{"id":4724,"date":"2019-12-24T02:21:26","date_gmt":"2019-12-24T01:21:26","guid":{"rendered":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/?p=4724"},"modified":"2020-01-26T15:01:38","modified_gmt":"2020-01-26T14:01:38","slug":"vergessen-ein-mord-bleibt-raetselhaft","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/vergessen-ein-mord-bleibt-raetselhaft\/","title":{"rendered":"Vergessen &#8211; ein Mord bleibt r\u00e4tselhaft"},"content":{"rendered":"<p>YOGTZE schrieb G\u00fcnther Stoll am 25. Oktober 1984 auf einen Zettel. So begann die Geschichte, die ich am 1. September 2015 mit dem Titel \u00a0<em>Der Zettel\u00a0<\/em>ver\u00f6ffentlich hatte. Wenngleich dieser Mord beinahe in Vergessenheit geraten ist und von den zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden bis heute nicht aufgekl\u00e4rt werden konnte, haben meine Nachforschungen wertvolle Hinweise erbracht, die letztlich daf\u00fcr ausschlaggebend waren, dass es Dagmar Hochfellner, Kriminalhauptkommissarin am LKA in M\u00fcnchen, entgegen jeder Wahrscheinlichkeit doch noch gelang, den Fall insoweit abzuschlie\u00dfen, als er der Bundesanwaltschaft als\u00a0<i>gel\u00f6st per ficta <\/i>\u00fcbergeben werden konnte. Zu erw\u00e4hnen ist, dass es den hier geschilderten Vorgang ohne die nachdr\u00fcckliche Aufforderung, den alten Fall erneut aufzugreifen, durch \u00a0den Rechtsberater des Konklomerats f\u00fcr allf\u00e4llige Absonderlichkeiten des Staatsministeriums f\u00fcr inneres Befinden und Unwohlsein, Dr. Dr. h.c. Gerd G. (Aus Gr\u00fcnden des Schutzes pers\u00f6nlicher Daten, kann der volle Name an dieser Stelle nicht genannt werden.), nicht gegeben h\u00e4tte.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><em>YOGTZE, weniger als sieben Buchstaben, das m\u00fcsste zu schaffen sein!, <\/em>wurde Paul Breitmoser, Professor an der TU in M\u00fcnchen und Direktor der Denkfabrik\u00a0<em>BALLAST\u00a0<\/em>am Max Planck Institut in M\u00fcnchen Garching, nicht m\u00fcde, immer wieder zu betonen und anzumerken, dass, sollte es niemandem sonst gelingen, er h\u00f6chst selbst des R\u00e4tsels L\u00f6sung pr\u00e4sentieren werde und zwar binnen vierundzwanzig Stunden, gerechnet ab Null Uhr des 21. Dezembers 2019.<\/p>\n<p>Der Schlaumeier rechnete nat\u00fcrlich nicht ohne gewisse Berechtigung damit, dass die meisten B\u00fcros, so kurz vor Weihnachten entleert sein w\u00fcrden und, selbst wenn sich doch noch einer oder eine jener besonders Flei\u00dfigen, die es hin und wieder gab, \u00a0hinein verirrt h\u00e4tte in den B\u00fcrokratiestrudel halbvoller bis voller und \u00fcberlaufender Schreibtische, er oder sie keine Zeit f\u00fcr die gestellte Herausforderung gefunden h\u00e4tte. Der Kopf stand allen nach Weihnachten, nach Familie, nach Nichtstun und bei Leibe nicht nach Arbeit.<\/p>\n<p>Breitmosers Ansicht nach war das R\u00e4tsel mittels des neu installierten Systems zur unbegrenzten Analyse eigentlich nicht vorhandener Daten binnen Stunden, wenn nicht sogar nur Minuten, zu l\u00f6sen. Was ihn so sicher machte, war die Tatsache, dass der Begriff <em>YOGTZE\u00a0<\/em>aus weniger als sieben Buchstaben bestand, denn bis zu diesem Limit war das System interlinear und cybercosmisch getestet. Vorstellen durfte man sich dabei nat\u00fcrlich \u00a0nicht, wie Eingeweihte wussten, die profane Vermutung von sechs Buchstaben im Sinne der Zahl sechs und Buchstaben im Sinne des Alphabetes. Nein, hierbei handelte es sich um den nur wenigen bekannten intergalaktischen Code f\u00fcr intransparente, phraseologisch nicht eindeutig zuordenbare Transmissionsparameter der Einsteinschen Relativit\u00e4tstheorie. Dies aber nur am Rande und zum besseren Verst\u00e4ndnis der entsprechend vorgebildeten Leserschaft aus dem akademischen Sprengel.