{"id":3662,"date":"2017-10-22T16:22:28","date_gmt":"2017-10-22T15:22:28","guid":{"rendered":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/?p=3662"},"modified":"2017-11-16T02:21:23","modified_gmt":"2017-11-16T01:21:23","slug":"umzug-synchronizitaet-der-ereignisse","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/umzug-synchronizitaet-der-ereignisse\/","title":{"rendered":"Umzug: Synchronizit\u00e4t der Ereignisse&#8230;"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1\">Um die Geschichte im Zusammenhang wirklich begreifen zu k\u00f6nnen, ist es von eminenter Wichtigkeit, dass der Leser wei\u00df: sie fu\u00dft auf realen Begebenheiten und, was die Psychologie unter Synchronizit\u00e4t versteht.<\/p>\n<p class=\"p1\">&#8222;Synchronizit\u00e4t&#8220; ist\u00a0die Gleichzeitigkeit, zeitliches Zusammentreffen von psychischen u. physischen Vorg\u00e4ngen, das kausal nicht erkl\u00e4rbar ist (z.<span class=\"s1\">\u00a0<\/span>B. bei der Telepathie) &#8211; (Nach C.<span class=\"s1\">\u00a0<\/span>G. Jung -\u00a9 Duden &#8211; Deutsches Universalw\u00f6rterbuch, 7. Aufl. Mannheim 2011 [CD-ROM].)<\/p>\n<p>Meine Frau und ich, beide bekannterma\u00dfen aus dem Bayerischen stammend, haben ein neues Zuhause bezogen. Erstaunlicherweise haben sich dabei gewisse Ereignisse ziemlich ann\u00e4hernd ebenso zugetragen, wie sie <em>Waldimar Hinterbrunner<\/em>\u00a0in der nun folgenden Tatsachenwiedergabe erlebt hat.<!--more--><\/p>\n<p>Waldimar Hinterbrunner war stets in seinem Leben ein gewissenhafter Mensch gewesen und so verwundert es nicht, dass man eines Tages in seiner Hinterlassenschaft Aufzeichnungen gefunden hat, die in \u00e4u\u00dferst pr\u00e4ziser Sprache wiedergeben, was er damals, in einer Zeit, als es noch gar kein Handy gab und auch das Wort Computer noch nicht erfunden war, \u00fcber sich hatte ergehen lassen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>In Adelstein, einem irgendwo in den bayerischen Bergen gelegenen Dorf am Fu\u00dfe des Domizils des ehrw\u00fcrdigen Grafen derer von Adelstein war das Auskommen f\u00fcr die dort Lebenden immer schwerer geworden. Seit Jahren zeichnete sich ab, dass die bisher angestammten Berufe sehr bald schon das t\u00e4gliche Brot nicht mehr einbringen w\u00fcrden. Umw\u00e4lzende Neuerungen flimmerten am Horizont, aber der Graf, bar jeglicher Vision, sah die Zeichen der neuen Zeit nicht.<\/p>\n<p>Es war nicht seine Schuld, denn niemand hatte es ihm erkl\u00e4rt, ja nicht erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, weil sie es selbst nicht sahen. Nicht so der Hinterbrunner Waldimar. Er sah, was den Adeligen der Zeit verborgen war.\u00a0<em>Wir m\u00fcssen weg von hier,\u00a0<\/em>sagte er deshalb eines sch\u00f6nen Tages zu seinem Weib und dem Gesinde am Hof.\u00a0<em>Wer will, geht mit, wer nicht, bleibt da!,\u00a0<\/em>Punkt und fertig. Waldimar war ein Realist, wie er glaubte, und liebte es deshalb nicht besonders, viele Worte um Unausweichliches zu machen.<\/p>\n<p>Und so geschah es, dass Waldimar Hinterbrunner Hof und Land zu einem annehmbaren Preis verkaufte, was ihm, wie er dank seiner Vorahnung glaubte, sp\u00e4ter, wenn er auch nur wenige Monate noch gewartet h\u00e4tte, nicht mehr beschieden gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Aus der benachbarten gr\u00f6\u00dferen Gemeinde war schnell ein Transporteur gefunden, der gegen Bezahlung des Waldimars Hab und Gut zur neuen Bleibe verschaffen sollte. Waldimar und sein Weib sortierten aus, was im neuen Heim nicht mehr vonn\u00f6ten oder zu gebrauchen w\u00e4re und bauten auf das Wort des Transporteurs, das Verbliebene sorgf\u00e4ltig zu verpacken, z\u00fcgig aufzuladen und alsdann die Reise anzutreten.<\/p>\n<p>Jetzt war es so, dass Waldimar sich ausgerechnet jenseits der Grenzen der L\u00e4ndereien des Grafen derer von Adelstein niederlassen wollte. Der Transporteur nun, schien, entgegen seiner Beteuerungen, nur sehr wenig Ahnung davon zu haben, was dieser Umstand mit sich bringen w\u00fcrde. Grenzdokumente waren vorzulegen und zwar nicht nur f\u00fcr das mitgef\u00fchrte Ger\u00fcmpel, nein, da waren im Voraus auch Steuern zu entrichten f\u00fcr die eigenen Gespanne und, was niemand vorher zu wissen schien, ein Dokument sei verlangt, sagten die Grenzbeamten, das best\u00e4tige, dass der Waldimar sich mit Weib und Gut am neuen Wohnort bereits angemeldet habe. Weil Selbiges aber nicht verf\u00fcgbar war, musste Waldimar gar Bares hinterlegen, das er sp\u00e4ter gegen Vorlage der verlangten Bescheinigung\u00a0 wieder zur\u00fcckerstattet bek\u00e4me.