{"id":4790,"date":"2020-02-18T15:10:45","date_gmt":"2020-02-18T14:10:45","guid":{"rendered":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/?p=4790"},"modified":"2020-08-04T16:09:08","modified_gmt":"2020-08-04T15:09:08","slug":"ein-haufen-wirres-zeug-gepflogenheiten-und-anderes","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/ein-haufen-wirres-zeug-gepflogenheiten-und-anderes\/","title":{"rendered":"Ein Haufen wirres Zeug, Gepflogenheiten und anderes"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mitwirkende:<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Ignatius<\/em>,<\/strong> ein Mann aus dem Dorf<\/p>\n<p><strong><em>Veronika Gr\u00fcnveitl,<\/em><\/strong> ein politisches Sternchen<\/p>\n<p><strong><em>&#8230;und andere<\/em><\/strong><em>, <\/em>Frauen und M\u00e4nner aus Dingharting<\/p>\n<p><strong>Auf dem Land<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>Die Menschen, also alle unsere lieben und weniger gern gemochten um uns herumwieselnden Zeitgenoss(inn)en, haben mehr oder weniger (davon) eines gemeinsam: einen Kopf mit Hirn.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Auf dem Lande nun, wer w\u00fcrde bestreiten, dass solches best\u00e4ndig kolportiert wird, sei der Mensch oder auch der Menschenschlag genannt, ein v\u00f6llig anderer als in der Stadt.<\/p>\n<p>Nun, weder ein Studium der Philosophie noch eines der Soziologie noch irgendeines anderen akademischen Zirkels ist von N\u00f6ten, um sich selbst ein Bild der Verh\u00e4ltnisse zu machen.<\/p>\n<p>Wenn wir selbiges uns nicht nur vornehmen, sondern tats\u00e4chlich auch tun, dann verblassen etwaige, vorgefasste Differenzierungen in dem Ma\u00dfe, wie wir uns in die Materie hineinvertiefen.<\/p>\n<p>Jeder Interessierte darf getrost darauf vertrauen, dass es zwischen den in der Stadt und auf dem Lande Beheimateten gehirninhaltlich keine Unterschiede oder Auff\u00e4lligkeiten gibt. Sollte es also so sein, dass ein unvoreingenommener Betrachter trotzdem unterschiedliche Verhaltensmuster feststellen w\u00fcrde, so kann dies folglich nicht am Gehirn selbst liegen, sondern muss auf Ursachen zur\u00fcckzuf\u00fchren sein, die fern jener Leiblichkeit zu finden sind.<\/p>\n<p><strong>Die Geschichte<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>Ignatius, in Dingharting nicht von ungef\u00e4hr auch als der \u201eG\u2019spinnerte\u201c bezeichnet, genoss den Ruf eines Querulanten oder anders ausgedr\u00fcckt, eines G\u2019scheidhaferls, weshalb es nicht selten vorkam, dass man ihn bei Versammlungen, gleich welcher Art, gar nicht erst zu Wort kommen lie\u00df.<\/p>\n<p>In der \u00fcber Jahrhunderte gewachsenen bayerischen Demokratie ist es durchaus nicht un\u00fcblich einen Redebeitrag ganz einfach und doch rigoros mit einem schlichten, <em>halt\u2019s Maul, <\/em>zu unterbinden. Und je nachdem, wer ein solch weitreichendes Veto einbringt, wird diesem entweder Folge geleistet oder, falls nicht, kann es zu einer der weithin bekannten Wirtshausschl\u00e4gereien kommen und zwar solange, bis sich eine aufrichtig um demokratischen Diskurs bem\u00fchte Mehrheit durchgesetzt hat. Hat die Minderheit gewonnen, nur um auch diesen Fall gekl\u00e4rt zu haben, dann m\u00fcssen sie die St\u00e4rkeren gewesen sein, was aber letztlich zum gleichen Ergebnis f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Jetzt mag ein Leser einwenden, dass so ein gewaltbereites Verhalten doch etwas mit dem Gehirn zu tun haben m\u00fcsse, weil selbiges in der Stadt nicht vorkomme. Allerding, k\u00f6nnte hierzu angemerkt werden, dass im Gegenzug die Mord- und Totschlagrate gerade in der Stadt um ein Vielfaches h\u00f6her ist.<\/p>\n<p>Wie wir uns auch bem\u00fchen, ein unwiderlegbarer Beweis f\u00fcr eine gehirnbezogene Deformation l\u00e4sst sich nicht beibringen, weder bei denen, die da, noch bei denen, die dort leben.