{"id":2473,"date":"2015-07-30T23:56:02","date_gmt":"2015-07-30T22:56:02","guid":{"rendered":"http:\/\/hkreiter.com\/?p=2473"},"modified":"2015-09-06T16:51:58","modified_gmt":"2015-09-06T15:51:58","slug":"sonntagsfieber","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/sonntagsfieber\/","title":{"rendered":"Sonntagsfieber"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Dienstag Morgen, der Brieftr\u00e4ger kommt immer fr\u00fch, sp\u00e4testens gegen neun hat er die Post eingeworfen. So war es gestern, heute und morgen wird es auch so sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als der Strohmeier Maximilian, im Dorf kurz Maxl genannt, zum Briefkasten vorne am Gartent\u00fcrl schlurfte, ahnte er nicht, welche Folgen sich aus dieser allt\u00e4glichen Routine ergeben w\u00fcrden.\u00a0<!--more--><em>Wieder nur lauter Mist,\u00a0<\/em>schimpfte er, als ihn seine Frau, die Burgl, nach der Post fragte.\u00a0<em>Schmei\u00df glei weg,\u00a0<\/em>meinte sie und widmete sich wieder dem Herrichten des Fr\u00fchst\u00fccks.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Maxl indessen befolgte den Rat seiner Frau nicht, jedenfalls nicht in vollem Umfang. Ein geheimnisvoller Brief mit allerlei Zeichen auf dem Kuvert und einer von einem Automaten aufgedruckten Briefmarke hatte seine Aufmerksamkeit erregt. Heimlich steckte er das Kuvert in die Hosentasche, der Rest flog in den M\u00fclleimer. Dann machte er sich \u00fcber das Fr\u00fchst\u00fcck her und vergass den Brief.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beinahe eine Woche sp\u00e4ter, genau gesagt am Sonntag, machte sich der Maxl mit seinem Hund auf zum sonnt\u00e4glichen Spaziergang, derweilen sich die Burgl schon um das mitt\u00e4gliche Wohlergehen k\u00fcmmerte. Am Sonntag gab&#8217;s n\u00e4mlich immer einen Braten, Kn\u00f6del und den Kartoffelsalat, wie ihn der Maxl gerne hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beinahe zur selben Zeit verliess auch die Brunnhuber Veronika das Haus, um sich mit ihrem Stiegenglander in die gleiche Richtung, wie der Maxl, zu bewegen. Sie und der Maxl kannten sich schon seit ewigen Zeiten und irgendwie gab es immer eine gewisse Spannung, wenn sie sich begegneten. Alleine, nicht aber, wenn Maxls Burgl mit dabei war, dann nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Was f\u00fcr ein Zufall,\u00a0<\/em>sagte die Veronika, als sie den Maxl auf der gro\u00dfen Wiese am Dorfweiher eingeholt hatte.\u00a0<em>Ja da schau her, die Veronika,\u00a0<\/em>entgegnete der Maxl und verlangsamte seinen Schritt. Er hatte es gern, wenn die Veronika so neben ihm her schritt und sich dabei manchmal wie zuf\u00e4llig ihre H\u00e4nde ber\u00fchrten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Burgl legte den Braten in die Reine, gab noch allerlei Gem\u00fcse und Gew\u00fcrze hinzu und schob das Ganze in das vorgeheizte Rohr.\u00a0<em>So um die zwei Stunden wird er schon brauchen,\u00a0<\/em>sagte sie zu sich, stellte die Uhr ein und konzentrierte sich dann auf den Kn\u00f6delteig. Die Kartoffeln, mit der B\u00fcrste geschrubbt, dass die Schalen nur so gl\u00e4nzten\u00a0und schwups\u00a0in den Topf. Der Kartoffelsalat musste lauwarm sein, nicht zu heiss und schon gleich gar nicht kalt. Lauwarm, so mochte ihn der Maxl.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die beiden Hunde hatten einen rechten Spass und tollten durch die Gegend, dass es eine wahre Freude war. Recht eng ging die Veronika jetzt neben dem Maxl, so dass sich nicht nur die H\u00e4nde n\u00e4her kamen.\u00a0<em>Schau, da dr\u00fcben,\u00a0<\/em>sagte der Maxl und zeigte mit der Hand nach rechts, als sich im selben Moment, niemand weiss warum, die Veronika abrupt nach links drehte. Da war es auch schon passiert. Ihre Oberk\u00f6rper prallten mit einem sanften Druck aufeinander und der Maxl konnte nicht anders, als die wohlgeformte Oberweite der Veronika auf seiner Brust zu sp\u00fcren. Um genau zu sein, musste der Maxl sich eingestehen, dass er es mit jeder einzelnen seiner Rippen auskostete. Und die Veronika liess ihm Zeit, es auch ausgiebig zu tun.\u00a0<em>Hoppla!,\u00a0<\/em>sagte sie nur leise.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Burgl wusste, der Maxl w\u00fcrde so zweieinhalb bis drei Stunden unterwegs sein, denn sonntags zog es ihn immer auch ins Wirtshaus und die Burgl g\u00f6nnte es ihm. Sie sah auf die Kuckucksuhr \u00a0an der Wand und nickte mit dem Kopf. Sie war exakt in der Zeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ja mei,\u00a0<\/em>brummte der Maxl verlegen,\u00a0<em>des is ja jetzt bl\u00f6d g&#8217;laufen. Ich nach rechts und du nach links&#8230; <\/em>Verlegen lachte er dazu und auch die Veronika steuerte ein etwas \u00fcberzogenes, spitzes Kichern\u00a0bei. Langsam traten sie einen halben Schritt zur\u00fcck und machten Anstalten, ihren Spaziergang fort zu setzen. Aber so richtig mochte das jetzt nicht mehr gelingen.