein falscher Tritt, und &#8230;, aber er sorgte sich deshalb nicht. Sie waren allesamt gestandene M\u00e4nner.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So etwa eineinhalb Stunden sp\u00e4ter kamen die ersten zur\u00fcck und bald waren sie wieder alle versammelt. Der Fuchs Georg hatte in der Zwischenzeit eine Brotzeit hergerichtet, Speck, K\u00e4se und Brot. Bier und Schnaps gab&#8217;s immer auf der H\u00fctte. Einer von Fuchses Freunde fuhr den Proviant gelegentlich mit dem Auto hoch.\u00a0<em>Alles erledigt,\u00a0<\/em>berichteten sie nacheinander und der Fuchs Georg war es zufrieden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein paar derbe Witze flogen hin und her\u00a0und das bevorstehende Spektakel wurde mit zunehmendem Schnapskonsum hinreichend eifrig beredet.\u00a0<em>Es bleibt dabei,\u00a0<\/em>sagte der Fuchs dann in die l\u00e4rmenden M\u00e4nnerstimmen hinein. Am Dreissigsten, z<i>wei Stunden vor Mitternacht treffen wir uns unten am\u00a0Wildbach Steig.\u00a0Seid&#8217;s p\u00fcnktlich, damit die Leut&#8216; genau um Mitternacht auch was ham von unserm Spass! Und rauf m\u00fcssen wir ja schliesslich auch noch laufen. A Auto k\u00f6nnen wir halt leider keines nehmen, bei dem, was wir vorhaben!<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sorgf\u00e4ltig l\u00f6schten sie die Lampen, verschlossen die H\u00fctte und machten sich auf den Weg hinunter. Es war sternenklar, was ihnen Aufstieg\u00a0und Arbeit erleichtert hatte. Sie trugen keine Umh\u00e4nge heute, nur feste Joppen, aber keinem war es kalt. Der Schnaps und das Laufen heizten zur gen\u00fcge. Unten verloren sie sich und jeder kam nach hause, wie er hergekommen war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kaum hatten die M\u00e4nner die H\u00fctte verlassen, l\u00f6ste sich schemenhaft eine Gestalt, die bis dahin hinter einem Baum gekauert hatte. Der Kleidung nach h\u00e4tte es einer der ihrigen sein k\u00f6nnen, aber er war es nicht. Bei genauem Hinsehen konnte man eine B\u00fcchse erkennen, die der Mann geschultert hatte und einen Rucksack trug er. Dann verschluckte ihn schon die Finsternis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus den wenigen Wortfetzen, die aus der H\u00fctte gedrungen waren, hatte sich der Beobachter keinen rechten Reim auf die Zusammenkunft der M\u00e4nner machen k\u00f6nnen. Sie hatten etwas vor, so viel war klar, aber was? <em>Sollte es ihn k\u00fcmmern?<\/em>, fragte er sich.\u00a0<em>Vielleicht,\u00a0<\/em>dachte er, aber er hatte erst einmal selbst genug damit zu tun, das St\u00fcck Wild in seinem Rucksack unerkannt nach unten zu bringen.\u00a0<em>Ich gehe morgen bei Tageslicht noch einmal herauf.\u00a0<\/em>Der Mann hatte\u00a0ein Gesp\u00fcr daf\u00fcr entwickelt, wenn etwas faul war. Vielleicht lie\u00dfe sich eine bare M\u00fcnze herausschlagen? Mit gemischten Gef\u00fchlen schritt er hinab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann stockte sein Schritt. Er sah, wie sich die M\u00e4nner aus der H\u00fctte in der Dunkelheit verloren und jeder scheinbar einem anderen Ziel zustrebte. Gerade als er einen Fuss vorsetzen wollte, um weiter \u00a0zu gehen, knackte ein Ast hinter ihm. Erstarrt blieb er stehen und hob leicht die Arme, gew\u00e4rtig, im n\u00e4chsten Moment herum zu schnellen und dem Unbekannten gegen\u00fcber zu stehen.\u00a0<em>Lass&#8216; bleiben,\u00a0<\/em>vernahm er eine eisige Stimme.\u00a0<em>Meinst, wir haben dich nicht bemerkt? Denkst, du bist ein ganz Schlauer? Nur ein Mucks und du hast a Ladung Schrot im Hintern!\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf Gehei\u00df warf der Mann seine Flinte und den Rucksack auf den Boden.\u00a0<em>Jetzt r\u00fcber da, an den Baum!,\u00a0<\/em>befahl die Stimme. Flinke Finger tasteten ihn ab. Sein Hirschf\u00e4nger flog zu den anderen Utensilien.\u00a0Es mussten zwei M\u00e4nner sein. Dann wieder die Stimme.\u00a0<em>Bleib sch\u00f6n am\u00a0Bau gelehnt, die Haxen g&#8217;spreizt. Was willst von uns? Warst oben an der H\u00fctte? Hast uns belauscht? Und wildern tust auch noch! Ja, was machen wir denn da mit dir?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dem Mann wurde es hei\u00df, als er das Spannen des Hahnes am Gewehr vernahm. <em>Dreh dich<\/em>\u00a0<em>um!<\/em>,\u00a0wies ihn die Stimme jetzt an. Er tat, wie ihm befohlen und riss erschrocken die H\u00e4nde vors Gesicht, als ihn unvermittelt\u00a0der Strahl einer Lampe traf.<em>\u00a0<\/em><em>Na, da schau her! Du bist des. Wer h\u00e4tte das gedacht? So ein ehrw\u00fcrdiger Mensch. Behalt f\u00fcr dich, was&#8217;d geh\u00f6rt und gesehen hast, dann\u00a0<\/em><i>dr\u00fcck&#8217;ma beide Augen zu. Wenn net, dann &#8230; !<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\">Foto: Creative Commons-Lizenz, flickr,https:\/\/www.flickr.com\/photos\/13687890@N04\/<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1862,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[304],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1843"}],"collection":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1843"}],"version-history":[{"count":20,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1843\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3501,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1843\/revisions\/3501"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1862"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1843"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1843"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1843"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}