{"id":3960,"date":"2018-07-31T18:03:50","date_gmt":"2018-07-31T17:03:50","guid":{"rendered":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/?p=3960"},"modified":"2018-10-22T17:52:10","modified_gmt":"2018-10-22T16:52:10","slug":"die-wirren-gedanken-des-ludenhammer-schorsch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/die-wirren-gedanken-des-ludenhammer-schorsch\/","title":{"rendered":"Die wirren Gedanken des Ludenhammer Schorsch"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\">Schon als Bub mu\u00dfte der Schorsch allerlei Anz\u00fcglichkeiten \u00fcber sich ergehen lassen. Erst als er \u00e4lter wurde, verstand er manches von dem, was die Leute ihm so hinterherriefen. Bis zur f\u00fcnften, sechsten Klasse ging&#8217;s noch so, was wahrscheinlich darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren war, dass die Kinder einfach nicht wussten, was ein Lude ist. Das hat sich dann sehr schnell und radikal ge\u00e4ndert, ja&#8230; bis zu dem Tag, als einer einen derben Witz \u00fcber seinen Vater loslie\u00df.<\/p>\n<p><em>Des m\u00fcssen&#8217;s verstehn,\u00a0<\/em>sagte die Mutter zum Schulrektor,\u00a0<em>als dieser,\u00a0<\/em>gerade konnte sie noch an sich halten, sonst h\u00e4tte sie gesagt:\u00a0<em>&#8230;dieser windige Schuhriegel Bua,\u00a0<\/em>aber so sagte sie nur:\u00a0<em>als dieser Bub der Schuhriegels zum Schorsch sagte: Dei Vater, treibt&#8217;s der mit andere Weiber? I moan blo\u00df von wegen Ludenhammer und so!<\/em><\/p>\n<p><em>Des stimmt, daraufhin hat im der Schorsch eine neig&#8217;haun, weil so was a Sauerei is, net wahr?,\u00a0<\/em>fuhr die Mutter fort, das Geschehene zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Fakt war und da setzte der Schulrektor ein:\u00a0<em>Er hat ihm net blo\u00df eine g&#8217;schmiert, wof\u00fcr man ja noch ein gewisses Verst\u00e4ndnis h\u00e4tte aufbringen k\u00f6nnen. Nein, Ihr Schorsch hat dem Schuhriegel Alois des Nasenbein zertr\u00fcmmert, worauf der Bub noch jetzt im Krankenhaus behandelt werden mu\u00df!<\/em><\/p>\n<p>Das ganze Reden n\u00fctzte nichts. Mit sofortiger Wirkung wurde der Ludenhammer Schorsch der Schule verwiesen und musste jetzt einen weit l\u00e4ngeren Schulweg in Kauf nehmen. Dort an der neuen Schule wu\u00dften nat\u00fcrlich alle Bescheid. Die Lehrer, die Sch\u00fcler und selbstverst\u00e4ndlich auch die Eltern.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Schorsch war es eine v\u00f6llig neue Erfahrung. Verstohlen blickten ihm die M\u00e4dchen hinterher, was ihm durchaus gefiel, und die Buben lie\u00dfen ihn in Ruhe, redeten aber auch nicht viel mit ihm. Er, der Schorsch, galt als Schl\u00e4ger, vor dem man sich gef\u00e4lligst in Acht zu nehmen hatte.<\/p>\n<p>Allerdings w\u00e4hrte es nicht sehr lange so. Denn schon bald glaubte einer aus der Achten, es locker mit dem Schorsch aufnehmen zu k\u00f6nnen. Er war um einiges Gr\u00f6\u00dfer und machte auch sportlich eine gute Figur. Und so kam es, wie sp\u00e4ter in den Schulakten zu lesen war, erneut zu einem Zwischenfall mit dem Ludenhammer Schorsch.<\/p>\n<p>Was war geschehen? In der gro\u00dfen Pause versammelte sich eine Gruppe von M\u00e4dchen, zu der auch die Bernauer Angelika z\u00e4hlte. Nun, was der Schorsch nicht wu\u00dfte, just dieser Achtkl\u00e4ssler hatte schon lange eine Auge auf die Angelika geworfen und glaubte, dass gerade jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen w\u00e4re, sich hervorzutun und einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.