\u00a0<em>Magst vielleicht ein Kaffee,\u00a0<\/em>fragte die Veronika pl\u00f6tzlich in das entstandene Schweigen hinein.\u00a0<em>Ich hab&#8216; n\u00e4mlich eine neue Maschine und da k\u00f6nnst mir gut helfen, damit&#8217;s auch funktioniert.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch drei\u00dfig Minuten, dann war der Braten fertig. Rohr auf, noch einmal \u00fcbergie\u00dfen, Hitze reduzieren und fertig brutzeln lassen. Die Burgl beherrschte ihr Tun. Kochen war f\u00fcr sie immer schon mehr Spass als\u00a0Arbeit gewesen. Noch ein kleiner Schuss Essig. Ausk\u00fchlen lassen. Der Kartoffelsalat war fertig und w\u00fcrde dem Maxl, da war sich die Burgl absolut sicher, besonders gut schmecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Weisst,\u00a0<\/em>sagte die Veronika,\u00a0<em>magst dich a bi\u00dferl umschaun?\u00a0<\/em>Der Maxl tat, wie ihm gehei\u00dfen, aber irgendwie wusste er nicht so recht, wie er mit der Situation umgehen sollte. Die Kaffeemaschine funktionierte perfekt, da gab es nichts f\u00fcr ihn zu tun . Die Hunde vergn\u00fcgten sich im Garten, nur er f\u00fchlte sich ein wenig deplatziert.\u00a0<em>Komm a mal,\u00a0<\/em>h\u00f6rte der Maxl die Veronika sagen und er ging hin\u00fcber, von woher die Stimme kam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Bist aber heut&#8216; sp\u00e4t dran,\u00a0<\/em>meinte die Burgl.\u00a0<em>Hat dich des Wirtshaus net los lass&#8217;n? Nein, na, na&#8230;,\u00a0<\/em>stotterte der Maxl herum.\u00a0<em>Ich hab&#8216; die Brunnhuber Veronika getroffen. Sie war auch mit ihr&#8217;m Hund am Weiher und da sind wir halt so ins Ratschen\u00a0gekommen. So, so, ins Ratschen\u00a0seid&#8217;s gekommen. \u00dcber was denn nachat?, <\/em>wollte die Burgl neugierig wissen.\u00a0<em>Ja,<\/em> stammelte der Maxl weiter und erkl\u00e4rte, dass neulich ein Brief in der Post gewesen sei, in dem ihm mitgeteilt worden war, er sei einer von drei Hauptgewinnern und er m\u00fcsse sich melden.\u00a0<em>Und stell dir vor, die Veronika hat just auch so einen Wisch bekommen.\u00a0<\/em><em>Und dar\u00fcber hast dann die Zeit verlor&#8217;n?<\/em>, fragte die Burgl scheinheilig und f\u00fcllte die Teller mit den herrlichen Speisen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Maxl, dem nichts Besseres eingefallen war, und der gedanklich immer noch halb bei der Veronika weilte, suchte verzweifelt nach einem passablen Ausweg. Eifrig schaufelte er sich Kartoffelsalat, Kn\u00f6del und Braten in den Mund, in der Hoffnung, das w\u00fcrde\u00a0ihm Zeit verschaffen, um eine gescheite Antwort zu finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bevor er aber noch etwas sagen konnte, hob die Burgl an und bemerkte mit einem schelmischen\u00a0L\u00e4cheln im Gesicht:\u00a0<em>Du wirst es nicht glauben und ich wollt&#8217;s dir schon k\u00fcrzlich einmal erz\u00e4hlen. Genau das gleiche ist mir neulich mit dem Hofstaller Alois passiert. Was es f\u00fcr Zuf\u00e4lle gibt!\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Maxl kaute unlustig auf seinem Essen herum. Es schmeckte ihm mit einem Mal gar nicht mehr so richtig und er sah die Burgl an, die immer noch so ein wissendes Grinsen aufgesetzt hatte, w\u00e4hrend sie mit sichtlichem Genuss ein St\u00fcck Braten in den Mund schob.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<span style=\"color: #999999;\">Foto: Creative Commons Lizenz, flickr,<a id=\"yui_3_11_0_3_1438294685248_373\" style=\"color: #999999;\" href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/ferran-jorda\/\">Ferran.<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2480,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[304],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2473"}],"collection":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2473"}],"version-history":[{"count":15,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2473\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2489,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2473\/revisions\/2489"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2480"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2473"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2473"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2473"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}