{"id":2416,"date":"2015-06-13T17:02:24","date_gmt":"2015-06-13T16:02:24","guid":{"rendered":"http:\/\/hkreiter.com\/?p=2416"},"modified":"2015-09-06T16:52:28","modified_gmt":"2015-09-06T15:52:28","slug":"das-geheimnis","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/das-geheimnis\/","title":{"rendered":"Das Geheimnis"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Als irgendwann zu Beginn des letzten Jahrhunderts der Feldmeier Quirin den Hof von seinem Vater \u00fcbernahm, hatte ihn dieser davor schon von seinem\u00a0Vater und dieser wiederum von seinem\u00a0Vater \u00fcbernommen und so fort. Bis in die Lutherische Zeit hinein konnte der Quirinhof zur\u00fcckverfolgt werden. Und es war Brauch, dass der jeweils Erstgeborene\u00a0auf den Namen des Heiligen Quirin getauft wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Quirin, von dem hier die Rede ist, war allerdings alles andere als ein rechtschaffender Bauer. Weithin war er als Hallodri bekannt und wegen seiner Weibergeschichten <!--more-->nicht \u00fcberall gerne gesehen. So manche Magd war auf ihn hereingefallen\u00a0und die Leute\u00a0munkelten, dass auch die eine oder andere Bauersfrau seinem Charm nicht hatte widerstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Anwesen geh\u00f6rte zu den gr\u00f6ssten und profitabelsten im ganzen Gau. Ein Leichtfuss, wie er war, so gerissen war der Quirin aber auch, wenn es um den Hof und die Gesch\u00e4fte ging. Damit er seinem\u00a0unbeschwerten Leben fr\u00f6nen konnte, hatte er einen Verwalter eingesetzt. Einen umtriebigen, gewissenhaften und wohl auch sehr flei\u00dfigen Menschen, was die Leute so erz\u00e4hlten und, was sp\u00e4ter in den 80er Jahren dann auch einmal von einem sogenannten Heimatforscher aufgeschrieben worden war. Zu dieser Zeit war bereits der dritte Quirin des zwanzigsten Jahrhunderts am Ruder.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sein Gro\u00dfvater, der Hallodri, war Ende 68 im hohen Alter von 98 Jahren verstorben.\u00a0Die beim letzten Gang Anwesenden, berichteten \u00fcbereinstimmend, dass Quirin, der Alte, wie sie in nannten, dem verdutzten Sohn mit einem verschmitzten L\u00e4cheln etwas ins Ohr gefl\u00fcstert habe. Da Quirin der Erstgeborene es aber nicht preisgab, wusste niemand N\u00e4heres dar\u00fcber.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis vor ein paar Tagen der mittlerweile auch schon in die Jahre gekommene Vater des amtierenden Qiurin, also der Sohn des Gro\u00dfvaters, seinen Quirin zu sich rief und ihm das Geheimnis anvertraute.\u00a0<em>Du musst es wissen,\u00a0<\/em>hatte er gesagt,\u00a0<em>net dass ich pl\u00f6tzlich auch auf dem Friedhof lieg und keiner weiss Bescheid.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seitdem trieb es den armen Quirin hin und her. Wenn das herausk\u00e4me, nicht auszudenken! Die Leut&#8216;, der Pfarrer! <em>Sakrament,<\/em> entfuhr ihm ein derber Fluch. Aber das passte zum Gro\u00dfvater, diesem ausgefuchsten Hundling, der nichts hatte anbrennen lassen. Die Mutter, das war doch schon tragisch genug. Und jetzt das noch!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie sollte er es seiner Frau sagen? Vorerst gar nicht. Au\u00dfer dem Vater und jetzt ihm, wusste es ja niemand und so sollte es auch bleiben. Die Tage und Wochen zogen dahin und \u00fcber die Arbeit verga\u00df Quirin das Geheimnis des Vaters. Bis eines Tages eine Frau etwa im Alter der verschiedenen\u00a0Mutter vor der T\u00fcr stand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Bist du\u00a0der Quirin?, <\/em>wollte sie wissen, <em>der, dessen Vater vom Quirin dem Hallodri abstammt?\u00a0<\/em>Quirin blickte irritiert hoch und unschwer war zu erkennen, dass er nicht recht verstand, was diese Frau von ihm wollte.\u00a0<em>Macht nix,\u00a0<\/em>sagte die Frau,\u00a0<em>wirst es gleich erfahren, warum ich hier bin.