<\/p>\n<p>Aber es kam dann doch etwas anders als es sich dieser Knabe vorgestellt hatte. Kaum hatte er dem Ludenhammer Schorsch etwas unfl\u00e4tiges zugerufen, diesmal war Schorschs Mutter die Zielscheibe des Spotts, als ihm ganz analog zu dem Ereignis mit dem Schuhriegel Alois auch schon das Blut aus der Nase scho\u00df, er hinten\u00fcber kippte und am Boden liegen blieb.<\/p>\n<p>Von den anderen Sch\u00fclern r\u00fchrte sich keiner. Mit dem Schl\u00e4ger Ludenhammer sich einzulassen, nein danke, lieber nicht. Viel mehr gibt&#8217;s nicht weiter zu berichten. Der Schorsch mu\u00dfte wieder die Schule wechseln. Bei den M\u00e4dchen rangierte er jetzt zwar als so etwas wie ein Held, bei den Jungs aber eher als ein gef\u00fcrchteter, j\u00e4hzorniger Zeitgenosse.<\/p>\n<p>Wie war das gewesen, res\u00fcmierte Schorsch eines Tages: <em>I<\/em><em>ch bin immer der Bl\u00f6de, egal, was die andern machen.\u00a0<\/em>Ein Licht ging ihm gleich auf. Dem Alois sein Vater war ein bekannter Rechtsanwalt im Ort und im anderen Fall sa\u00df der Vater gar im Gemeinderat.\u00a0<em>Da haben die Herren Rektoren halt einfach den Schwanz eingezogen, so ist das!<\/em><\/p>\n<p>Da ihn f\u00fcr eine Weile alle in Ruhe lie\u00dfen, gab es auch keine Zwischenf\u00e4lle mehr. Bis er eines Tages, der Schorsch war mittlerweile 16 und von kr\u00e4ftiger Statur, des abends so des Weges ging und etwas weiter vor sich undeutlich glaubte, eine Auseinandersetzung zwischen drei Personen wahrzunehmen.<\/p>\n<p>50 Meter weiter war es gewiss! Zwei Burschen und ein M\u00e4dchen lagen im Streit. Noch einmal 50 Meter und Schorsch fing an zu spurten. Das war die Veronika, aus seiner Nachbarklasse.\u00a0<em>Lass mich los!,\u00a0<\/em>h\u00f6rte er sie \u00e4ngstlich schreien.<\/p>\n<p>Da war er schon da.\u00a0<em>Was ist Veronika?\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Misch di net ei!,\u00a0<\/em>sagte einer der beiden, die der Schorsch nie vorher gesehen hatte.\u00a0<em>Des geht di nix oh!,\u00a0<\/em>bemerkte der andere.<\/p>\n<p><em>De woll&#8217;n mi net vorbei lassen und versuchen dauernd rumzugrabschen,\u00a0<\/em>stie\u00df Veronika hervor.<\/p>\n<p><em>Hau ab!,\u00a0<\/em>zischte einer der Burschen.<br \/>\n<em>Gleich!,\u00a0<\/em>fauchte der Schorsch und landete einen seiner gef\u00fcrchteten Hiebe mitten auf der Nase seines Gegen\u00fcber. Blut spritzte, der Getroffene heulte auf, der andere gab sofort Fersengeld und verschwand.<\/p>\n<p>Martinshorn, zuckendes Blaulich, die Polizei war zur Stelle. Passanten, hatten den Notruf gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p><em>Der do, der,\u00a0<\/em>sagte einer und zeigte unmissverst\u00e4ndlich auf den Schorsch.\u00a0<em>Der is auf den do losganga und hot eam einfach oane nei&#8217;ghaut.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Genau, so war&#8217;s,\u00a0<\/em>sagte der mit der kaputten Nase.<\/p>\n<p>Der Schorsch blickte verzweifelt um sich.\u00a0<em>Wo war blo\u00df Veronika?\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Dann kommen&#8217;s mal mit,\u00a0<\/em>sagte einer der Polizisten zum Schorsch.\u00a0<em>Und Sie, <\/em>sagte er zu dem anderen, <em>warten&#8217;s kurz<\/em>, <em>da Sanka is glei do. Nimmst derweil die Personalien auf,\u00a0<\/em>wies er seine Kollegin an.<\/p>\n<p>V\u00f6llig perplex wusste der Schorsch gar nicht, was er zu seiner Verteidigung vorbringen sollte.<\/p>\n<p>Auf der Wache war dann alles sehr schnell erledigt.\u00a0<em>Aha, Sie san also der Ludenhammer Schorsch.\u00a0<\/em>Und zu einem Kollegen:\u00a0<em>Ein bekannter Schl\u00e4ger!<\/em><\/p>\n<p><em>Da wirst verr\u00fcckt,\u00a0<\/em>sagte der Schorsch als er seinen Eltern den Sachverhalt schilderte.\u00a0<em>Immer trifft&#8217;s mich. Ich helf&#8216; der Veronika, die haut ab und irgend ein Zeuge erz\u00e4hlt an Stuss und mich ham&#8217;s am Arsch, wie immer halt.