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und so galt es, einigen Aufwand zu betreiben, bis sich schlie\u00dflich Stunden sp\u00e4ter der Grenzbaum f\u00fcr Waldimar nebst Gefolge \u00f6ffnete. Wie gut w\u00e4re es, dachte Waldimar noch, wenn es keine Grenzen g\u00e4be und man einfach dahin reisen k\u00f6nnte, wohin einem gerade der Sinn stand. Aber in dieser Hinsicht war Waldimar nicht sehr optimistisch, hatte er doch geh\u00f6rt, dass es Herzogt\u00fcmer g\u00e4be, die \u00fcber Aufteilungen und Zuordnungen nachd\u00e4chten, die zu noch mehr Grenzen und Verwaltungsformalismus f\u00fchren w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Wie praktisch w\u00e4re es, war eine weitere \u00dcberlegung des Vision\u00e4rs Waldimar Hinterbrunner, wenn Grenzen, sofern man sie denn unbedingt haben m\u00f6chte oder brauchte, trotzdem ohne Aufwand, einfach so, zu passieren w\u00e4ren. <em>Sei&#8217;s denn,\u00a0<\/em>sagte Waldimar zu sich und k\u00fcmmerte sich darum, die Formalit\u00e4ten am neuen Wohnort zu erledigen und auch die Bescheinigung, wonach er zum F\u00fchren der Gespanne berechtigt war, zu erlangen.<\/p>\n<p>Aber so einfach war das nicht. Es war n\u00e4mlich so, dass Waldimar f\u00fcr die mitgebrachten Kutschen und Fuhrwerke eine technische Zulassung der neuen, dem Wohnsitz zugeordneten Region beantragen musste, und das, obwohl just diese Fahrzeuge aus eben dieser Region stammten, weil hier gebaut und in alle Welt vertrieben.<\/p>\n<p>Und so lie\u00df Waldimar geduldig Verwaltungsakt um Verwaltungsakt \u00fcber sich ergehen. Und es w\u00fcrde den Rahmen dieser Kurzgeschichte bei Weitem sprengen, wenn man an dieser Stelle Waldimars gesammelte Aufzeichnungen zur G\u00e4nze wiederg\u00e4be.<\/p>\n<p>Beim Lesen kam mir noch in den Sinn, wie es scheinbar schon damals zu Waldimars Zeiten diesen immensen Engpass in den Verwaltungs- und\u00a0<span style=\"text-decoration: underline;\">Meldestellen<\/span> der Landeshauptstadt gegeben haben musste. Denn schon er beschreibt das stundenlange Warten als eine <em>eklatante Zumutung<\/em>.<\/p>\n<p>So h\u00e4ngen sie zusammen die unabwendbaren Zw\u00e4nge, bedingen einander und werden zu Ereignissen, wieder und immer wieder. Aber, leben wir nicht im Land der B\u00fcrokraten? W\u00fc\u00dften nicht gerade sie, was abzuschaffen w\u00e4re? Jetzt, sp\u00e4testens an diesem Punkt, greift die Synchronizit\u00e4t in den unabwendbaren Ablauf ein.<\/p>\n<p><em>Das zeitliche Zusammentreffen physischer und psychischer Vorg\u00e4nge, die kausal nicht erkl\u00e4rbar sind.<\/em> Jetzt verstehen wir, warum es selbst dann nicht zu Ver\u00e4nderungen (und Verbesserungen) kommen kann, wenn ein\u00a0 ehemaliger Ministerpr\u00e4sident um den Abbau der B\u00fcrokratie (in Br\u00fcssel) bem\u00fcht ist (selbst, wenn er aus Bayern kommt). Die Gesetze der Synchronizit\u00e4t sind eben unteilbar, ja, sie verbieten solches Bestreben geradezu. Und deshalb kann ein B\u00fcrokrat, weil diesen Gesetzen unterworfen, mehr als alle anderen, niemals sich selbst abschaffen.<\/p>\n<p>Manche Ver\u00e4nderung f\u00f6rdert die Einsicht. Mir ist es so ergangen, dem Hinterbrunner Waldimar schon viel fr\u00fcher! Schade, dass er nicht mehr unter uns weilt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #999999;\">Foto: Creative Commons-Lizenz, flickr,\u00a0<a id=\"yui_3_11_0_3_1508684695589_435\" href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/95975006@N08\/\">Ouwesok<\/a><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"p1\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3675,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[304],"tags":[768,975,973,974,972,976],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3662"}],"collection":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3662"}],"version-history":[{"count":15,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3662\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3678,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3662\/revisions\/3678"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3675"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3662"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3662"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3662"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}