{"id":4512,"date":"2019-08-13T19:21:54","date_gmt":"2019-08-13T18:21:54","guid":{"rendered":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/?p=4512"},"modified":"2019-09-08T15:23:26","modified_gmt":"2019-09-08T14:23:26","slug":"das-gehirn-ein-bayerischer-kriminalfall","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/das-gehirn-ein-bayerischer-kriminalfall\/","title":{"rendered":"Das Gehirn &#8211; ein bayerischer Kriminalfall"},"content":{"rendered":"\n<p>M\u00fcde qu\u00e4len sich die letzten Strahlen der verblassenden Sonne durch die Doppelverglasung im LKA. Die meisten B\u00fcros sind um diese Zeit l\u00e4ngst verlassen, die Beamten im Einsatz bei Nachtobservationen, zuhause oder irgendwo ein Bier trinken.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Bei Dagmar Hochfellner, Hauptkommissarin und Chefin des D\u00fcF, Dezernat f\u00fcr ungew\u00f6hnliche F\u00e4lle, war dagegen das B\u00fcro voll. Manche sa\u00dfen, ander dr\u00fcckten sich entlang der bescheidenen M\u00f6blierung. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Michael, <\/em>sagte sie, <em>du und unser neuer Kollege, ihr \u00fcbernehmt die Observation. Packt euch etwas zu essen und zu trinken<\/em> <em>ein, k\u00f6nnte leicht bis in den Morgen dauern<\/em>. <em>Und keine Glimmst\u00e4ngel!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Hallo Dagmar, ich bin&#8217;s, Michael, Kriminalkommissar mit einigen Jahren Dienst auf dem Buckel!, <\/em>lachte er und zwinkerte ihr zu.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Entschuldige&#8230; <\/em>Sie immer mit ihrer Perfektion. Den Hinweis wegen des Rauchens h\u00e4tte es nun wirklich nicht gebraucht. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach und nach verlie\u00dfen alle den Raum &#8211; jeder wu\u00dfte, was zu tun war.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie suchten ihn schon ewig, seit Jahren. Bisher ohne Erfolg. Immer wieder \u00fcberfiel der Typ Banken im Landkreis, mehrfach sogar die selben, und immer mit der gleichen Masche: Hinein, Waffe, gro\u00dfes Kaliber, im Anschlag, zielstrebig zur Kasse. Das ganze nicht mehr als 3 Minuten, dann R\u00fcckzug, Geld in eine Papiertragetasche eines bekannten M\u00fcnchener Modehauses gestopft. Beute regelm\u00e4\u00dfig um die zehntausend, manchmal auch mehr und gelegentlich auch weniger. Niemals hektisch. Der Mann war durch und durch ein Profi.<\/p>\n\n\n\n<p>Und noch etwas wusste der Mann sehr genau: Er war bestens im Bilde dar\u00fcber, welche Banken bereits umgestellt hatten auf Null Barmittel am Schalter. Bei Barabhebungen gaben die am Schalter Besch\u00e4ftigten \u00fcber eine Tastatur den ben\u00f6tigten Betrag nebst St\u00fcckelung ein und weitere Informationen, wie z.B. Kontendaten, worauf der angeforderte Betrag aus einem Tresorraum per Aufzug direkt an den Schalter transportiert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein \u00dcberfall, der in Minutenschnelle abzuwickeln war, war in diesem Fall nicht mehr m\u00f6glich. Alleine das Eintippen der ben\u00f6tigten Informationen fra\u00df Zeit. Und ohne die entsprechenden Kontendaten war schon der Versuch zwecklos. Ja, es gab einige wenige F\u00e4lle, bei denen zuf\u00e4llig anwesende Bankkunden zur Herausgabe der ben\u00f6tigten Daten gezwungen wurden. Aber das Risiko war hoch und die erbeuteten Betr\u00e4ge gering.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt, erstmals, wie es schien, hatten sie eine brauchbare Spur. Ein Zeuge hatte sich gemeldet und den T\u00e4ter derart mit Details versehen beschreiben k\u00f6nnen, dass er es tats\u00e4chlich sein konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas, das sie nicht n\u00e4her h\u00e4tte beschreiben k\u00f6nnen, beunruhigte Dagmar Hochfellner allerdings. Ein Bauchgef\u00fchl!<\/p>\n\n\n\n<p>Egal, der Einsatz war geplant und w\u00fcrde minuti\u00f6s genau so ablaufen. Michael und der Neue w\u00fcrden die Wohnung des vermeintlichen T\u00e4ters mit allen zur Verf\u00fcgung stehenden Hilfsmittel observieren und gr\u00fcnes Licht geben, sobald sie sicher waren, dass sich au\u00dfer <em>ihrem Mann<\/em> niemand sonst in der Wohnung befand.  Andere Kollegen und Kolleginnen w\u00fcrden das Umfeld sondieren und wenn alles zusammenpasste, d.h. keine Unbeteiligten zu Schaden kommen k\u00f6nnten, w\u00fcrde sie den einen Befehlt in die Sprechmuschel des Funkger\u00e4tes sagen: <em>Zugriff!<\/em> Eine Minute sp\u00e4ter w\u00fcrden sie ihn haben, mit Handschellen gefesselt, Routine!<\/p>\n\n\n\n<p>Aber es sollte anders kommen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Leitung, hier Wolf eins, bitte kommen!, <\/em>h\u00f6rte sie Michaels Stimme aus dem Minilautsprecher im Polizeieinsatzwagen. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Hier Leitung<\/em>. <em>Wolf eins kommen! <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Im nachfolgenden verzichtet der Chronist der Fl\u00fcssigkeit wegen auf alle Funkformalit\u00e4ten des tats\u00e4chlichen Funkverkehrs, wie z. B. <em>bitte kommen, <\/em>oder<em> hier ist, <\/em>usw.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Etwas passt nicht! Wir h\u00f6ren aus der Wohnung Kinderger\u00e4usche, wenigstens zwei. Das stimmt doch \u00fcberhaupt nicht mit der Zeugenaussage \u00fcberein!<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p>Leitung: <em>Vorerst keinerlei Aktionen, wir kl\u00e4ren das ab! <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Schei\u00dfe, was war das denn? Der Zeuge, sie mu\u00dfte schnellstens mit ihm sprechen. <em>Holt ihn mir sofort her, hierher in den Einsatzwagen!