<\/p>\n<p>Dagmar Hochfellner wollte jedoch weder auf die Resultate des umtriebigen Professors warten, noch auf solche anderer am Wettstreit Teilnehmenden.<\/p>\n<p>Sie beabsichtigte schlicht, den Polizeicomputer zu f\u00fcttern, der im Gegensatz zu fr\u00fcheren Jahren schon wegen der st\u00e4ndig zunehmenden Gef\u00e4hrdungslage, was immer das auch war und ist, auf das \u00c4usserste hochger\u00fcstet worden war.<\/p>\n<p>So gab es kaum eine Verkn\u00fcpfung, Analyse und Resultataufbereitung, schlicht auch L\u00f6sung genannt, die nicht innerhalb k\u00fcrzester Zeit zur Verf\u00fcgung stehen sollte. Das einzige Problem war (stimmt nicht ganz, denn es gab noch andere Probleme, die aber hier nichts zur Sache tun), dass der fast einzige Spezialist, genannt der Experte oder kurz im bayerischen Polizeijargon Ex genannt, was im \u00dcbrigen f\u00fcr viel Heiterkeit im Betrieb sorgte, wie man sich leicht vorstellen kann, auch verf\u00fcgbar war und nicht gerade an einer Schulung, einem Fortbildungskurs oder einer internen Weiterbildungsma\u00dfnahme teilnahm und deshalb als nA (nicht Anwesend) gef\u00fchrt wurde.<\/p>\n<p>Dagmar hatte Gl\u00fcck und der Ex stand nur wenig sp\u00e4ter bei ihr im B\u00fcro.\u00a0<em>Da werden wir wohl oder \u00fcbel \u00a0MP (<\/em>f\u00fcr Max Plank)\u00a0<em>in Garching anzapfen m\u00fcssen und das wird nicht funktionieren. Generell schon, aber heute eben nicht, weil, wie wir wissen, auch der Breitmoser daran arbeitet, YOGTZE zu entschl\u00fcsseln. Jedenfalls hat er \u00fcberall herumposaunt, dass man doch b<\/em><i>ittesch\u00f6n sich mit ihm und seinem System BALLAST in Wettstreit begeben wolle, wer immer meint, er sei dazu bef\u00e4higt und in der Lage,\u00a0<\/i>bemerkte der EX ohne Z\u00f6gern. Und f\u00fcgte noch an:\u00a0<em>Unsere, trotz Hochr\u00fcstung, schw\u00e4chelnden Polizeirechner stemmen das nicht unter wenigsten ein paar Tagen und da darf nichts, aber auch gar nichts dazwischen kommen, sonst steigen sie ganz aus.<\/em><\/p>\n<p>Das fand Dagmar nun gar nicht nach ihrem Geschmack, entlie\u00df den Ex und besann sich auf ihre Seilschaften, ohne die es nun einmal nicht geht auf dieser Welt.<\/p>\n<p><em>LA Police Headquarters <\/em>oder so \u00e4hnlich vernahm Dagmar eine jugendlich klingende Frauenstimme und bat (in Englisch nat\u00fcrlich), mit keinem Geringeren als dem Chief h\u00f6chstpers\u00f6nlich verbunden zu werden.<\/p>\n<p><em>Hallo Dagmar, my dear, das ist ja eine \u00dcberraschung&#8230;<\/em>und in dem Stil ging es noch eine ganze Weile weiter, bevor Dagmar \u00fcberhaupt nur eine winzige Chance bekam, ihr Anliegen vorzutragen. Der Chief sprach flie\u00dfend Deutsch, klar mit dem \u00fcblichen Akzent, und das, weil Opa und Oma aus Deutschland stammten, genau genommen aus M\u00fcnchen vor vielen Jahren in die Staaten ausgewandert waren und man zuhause weiterhin das Deutsche pflegte. Bei genauer Betrachtung war es eher das Bayerische, denn der eine oder andere Ausdruck war doch sehr stark s\u00fcdl\u00e4ndisch gef\u00e4rbt.<\/p>\n<p><em>Kein Problem, nat\u00fcrlich helfe ich dir gerne,\u00a0<\/em>sagte der Chief fr\u00f6hlich,\u00a0<em>ich gebe es weiter an einen Freund oder soll ich sagen Spezi,\u00a0<\/em>und er lachte sekundenlang, dass es nur so gluckste und er kaum noch Luft bekam, wie es schien,\u00a0<em>also an einen Spezi bei der NSA. Wir kennen uns sehr gut und helfen uns immer wieder mal aus. Wei\u00dft du, bei ihm ist es wie bei mir, seine Gro\u00dfeltern kommen auch aus Bayern, aus Ingolstadt, soviel ich wei\u00df.