{"id":2291,"date":"2015-03-29T22:58:14","date_gmt":"2015-03-29T21:58:14","guid":{"rendered":"http:\/\/hkreiter.com\/?p=2291"},"modified":"2015-04-25T23:12:53","modified_gmt":"2015-04-25T22:12:53","slug":"ostern-2015","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/ostern-2015\/","title":{"rendered":"Ostern 2015"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Wieder einmal naht das Osterfest. Die Kinder sind in den wohlverdienten Ferien, die Eltern nehmen Urlaub und schon gehts ab. In den S\u00fcden, nach Italien, Spanien, Griechenland und vielleicht sogar noch weiter. Manche fahren auch an die Nord- oder Ostsee. Man weiss halt nicht, wie&#8217;s Wetter wird, und wenn man es weiss, ist es zu sp\u00e4t, dann muss man eben dort bleiben, wo man hingefahren ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Eltern bestimmen gemeinsam, wohin es dieses Mal gehen soll, und die Mutter entscheidet dann, wohin es wirklich geht. Mit einer kleinen aber wichtigen Einschr\u00e4nkung. War&#8217;s nix, das Wetter Mist, das Hotel, reden wir nicht davon, usw., dann lag die letzte Entscheidung auf jeden Fall bei der Mutter. Das ist verbrieft. War aber alles super, selbst die Urlaubsbekannten auszuhalten, dann hatte schon eher der Vater seine Hand im Spiel.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei den Schmiedhubers war es nicht anders. Gleich am Samstag, kaum dass die Schulranzen der Kinder in die Ecke geflogen waren, dr\u00fcckte der Vater p\u00fcnktlich um f\u00fcnf Uhr morgens den Anlasser. Es ist ja immer so, dass der Vater f\u00e4hrt und die Mutter den Rest erledigt. Getr\u00e4nke, Essen, Kinder bei Laune halten und in fr\u00fcheren Jahren, als es noch keinen Navi gab, selbstverst\u00e4ndlich auch mit Hilfe einer Karte navigieren. Und wehe, eine Ausfahrt wurde verpasst oder das ersehnte Hotel nicht gleich auf Anhieb gefunden, dann konnte dies die Urlaubsfreuden schon gewaltig d\u00e4mpfen. Selbst zu Scheidungen soll es deshalb gekommen sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erst nach Salzburg, dann auf die Katschbergautobahn, immer weiter durch K\u00e4rnten, \u00fcber irgendeinen Pass, durch Slovenien hindurch bis runter nach Kroatien. Das war der Plan. Aber es sollte anders kommen. Kaum hatte der Schmiedhuber Vater den frisch gewaschen und gebohnerten Viert\u00fcrer auf die Autobahn man\u00f6vriert, nahm das Desaster seinen Lauf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ja sauber,\u00a0<\/em>sagte der Vater,\u00a0<em>haben die da irgendwo ausgerechnet jetzt noch a Baustelle. Immer wenn d&#8217;Ferien san! Immer der gleiche Mist!\u00a0<\/em>Aber es half nichts. Nur langsam, beinahe in Zeitlupe, konnten sich die Wartenden schliesslich einf\u00e4deln. In so einem Fall will ja keiner seinen erk\u00e4mpften Vorsprung aufgeben und wenn es auch nur eine Autol\u00e4nge ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Hast denn kein Verkehrsfunk mehr g&#8217;h\u00f6rt oder im Internet nach&#8217;gschaut?,<\/em> fragte der Vater mit einem gef\u00e4hrlich vibrierenden Unterton in der Stimme die Mutter seiner Kinder neben ihm.\u00a0<em>H\u00e4ttest dich doch selber erkundigt, h\u00e4ngst ja sonst auch dauernd im Netz, dass man kaum mehr ein Wort mit dir red&#8217;n kann!\u00a0<\/em>Oh! Das war stark. Der Vater schluckte schwer und die Kinder auf der R\u00fcckbank konnten sehen, wie er sich nur m\u00fchsam beherrschte. Kinder im engeren Sinn waren sie eigentlich nicht mehr. Der Peter war dreizehn und die Angelika elf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Peter stiess Angelika mit dem Ellbogen an und zischte leise:\u00a0<em>Pass auf, jetzt zerreisst&#8217;sn gleich!\u00a0<\/em>Kichernd zischte sie zur\u00fcck:\u00a0<em>genau!\u00a0<\/em>Dann war wieder Ruhe, aber nicht sehr lange, denn der Vater hatte im R\u00fcckspiegel nat\u00fcrlich mitbekommen, dass sich seine Spr\u00f6sslinge \u00fcber ihn lustig machten.\u00a0<em>Des reicht jetzt da hinten! Reisst&#8217;s euch bloss zamm!, <\/em>lautete die unmissverst\u00e4ndlich hervorgesto\u00dfene Warnung des Vaters.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Es werden halt mehr Leut&#8216; schon zeitig in der Fr\u00fch losg&#8217;farn sein, meinst net?,\u00a0<\/em> erlaubte sich Peter noch anzuf\u00fcgen und dann noch, <i>vielleicht w\u00e4r&#8217;s g&#8217;scheiter g&#8217;wesen, erst sp\u00e4ter ins Auto z&#8217;steigen.\u00a0<\/i>Das ging ja schon gleich gar nicht. Da stellte dieser Rotzl\u00f6ffel die Autorit\u00e4t seines Vaters infrage. Und prompt brach des Vaters Reaktion \u00fcber die kleine Gesellschaft herein. Und sie war, wie sollte es auch anders sein, nat\u00fcrlich gegen seine arme Frau gerichtet.\u00a0<em>Da hast ja ein sauberes Fr\u00fcchterl ranzog&#8217;n,\u00a0<\/em>sagte er mit zornbebender Stimme.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und so ging es hin und her. Ein Wort gab das andere. Und so war viel verbale Bewegung im Auto der Schmiedhubers, aber drau\u00dfen, auf der Autobahn, da tat sich nichts. Der Verkehrsfunk von Bayern 3 brachte schliesslich die zur Best\u00e4tigung heiss ersehnte Meldung \u00fcber den totalen Verkehrszusammenbruch.