{"id":3697,"date":"2017-11-07T14:42:22","date_gmt":"2017-11-07T13:42:22","guid":{"rendered":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/?p=3697"},"modified":"2018-01-23T16:21:30","modified_gmt":"2018-01-23T15:21:30","slug":"weihnacht-vor-der-tuer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/weihnacht-vor-der-tuer\/","title":{"rendered":"Weihnacht vor der T\u00fcr&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Jeder merkt es, kennt den Wandel, sp\u00fcrt, wenn die Zeit auf Weihnachten zueilt. Nicht jeder, k\u00f6nnte man mit Fug und Recht einwenden, aber solcherlei Betrachtungen haben hier und jetzt keinen Platz.<\/p>\n<p>Der November zieht auf. Herbstst\u00fcrme begleiten ihn, bunt gef\u00e4rbte Bl\u00e4tter fallen von Busch und Baum, der erste Schnee ist nicht mehr fern und doch hindern warme, laue F\u00f6hnlagen ihn an manchen Tagen, seine wei\u00dfe Last ins Land zu tragen.<!--more--><\/p>\n<p>Das Licht ist anders. Entlaubte B\u00e4ume ragen wie schwarze Finger in den wolkenverhangenen Himmel. Unwirklich scheint die Ferne unsere Sinne zu verwirren. Nahe r\u00fccken die Berge vor, wir sehen es mit eigenen Augen, bis an die Grenzen der Stadt. Die Sonne bahnt sich ihren Weg und warmer Wind streicht s\u00e4uselnd uns durchs Haar.<\/p>\n<p>Erster Advent, nur noch wenige Tage, Punsch wird angerichtet, es riecht nach Zimt, die Zeit vor Weihnachten hat begonnen.<\/p>\n<p>Friedlich wollen es die Menschen nunmehr haben. Am liebsten mit Schnee, so wie in der Kindheit, wie es die Alten gern erz\u00e4hlen. Aber er kommt nicht mehr so regelm\u00e4\u00dfig wie fr\u00fcher. Die Leute in den Bergen blicken sorgenvoll in den Himmel. Ohne Schnee keine Fremden und ohne diese kein Verdienst.<\/p>\n<p><em>Da n\u00fctzen auch die teuer angeschafften Schneekanonen nichts,\u00a0<\/em>meint der B\u00fcrgermeister.\u00a0Mit grimmigem Blick durch die Fenster nicken die Frauen und M\u00e4nner des Gemeinderates. Vielleicht wird es ja noch, hoffen sie.<\/p>\n<p>G\u00e4be es nicht die Handvoll zwielichtigen Gesindels, das immer und \u00fcberall wie auf Kommando aus dem Nichts hervorquillt. Pl\u00f6tzlich sind sie da. Niemand hat sie gerufen und niemand will sie haben. Und trotzdem, wie in jedem Jahr, werden sie ihr Unwesen auch diesmal treiben. Stehlen auf den Weihnachtsm\u00e4rkten aus Taschen, K\u00f6rben, M\u00e4nteln und Jacken, alles, was ihnen gerade so in die Finger kommt. Ja selbst an den T\u00fcren der H\u00e4user machen sie nicht Halt und tricksen mit allerlei Gaunereine den Menschen das Geld aus dem Beutel.<\/p>\n<p><em>Das lassen wir uns nicht mehr bieten,\u00a0<\/em>sagt der B\u00fcrgermeister und fordert den Polizeiposten auf, sich etwas einfallen zu lassen.<\/p>\n<p>Aber, was kann man schon dagegen tun? Das Gesetz ist streng, jedoch nicht jedermann ist gleich ein Hallodri, blo\u00df weil er anders aussieht, ein Fremder ist, in einer anderen Sprache spricht oder sich verh\u00e4lt, wie kein Einheimischer es jemals tun w\u00fcrde.<\/p>\n<p><em>Wir machen es anders als bisher,\u00a0<\/em>schlagen die Polizisten vor und erl\u00e4utern ihren Plan.<\/p>\n<p>Aufmerksamen Beobachtern w\u00fcrden vielleicht die P\u00e4rchen und jungen Leute nicht entgehen, die vereinzelt durch das Dorf streichen, da und dort unvermittelt stehen bleiben, etwas notieren oder ein Foto schie\u00dfen.<\/p>\n<p>Indessen treffen sich in einer Scheune am Ortsrand unbemerkt ein paar M\u00e4nner und Frauen. Es ist schon sp\u00e4t am Nachmittag und das diffuse Licht reicht kaum mehr aus, um ihre Gesichter auszumachen. Sie sprechen wenig, scheinen einander aber zu kennen.<\/p>\n<p>Nur wenige Minuten sp\u00e4ter st\u00f6\u00dft ein Mann zu der Gruppe, dessen Gesicht hinter der breiten Krempe eines Hutes verborgen bleibt. In einer fremdl\u00e4ndisch klingenden Sprache spricht er leise auf die Leute ein.\u00a0<em>Das war f\u00fcr unsere beiden Neuen,\u00a0<\/em>sagt der Mann<em>, <\/em>und wiederholt dann alles noch einmal auf Deutsch.<\/p>\n<p>Unbeschwert gehen die Menschen im Dorf ihren Verrichtungen nach. Freundliche Worte fegen \u00fcber Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze, w\u00e4hrend Gemeindediener und Helfer der freiwilligen Feuerwehr darangehen, den Weihnachtsschmuck anzubringen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich und wie jedes Jahr wird diese ehrenvolle Arbeit von so Manchem mit einem Schnaps belohnt. Kein Wunder also, dass die Stimmung immer ausgelassener wird und am Ende alle froh sind, als die Arbeit getan ist. Der Chauffeur des Leiterwagens hat selbstverst\u00e4ndlich nicht einen Tropfen anger\u00fchrt.