<\/em><\/p>\n<p><em>Das lassen wir uns jetzt nicht bieten,\u00a0<\/em>sagt der Vater.\u00a0<em>Wir nehmen an Anwalt!<\/em><\/p>\n<p><em>An Anwalt,\u00a0<\/em>erwidert die Mutter,\u00a0<em>vielleicht a no vor Gericht, na, des machen mia sicher net!<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr den Schorsch war das alles zu viel. In seinem Kopf rumorte es. Finstere Gedanken bem\u00e4chtigten sich seiner.\u00a0<em>Du kriegst nie recht! Du kannst es so oder so machen, wurscht, weil den Eimer kippen&#8217;s immer \u00fcber dir aus!\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Es war am n\u00e4chsten Tag. Die Schulsekret\u00e4rin klopft an die T\u00fcr, unterbricht den Unterricht:\u00a0<em>Herr Ludenhammer\u00a0 zum Direktor, bitte!<\/em><\/p>\n<p>Vorher hie\u00dfen sie Rektoren. Jetzt am Gymnasium Direktor, scho\u00df es Dem Schorsch durch den Kopf. Wahrscheinlich wieder ein Verweis, eine neue Schule, aber w\u00fcrde ihn \u00fcberhaupt noch eine nehmen?<\/p>\n<p><em>Gehens ruhig rein!,\u00a0<\/em>sagte die Sekret\u00e4rin.\u00a0<em>Man wartet schon.<\/em><\/p>\n<p><em>Man wartet schon, wer ist man?,\u00a0<\/em>dachte der Schorsch, klopfte und trat ein ins Geheiligte.<\/p>\n<p>Ein Haufen Leute wartet bereits ganz offensichtlich auf ihn. Welche mit Fotoapparaten und Cameras, irgendwo der Direktor, der mit einem strahlenden Lachen auf ihn zusteuerte.<\/p>\n<p>Die Cameras surrten, die Fotoapparate klickten. Da vorne, Veronika, daneben ein Mann, den er nur zu gut kannte, der Vater vom Alois, der bekannte Anwalt.<\/p>\n<p><em>Mein lieber Schorsch Ludenhammer,\u00a0<\/em>hob der Direktor an und \u00fcberh\u00e4ufte den so Gelobten mit mit Dank und Anerkennung, dass es dem Schorsch richtig bl\u00fcmerant wurde. Und dann auch noch der Vater vom Alois:\u00a0<em>Ich hoffe Schorsch, du bist nicht nachtragend, wegen damals, du wei\u00dft schon! Die Veronika, meine Tochter, hat alles ganz genau berichtet und bei der Polizei auch zu Protokoll gegeben. Heldenhaft, wahrlich heldenhaft!<\/em><\/p>\n<p>Am Abend kam es in den Lokalnachrichten und im Regionalfernsehen, was f\u00fcr ein toller und furchtloser Bursche er, der Schorsch Ludenhammer, doch sei.<\/p>\n<p>Und am n\u00e4chsten Tag berichteten die Zeitungen dar\u00fcber: <em>Vom Schlage eines Schorsch Ludenhammer br\u00e4uchte es mehr! Zivilcourage, das hat er gezeigt, furchtlos und ohne Tadel!<\/em><\/p>\n<p>Jetzt war er pl\u00f6tzlich ein Held, der Schorsch. Und alles, weil er diesmal zum richtigen Zeitpunkt den richtigen verpr\u00fcgelt\u00a0 hatte, dachte er. Diese, seine Schlussfolgerung, verwirrte ihn noch mehr als der ganze Rummel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #999999;\">Foto: Creative Commons Lizenz, flickr,\u00a0<a id=\"yui_3_11_0_3_1533054831272_364\" style=\"color: #999999;\" href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/nuriyafatykhova\/\">Nuria Fatych<\/a><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3970,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[304],"tags":[1035,1038,1039,1037,720,1033,1036,1034],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3960"}],"collection":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3960"}],"version-history":[{"count":12,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3960\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3974,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3960\/revisions\/3974"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3970"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3960"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3960"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3960"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}