\u00a0<em>Verehrte H\u00f6rer,\u00a0<\/em>s\u00e4uselte eine freundliche, weibliche Stimme, <i>die Verkehrsredaktion empfielt ihnen, wenn m\u00f6glich, erst am sp\u00e4teren Vormittag loszufahren oder noch besser, erst am Sonntag.\u00a0<\/i>Bumm, das war der Hammer!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ja sind die denn jetzt v\u00f6llig verr\u00fcckt?, <\/em>br\u00fcllte der Schmiedhuber Vater entsetzt, als h\u00e4tte das Radio an der Missere Schuld. Und schon setzte Sohn Peter noch eins drauf:\u00a0<em>Hab ich es nicht gesagt? Sp\u00e4ter h\u00e4tten wir losfahren sollen, sp\u00e4ter!\u00a0<\/em>Das war zu viel f\u00fcr den leidgepr\u00fcften Vater und er empfahl dem Sohn in strengem Ton, bei n\u00e4chster Gelegenheit mit dem Bus oder Zug nach Hause zu fahren, denn mit so einem unversch\u00e4mten L\u00fcmmel wolle er ganz sicher nicht den sauer verdienten Urlaub verbringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Mutter reichte es jetzt endg\u00fcltig.\u00a0<em>Du mit deiner bl\u00f6den Schreierei,\u00a0<\/em>herrschte sie den Vater, ihren Mann, mit zornbebender Stimme an.\u00a0<em>Der Bub hat doch recht! Aber du weisst halt immer alles besser, auch wenn es noch so ein Schmarrn ist.\u00a0<\/em>Und sie setzte noch hinzu: <em>D<\/em><em>amit&#8217;st es weisst, du kannst dann alleine weiterfahr&#8217;n. Wir drei jedenfalls lassen uns von dir die Laune f\u00fcr die n\u00e4chsten zwei Wochen nicht verderben!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nunmehr fand Angelika, dass das doch zu weit ginge und meinte:\u00a0<em>Also, ich fahr schon mit dem Papa weiter, weil, ich will nicht bei euch dann zuhause rumsitzen, wo nix los ist. <\/em>Mit einem Mal bewegte sich die Schlange und der Vater gab etwas Gas, um den Anschluss nicht zu verlieren und die sich pl\u00f6tzlich auftuende L\u00fccke zu schlie\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Schaut&#8217;s hin,\u00a0<\/em>sagte der Vater,\u00a0<em>wieder so ein Stau, von dem keiner weiss, warum es ihn \u00fcberhaupt gegeben hat.\u00a0<\/em>Und tats\u00e4chlich lief der Verkehr von einer Minute auf die andere so, als h\u00e4tte niemals ein Problem bestanden. Die n\u00e4chste Raststelle flog vor\u00fcber, dann noch eine und keiner wollte mehr zur\u00fcck nach Hause. Selbst der Vater schien jetzt gut gelaunt und fragte, ob er bald mal eine kleine Pause einlegen solle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Satzt war noch kaum beendet, als die s\u00e4uselnde Stimme aus dem Radio einen Strich durch die Rechnung machte und verk\u00fcndete, dass die verehrten Autofahrer am Katschbergtunnel leider mit Blockabfertigung rechnen m\u00fcssten, dies bedauerlicherweise eine gute Stunde Zeit koste, und wer es einrichten k\u00f6nne, m\u00f6ge doch erst am Nachmittag oder besser noch am Sonntag losfahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ja so eine Sch&#8230;,\u00a0<\/em>entfuhr es dem Vater,\u00a0<em>aber da k\u00f6nnen wir jetzt auch nichts machen, <\/em>bemerkte er in einem erstaunlich vers\u00f6hnlichem Tonfall, setzte \u00fcberraschend den Blinker und verlie\u00df die Autobahn an der nur wenige hundert Meter entfernten Ausfahrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Kommts,\u00a0<\/em>sagte er, <em>von so etwas\u00a0lassen <span style=\"text-decoration: underline;\">wir<\/span> uns doch net \u00e4rgern und vielleicht gar noch den Urlaub vermiesen! Fahr&#8217;n mia raus. Des is a ganz netter Ort, da dr\u00fcben, und kaufen wir uns a Kleinikeit zum Essen, was meint&#8217;s? Was denkt&#8217;s ihr, wie oft wegen solcher Anl\u00e4\u00dfe bei so manche Leut&#8216; g&#8217;stritten wird? Da m\u00f6chst net in einem solchen Auto mitfahr&#8217;n!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frau und Mutter, Peter und Karin nickten beif\u00e4llig, und Peter bemerkte noch mit einem Grinsen, wie gut es doch sei, dass solches bei ihnen nicht vork\u00e4me.\u00a0<em>Ja, ja,\u00a0<\/em>sagte der Vater, dabei den Arm seiner Frau t\u00e4tschelnd,\u00a0<em>mia san halt eine besondere Familie! Des is schon ein Gl\u00fcck!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\">Foto: flickr &#8211; Creative Commons Lizenz &#8211; https:\/\/www.flickr.com\/photos\/smile-me\/<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2303,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[305],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2291"}],"collection":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2291"}],"version-history":[{"count":17,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2291\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2309,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2291\/revisions\/2309"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2303"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2291"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2291"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2291"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}