<\/em><\/p>\n<p>Dagmar merkte sich alles sehr gut, denn damit war ihre Seilschaft um ein gewaltiges St\u00fcck gewachsen und in eine Dimension vorgestossen, die sie niemals f\u00fcr m\u00f6glich gehalten h\u00e4tte. Die NSA&#8230;<\/p>\n<p>Seit Edward Snowden wusste sie, wie jedermann, dass die National Security Agency von jedem Menschen, der jemals sich im Internet bewegte, egal auf welche Weise, alle verf\u00fcgbaren Daten, Verbindungen und Verkn\u00fcpfungen und vielleicht mittlerweile noch viel mehr, in kaum vorstellbaren, \u00fcberdimensionalen Rechnersystemen gespeichert hat.<\/p>\n<p>Na, wenn die nicht herausfinden, was YOGTZE bedeutete, dann konnte es niemand auf der Welt.<\/p>\n<p>Nur f\u00fcnf Minuten nach ihrem Gespr\u00e4ch mit dem Chief, den sie \u00fcbrigens w\u00e4hrend einer Ausbildung beim FBI kennen gelernt hatte (dazu in einer separaten Geschichte mehr, um nicht den Rahmen dieser Geschichte zu sprengen), hatte sie das Ergebnis auf ihrem Rechner am Schreibtisch. Es sollte vielleicht noch erw\u00e4hnt werden, dass jeglicher Informationsaustausch zwischen den \u00fcbergeordneten Dienststellen, und das LKA z\u00e4hlte dazu, verschl\u00fcsselt erfolgte, was nicht bedeutete, falls das jemand angenommen h\u00e4tte, dass nicht zumindest die NSA, den Klartext in ihren Speichern versenken konnte.<\/p>\n<p><strong>Ergebnis Ihrer Anfrage:<\/strong><\/p>\n<p><strong>YOGTZE<\/strong> ist der Tarnname einer Geheimorganisation, die in dieser Form seit Mitte der Neunziger Jahre nicht mehr existiert. YOGTZE war Teil der von der Amerikanischen CIA und dem Britische Geheimdienst SIS \/ M16 innerhalb der NATO gegr\u00fcndeten Geheimarmee zur Bek\u00e4mpfung des Kommunismus in Westeuropa.<\/p>\n<p><strong>YOGTZE <\/strong>(Y-OrganizationGehlenTacticalZoneEurope)<strong>:<\/strong> Organisation Gehlen 1946 von den Amerikanern als Nachrichtendienst unter der Leitung von Reinhard Gehlen, ehemals Chef der Abteilung Fremde Heere Ost, gegr\u00fcndet und 1956 als Bundesnachrichtendienst (BND) von der Bundesrepublik Deutschland \u00fcbernommen. Y ist die gebr\u00e4uchliche milit\u00e4rische Abk\u00fcrzung f\u00fcr Deutsche Bundeswehr.<\/p>\n<p>Weitere Informationen stehen aufgrund der Klassifizierung als Geheim nicht zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p><strong>Ende<\/strong><\/p>\n<p>Dagmar Hochfellner staunte nicht schlecht. Mit diesem Ergebnis hatte sie nicht gerechnet. Wer immer der Mann gewesen war, der diesen omin\u00f6sen Zettel in der Tasche getragen hatte. Die Aufkl\u00e4rung eines Mordfes unter diesen Vorzeichen und nach dieser Zeitspanne war realistisch nicht mehr zu erwarten.<\/p>\n<p>Und genau dies schrieb Dagmar im Schlussbericht an ihren Vorgesetzten.<\/p>\n<p>YOGTZE war hiermit als Fall beendet.<\/p>\n<p>Gewonnen war allerdings der Wettstreit mit dem Professor aus Garching, \u00a0Paul Breitmoser. Denn ohne Seilschaft n\u00fctze ihm der schnellste Rechner nichts und so ging schon sehr bald das Ger\u00fccht umher,\u00a0<em>BALLAST\u00a0<\/em>sei nicht viel wert, wahrscheinlich sogar eine Denkfabrik ohne Zukunft.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"color: #999999;\">Foto: Creative Commons Lizenz, flickr.<\/span><\/p>\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3675,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[703],"tags":[1148,1142,1145,1147,775,715,1144,1139,1146],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4724"}],"collection":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4724"}],"version-history":[{"count":20,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4724\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4745,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4724\/revisions\/4745"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3675"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4724"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4724"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4724"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}