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Wochenende ist es soweit. Die Buden des Christkindelmarktes stehen zum gr\u00f6\u00dften Teil schon und es wird geh\u00e4mmert und ges\u00e4gt, um auch das letzte Teil noch rechtzeitig anzubringen.<\/p>\n<p>Im Dienstzimmer des Polizeipostens findet eine letzte Besprechung statt.\u00a0<em>Also dann,\u00a0<\/em>sagte der Diensthabende,\u00a0<em>ihr wisst, was zu tun ist!<\/em><\/p>\n<p>Zeitig am Morgen, bevor die Buden und Standl ihre Waren, Schmausereien und Getr\u00e4nke feilbieten, finden die Leute aus der Scheune sich eben dort\u00a0 wieder ein. Auch der Mann mit dem Hut st\u00f6\u00dft dazu, erteilt letzte Anweisungen, um sich dann gru\u00dflos zu entfernen.<\/p>\n<p>Er mag vielleicht so an die zweihundert Meter auf der Dorfstra\u00dfe in Richtung Marktplatz unterwegs gewesen sein, als pl\u00f6tzlich hinter einer der Buden zwei Junge M\u00e4nner hervortreten und ihm den Weg versperren.\u00a0<em>Nicht so eilig,\u00a0<\/em>sagt einer von ihnen. Gehetzt blickt der Mann sich um, aber auch hinter ihm stehen zwei Burschen und ihre Gesichter sagen:\u00a0<em>Lass es bleiben, du entkommst uns nicht.<\/em><\/p>\n<p>Etwa eine viertel Stunde sp\u00e4ter, nachdem der Mann die Scheune verlassen hatte, macht sich auch die Gruppe auf den Weg. Sie gehen jeweils alleine, ganz so, als w\u00fcrden sie sich nicht kennen, aber doch so nah beieinander, dass ein schnelles Eingreifen, wenn n\u00f6tig, m\u00f6glich w\u00e4re. So machten sie das immer und der Mann mit dem Hut hatte es ihnen noch einmal eingebleut, von dieser Taktik um Gottes Willen niemals abzuweichen.<\/p>\n<p>Gottes Wille schien ihnen an diesem Morgen nicht gewogen, denn schnell waren sie von jungen Frauen und M\u00e4nnern eingekreist, die keinen Zweifel an ihrer Absicht aufkommen lie\u00dfen.<\/p>\n<p>Unterdessen hatte der Christkindelmarkt nach einer kurzen Rede des B\u00fcrgermeisters nebst musikalischer Unterst\u00fctzung durch den Trachten- und Musikverein den Betrieb aufgenommen und schon sehr bald waren Platz und Stra\u00dfen von den Besuchern \u00fcberf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter war im Regionalanzeiger zu lesen, dass es in diesem Jahr so gut wie keine Diebst\u00e4hle gegeben hatte. Auch Hausierer wurden nicht ausgemacht. Allsamt also ein friedlicher Verlauf, grad so, wie die Leute am Land es sch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Der B\u00fcrgermeister bedankte sich bei seiner Polizei und den freiwilligen Helfern der benachbarten Polizeischule der Bayerischen Bereitschaftspolizei.\u00a0<em>Das haben wir doch gern gemacht!,\u00a0<\/em>sagten sie und nahmen mit gro\u00dfer Freude die Einladung eines Gaswirtes aus dem Dorf an.<\/p>\n<p>Die Gauner und Hallodris aus der Scheune mit samt ihrem Anf\u00fchrer lie\u00df man wieder laufen<em>,\u00a0<\/em>denn bevor sie noch etwas Unrechtes h\u00e4tten tun k\u00f6nnen, waren sie von den Polizeisch\u00fclern ja schon aus dem Verkehr gezogen worden.\u00a0<em>Lasst euch hier nimmer blicken,\u00a0<\/em>gab man ihnen noch mit auf den Weg.\u00a0<em>Und am besten gleich gar nicht im ganzen Gau,\u00a0<\/em>erg\u00e4nzte der Diensthabende noch.<\/p>\n<p>Allerdings darauf verlassen wollte die Polizei sich nicht und verschickte Warnungen an alle Polizeidienststellen im Landkreis mit Namen und Personenbeschreibung der Aufgegriffenen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #999999;\">Foto: Creative Commons Lizenz, flickr,\u00a0<a id=\"yui_3_11_0_3_1510061030583_404\" href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/tjblackwell\/\">tj.blackwell<\/a><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3716,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1012,305],"tags":[794,982,722,983,753,720,795],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3697"}],"collection":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3697"}],"version-history":[{"count":23,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3697\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3726,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3697\/revisions\/3726"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3716"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3697"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3697"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3697"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}