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quirin bat die Frau schliesslich ins Haus, schickte nach dem Vater und liess von einer Magd Kaffee und Kuchen auftragen. Schweigend sa\u00dfen sie so am Tisch, nur die Frau unterbrach gelegentlich mit einem wohligen\u00a0<em>der is guad, <\/em>wobei sie offensichtlich den Kuchen meinte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bald schon steckte der Vater den Kopf in die Stube und erkl\u00e4rte, dass er gleich k\u00e4me und nur noch die Schuhe ausziehen wolle.\u00a0<em>Alles voller Erden,\u00a0<\/em>f\u00fcgte er hinzu. Eine Minute sp\u00e4ter war er mit einem fragenden Gesicht bei ihnen.\u00a0K\u00f6nigshofer<em>\u00a0Maria,\u00a0<\/em>stellte sich die Frau vor.\u00a0<em>Du bist also der Quirin, der Mann vom Luiserl?\u00a0<\/em><em>Ja, schon,\u00a0<\/em>sagte der so Angesprochen,\u00a0<em>aber ich versteh\u00a0nicht &#8230;?\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Schau, is doch ganz einfach,\u00a0<\/em>sagte die Frau und lachte dabei \u00fcber das ganze Gesicht,\u00a0<em>war net deine Frau auch eine geborene K\u00f6nigshofer? Und kennst mich nimmer von eurer Hochzeit? Na..!\u00a0<\/em>Langsam, ganz langsam d\u00e4mmerte es Quirin.\u00a0<em>Ja, freilich,\u00a0<\/em>sagte er,\u00a0<em>jetzt erinnere ich mich, du bist die Maria, die Schwester vom Luiserl. Hast dich lang net sehen lassen!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ich weiss, aber das erkl\u00e4r ich dir sp\u00e4ter einmal. Jetzt bin ich hier, weil mir die Mutter am Totenbett noch etwas anvertraut hat und des muss ich mit dir bereden. Am Totenbett, sagst. War auch schon lang nimmer da g&#8217;wesen, eure Mutter,\u00a0<\/em>sagte der Quirin bed\u00e4chtig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Weiss er Bescheid?,\u00a0<\/em>fragte Maria und deutete auf ihn, dem der Vater, noch nicht lange her, das Unfassbare er\u00f6ffnet hatte.\u00a0<em>Ja, er weiss, was ich auch weiss und was ich auch erst erfahren hab&#8216;, als sein Gro\u00dfvater\u00a0gestorben ist.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt lag die volle Wahrheit auf dem Tisch, ausgesprochen, endlich ausgesprochen! Und schon bald werden es die Spatzen von den D\u00e4chern pfeifen, dachte Quirin. Er war der Sohn seiner Tante, weil das K\u00f6nigshofer\u00a0Luiserl ein Kind vom Gro\u00dfvater gewesen ist, der es damals in seiner Z\u00fcgellosigkeit\u00a0mit der Frau des K\u00f6nigshofer\u00a0Bauern getrieben hatte. Der aber hatte nichts gemerkt und keiner der beiden Umtriebigen\u00a0hatte es ihm gesagt. Und so blieb es ein Geheimnis, bis heute.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Der Sohn von der Schwester des Vaters &#8211; da wird&#8217;s schaun, die Erna, mei Frau,\u00a0<\/em>war alles, was er sagte, als er die neu hinzugewonnene Tante Maria vom Hof verabschiedete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #808080;\">Foto: Creative Commons-Lizenz, flickr,<a id=\"yui_3_11_0_3_1434210439640_357\" style=\"color: #808080;\" href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/39559585@N00\/\">wolfgraebel<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2439,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[304],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2416"}],"collection":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2416"}],"version-history":[{"count":18,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2416\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2446,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2416\/revisions\/2446"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2439"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2416"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2416"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2416"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}