<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p><em>Das kann dauern, <\/em>sagte einer der Beamten. <em>Ich rufe ihn an. Wir k\u00f6nnen ja nicht im Haus herumtrampeln, der wohnt doch nur ein paar T\u00fcren weiter als unser Mann.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em> Mach das, schnell!, <\/em>sagte Dagmar.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Geht niemand ran, <\/em>meldete der Kollege. <em>Ich versuche es noch einmal.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Was ist?, <\/em>fragte Dagmar ungeduldig.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Zwecklos<\/em>, es geht niemand ran.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dann blasen wir das Ganze ab, <\/em>sagt Dagmar und greift zum Funkger\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Leitung bitte kommen!, <\/em>t\u00f6nt es im selben Moment aus dem Lautsprecher. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Was gibt es Wolf eins<\/em>?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Kinderger\u00e4usche ver\u00e4ndern sich nicht, sind immer die gleichen, wie von einem Band! Bitte um Anweisung!<\/em> <em>Ist doch merkw\u00fcrdig!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Wie von einem Band<\/em>, zuckt es in Dagmars Kopf. Was hat das zu bedeuten? <em>Gaukelt uns da jemand etwas vor? <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Anweisung an alle! Kommando geht ins Haus und sichert, so ger\u00e4uschlos wie m\u00f6glich<\/em>. <em>Wolf eins, du und der Kollege gehen rein.  \u00d6ffnen der T\u00fcre ohne Gewalt. Ganz einfach l\u00e4uten, abwarten und sollte dies nicht erfolgreich sein mit Besteck, geht das auch nicht, dann mit Ramme! Verstanden!<\/em> <em>Und kein Waffengebrauch, es wird nicht geschossen!<\/em> <em>Einsatzleiter und Wolf bitte best\u00e4tigen!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das h\u00e4tte ihr gerade noch gefehlt &#8211; eine Schie\u00dferei, weil ein par \u00fcbernerv\u00f6se Kollegen oder Kolleginnen etwas gesehen haben, was nicht gewesen ist oder die Kinder, wenn es denn doch kein Band war.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Minuten sp\u00e4ter: <em> Wir sind drin<\/em>. <em>Niemand anwesend<\/em>. <em>Alles ein riesen fake!<\/em> <em>Wir kommen runter und berichten unten. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich waren von einem Band \u00fcber Raumlautsprecher auf Endlosschleife immer wieder die selben Kinderger\u00e4usche abgespielt worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nichts Auff\u00e4lliges, was mit den Bank\u00fcberf\u00e4llen in Zusammenhang gebracht werden k\u00f6nnte, keine besonderen Spuren, die auf den Bewohner als T\u00e4ter hindeuteten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>K\u00f6nnen wir den Zeugen ausfindig machen. Der kann sich doch nicht in Luft aufgel\u00f6st haben. Wer hat ihn vernommen? Soll kommen, sofort, hierher!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>5 Minuten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Entschuldige, Dagmar, aber jetzt kocht die Kacke wirklich hoch. Niemand hat ihn vernommen, verstehst du, niemand!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Aber seine Aussagen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Nur am Telefon. Der Mensch hat angerufen<\/em>, <em>hat seine Geschichte erz\u00e4hlt<\/em> <em>und<\/em> <em>das war&#8217;s.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Und sein Name, seine Adresse?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Wurde nicht \u00fcberpr\u00fcft. Ich wiederhole: Was f\u00fcr eine herzzerreissende<\/em> <em>Superkacke f\u00fcr unsere Schmierbl\u00e4tter!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Aber Kollege, welche Ausdrucksweise f\u00fcr unsere honorigen Zeitungen!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Pause!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Packen wir Zusammen, <\/em>sagte Dagmar.<em> Ist nicht das erste Mal, dass wir verarscht werden<\/em>. <em>Aber ein Nachspiel wird es haben, da bin ich sicher. Ich werde es aushalten!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dagmar Hochfellner hat es ausgehalten. Die weiteren Ermittlungen haben folgendes ergeben: Der Wohnungsinhaber mit dem Band hat dieses immer angestellt, wenn er nicht zuhause war. Er dachte, bei Kindergeschrei bricht niemand ein. Eine Selbstschutzma\u00dfnahme sozusagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und die lieben Boulevardbl\u00e4tter sparten nat\u00fcrlich nicht mit H\u00e4me. Nur ein Artikel fragte, wohin es wohl f\u00fchren w\u00fcrde, sollte sich derlei Unfug h\u00e4ufen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbrigens: Der Bankr\u00e4uber l\u00e4uft immer noch durch die Gegend und der Gaudibursch mit dem seltsamen Fabel f\u00fcr Humor wurde niemals gefunden &#8211; weil auch erst gar nicht nach ihm gesucht wurde &#8211; Personalmangel, gab das LKA auf Nachfrage zur Antwort.<\/p>\n\n\n\n<p>Foto: J\u00fcrgen Reiter<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":633,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[703,305],"tags":[1099,1100,775,1097,1098,900],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4512"}],"collection":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4512"}],"version-history":[{"count":18,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4512\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4531,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4512\/revisions\/4531"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media\/633"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4512"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4512"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4512"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}