{"id":2310,"date":"2015-04-26T01:51:12","date_gmt":"2015-04-26T00:51:12","guid":{"rendered":"http:\/\/hkreiter.com\/?p=2310"},"modified":"2015-05-25T14:32:06","modified_gmt":"2015-05-25T13:32:06","slug":"und-da-bin-i-dahoam","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/und-da-bin-i-dahoam\/","title":{"rendered":"&#8230;und da bin i dahoam!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wissen Sie,\u00a0<\/em>sagte der Mann an der Theke zu seinem Nachbarn, den er f\u00fcr diesen Abend zum Trinkkumpanen auserkoren hatte.\u00a0<em>Wissen Sie,\u00a0<\/em>wiederholte er\u00a0und bewegte den Barhocker mit den Fu\u00dfspitzen um eine viertel Drehung nach rechts,\u00a0<em>diese ganze Heimatromantik und vor allem diese uns\u00e4glichen Serien im Fernsehen, die machen doch mehr kaputt als sie n\u00fctzen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie sie eigentlich gerade auf dieses Thema gekommen waren, h\u00e4tte keiner von den beiden mehr sagen k\u00f6nnen. Wie das halt so ist, am Abend, an der Bar. <!--more-->Am Anfang hatte jeder sein Bier bestellt, vor sich hingetrunken, gelegentlich einen Blick in die Runde geworfen, aber kaum Notiz von den anderen genommen. Wie in vielen Hotelbars \u00fcblich, liefen auf mehreren Bildschirmen gleichzeitig tonlose Endlosschleifen von Golfturnieren und Modeshows, ohne von den G\u00e4sten wirklich wahrgenommen zu werden. Und dann waren sie irgendwann und irgendwie ins Gespr\u00e4ch gekommen. Nicht \u00fcber Berufliches oder Gesch\u00e4ftliches. Erstaunlicherweise, denn das w\u00e4re naheliegend gewesen. Welche M\u00e4nner sitzen sonst an einer Hotelbar, wenn es sich nicht gerade um Urlaubs- oder Freizeitdomizile handelt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Spielen Sie Golf?,\u00a0<\/em>hatte der Nachbar wissen wollen.\u00a0<em>Nein, weiss nicht, ich habe da keinen Bezug,\u00a0<\/em>oder so \u00e4hnlich, hatte er geantwortet und weiter erkl\u00e4rt, dass er es zwar schon beachtlich finde, einen Ball \u00fcber so gro\u00dfe Distanzen schlagen zu k\u00f6nnen.\u00a0<em>Um dann rumzueiern, bis er endlich in einem Loch verschwindet. Und alle um den Spieler herum f\u00fchren sich dann auf wie verr\u00fcckt und klatschen sich zu Tode,\u00a0<\/em>griff der Nachbar den Faden wieder auf und lachte sich schier kaputt. <em>Oder Tennis<\/em>, hatte er immer noch prustend vor Lachen nachgereicht und ausf\u00fchrlich beschrieben, wie sich die Zuschauer nach einem drei Stunden Match wegen des unabl\u00e4ssigen links und rechts Drehen des Kopfes einen Halswirbel ausgerenkt h\u00e4tten. <em>Und Sie laufen durch die Stadt, wo ein solches Match stattgefunden hat, und sehen st\u00e4ndig Menschen um sich herum, die nicht mehr aufh\u00f6ren k\u00f6nnen, den Kopf zu sch\u00fctteln,\u00a0<\/em>f\u00fchrte\u00a0der Nachbar von Lachsalven gepeinigt aus,\u00a0<em>und Sie fragen schliesslich jemanden, was er denn habe?\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sich auf die Schenkel schlagend und von wieherndem Lachen kaum noch Luft bekommend griff der Mann die Situation auf und sagte: <em>Und<\/em>\u00a0<em>ich\u00a0bekomme zur Antwort, dass er nicht wisse, was ich mit meiner Frage meinte und ich sehe diesen Menschen aber dann, wie er immer noch kopfsch\u00fcttelnd in ein Auto steigt, losf\u00e4hrt und die Fahrbewegungen des Wagens einer Schlangenlinie gleichen, weil die H\u00e4nde am Lenkrad nat\u00fcrlich den Augen des immrt noch kopfschuttelnden Fahrers folgen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und so ging es immer alberner und ausgelassener werdend hin und her. Beide M\u00e4nner sahen alles um sich herum nur noch durch Schlieren von Tr\u00e4nen.\u00a0Gewaltige, beinahe explosionsartige Lachanf\u00e4lle trieben regelrechte Fontainen durch die Tr\u00e4nenkan\u00e4le, die kaum noch in der Lage waren, die anst\u00fcrmenden Fluten zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da sagte der Nachbar unvermittelt zu dem Mann:\u00a0<em>\u00dcbrigens, ich bin der Rudi und da bin ich dahoam! Bayerisches Fersehen, Werbung f\u00fcr den Standort Bayern,\u00a0<\/em>prustete der Mann los.\u00a0<em>Wenn&#8217;s denn sein soll,\u00a0<\/em>sagte er dann,\u00a0<em>ich bin a hier dahoam, Helmut, kannst Helmut zu mir sagen!\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den vielen Bieren gesellten sich noch mehrere Schn\u00e4pse, Obstbr\u00e4nde aus der Region, wie der Barkeeper versicherte. Aber die beiden h\u00f6rten gar nicht, welch wertvoller Hinweis ihnen da gegeben wurde. Ihre rauschigen Sch\u00e4del waren schon l\u00e4ngst nicht mehr in der Lage, auch nur irgend etwas aufzunehmen. Und nur mit gro\u00dfer M\u00fche brachte der Helmut stammelnd hervor, er m\u00fcsse mal raus. Au\u00dfilassen, was er oben hineingesch\u00fcttet habe. Und schwankend bewegte er sich von dannen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht so zehn Minuten mochte es gedauert haben, bis dem Rudi auffiel, dass der Helmut immer noch nicht zur\u00fcck war.\u00a0<em>Sollt i vielleicht mal nachschaun, wo er bleibt, der Helmut. Net, dass er ausgrutscht is. K\u00f6nnt ja leicht sein, bei dem Surri, den der g&#8217;habt hat.\u00a0<\/em>Das sei eine gute Idee, meinte der Barkeeper, aber vorher m\u00f6ge der Herr doch bitte die Rechnung begleichen und zwar von beiden verehrten G\u00e4sten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dem Rudi ging so etwas wie ein Licht in seinem Bier- und Schnaps geschw\u00e4ngerten Kopf auf und so fragte er leise, ob der Herr Barkeeper damit meine, er solle seine Zeche und die von Helmut gleicherma\u00dfen zahlen. Und der Barkeeper anwortete unmissverst\u00e4ndlich und \u00fcber jeden Zweifel erhaben:\u00a0<em>Ja, genau das meine ich,\u00a0<\/em>und f\u00fcgte noch an, dass der andere Gast beim Hinausgehen noch gesagt habe, er w\u00fcrde die Zeche \u00fcbernehmen, denn er sei ja der Rudi und der Rudi, so habe w\u00f6rtlich gesagt, der Rudi, der is hier dahoam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<span style=\"color: #999999;\">Foto: flickr, Creative Commons-Lizenz,<a id=\"yui_3_11_0_3_1430009906765_426\" style=\"color: #999999;\" href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/rsps_tourismus\/\">RSPS Agentur f\u00fcr Kommunikation GmbH<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2329,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[352],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2310"}],"collection":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2310"}],"version-history":[{"count":18,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2310\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2413,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2310\/revisions\/2413"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2329"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2310"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2310"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2310"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}