<\/p>\n<p>Veronika Gr\u00fcnveitl, seit geraumer Zeit jedermanns liebstes Kind, gerade mal um die drei\u00dfig, fesch anzuschauen, besonders auch im heimischen Dirndl, bei dem seit jeher an bestimmten Stellen gro\u00dfz\u00fcgig mit Stoff gespart wird und so den gierigen Blicken der M\u00e4nner kaum Einhalt zu gebieten ist, war sie urpl\u00f6tzlich, wie das Karnickel aus dem Zylinder, auf der politischen B\u00fchne erschienen.<\/p>\n<p>Paradox war es, so empfanden es jedenfalls die Dinghartinger (m\u00e4nnlich und weiblich), dass Veronikas Familienname so gar nichts mit der Partei am Hut hatte, der sie angeh\u00f6rte. Veronika war und ist ein schwarzes Urgestein. Diese Feststellung ber\u00fccksichtigt, zugegebener Ma\u00dfen, noch nicht den Wandel des Bayerischen Ministerpr\u00e4sidenten hin zum Bienenk\u00f6nig, wie er k\u00fcrzlich bei einer Faschingsveranstaltung bezeichnet wurde.<\/p>\n<p>Und gerade, als sie anhob, beim politischen Fr\u00fchschoppen, eine gesalzene Rede gegen die Unverfrorenheit der anderen politischen Gruppierungen anzustimmen, sich etwa nicht dem Platzet der schwarzen Mehrheit f\u00fcgen zu wollen, platzte der Ignatius dazwischen.<\/p>\n<p>\u201eJa, hoit doch einfach dei Bappn (Maul, loses Mundwerk &#8211; f\u00fcr nicht Bayern)\u201c, pl\u00e4rrte er ziemlich ungest\u00fcm hinein in des Veronikas der Rede vorangehenden ersten tiefen Atemzug.<\/p>\n<p>\u201eHoit selba s\u2019Mei (Maul)\u201c, br\u00fcllte es sogleich vom Nebentisch, \u201elass doch erst amoi red\u2019n, du Hanswurscht, du trauriger!\u201c<\/p>\n<p>Und sogleich fing es an, zu brodeln. F\u00f6rmlich riechen konnten die Anwesenden die in der Luft h\u00e4ngende mittelschwere Schl\u00e4gerei, die sogleich, vornehmlich auf die m\u00e4nnlichen Sch\u00e4del, herniederprasseln w\u00fcrde. So manche Faust wei\u00df, um den Griff des Ma\u00dfkruges gekrallt, war bereit diesen sofort und ohne zu z\u00f6gern als Schlaginstrument einzusetzen. Bei Zeiten haben findige Hersteller deshalb in die Kr\u00fcge eine Sollbruchstelle eingebracht, um das \u00e4rgste Blutvergie\u00dfen zu vermeiden.<\/p>\n<p>Aber, oh Wunder, nichts dergleichen geschah!<\/p>\n<p>Veronika war Herr der Lage (Frau der Lage klingt komisch, obwohl sie es zweifellos war). Scharf wie eine Klinge fuhr sie dem Ignatius \u00fcber den Mund, unterband jeden weitern Einwand mit einer unmissverst\u00e4ndlichen Geste, und lehrte dem jetzt Schweigenden das Staunen.<\/p>\n<p>\u201eNa ja, wer denn sonst? Nat\u00fcrlich, wie immer, der Ignatius! Nix im Hirn, aber s\u2019Mei aufrei\u00dfen! So m\u00f6gen wir des, weil bei uns no a jeda Depp hat sag\u2019n d\u00fcrfen, was ihm grad so in den Sch\u00e4del kommt. Aber jetzt is Schluss damit, ham mia uns da verstand\u2019n?\u201c<\/p>\n<p>Der Ignatius, grad noch ziemlich vorlaut, klappte seinen Mund zu und sagte erst einmal nichts. Dieses Veto (siehe oben) war eindeutig. Und Ignatius hielt sich an die Regeln.<\/p>\n<p><u>Hinweis:<\/u> Der Ausspruch, <em>nix im Hirn haben,<\/em> bezieht sich weniger auf die anatomische Ausformung des Organes, als vielmehr auf das individuelle Unverm\u00f6gen, es hinreichend mit fundierten Gedanken f\u00fcttern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und so durfte Veronika Gr\u00fcnveitl, ob ihrer Intervention, beinahe ohne weitere Unterbrechung von sich geben, was jeder im Gasthaus schon dutzende Male geh\u00f6rt hatte und sicher noch dutzende Male h\u00f6ren wird. Die Schwarzen waren die Besten, die Gr\u00f6\u00dften und \u00fcberhaupt, die mit dem Volk am Verbundensten. Eine andere Partei neben ihnen v\u00f6llig sinn- und zwecklos und wenn es denn unbedingt sein musste, dann sollten ihnen in Gottes Namen halt jene eine Stimme geben, die nicht gescheit denken konnten, also, wie bereits ausgef\u00fchrt, <em>nix im Hirn hatten<\/em>.<\/p>\n<p>Am Ende klatschten sie schlie\u00dflich alle, auch der Ignatius \u00fcbrigens. Danach befragt, wurde er ganz philosophisch. \u201eI hob hier koa Mehrheit, no ned a moi a Minderheit. I hob hier nix, verstehst? Und wenn\u2018st bei uns nix host, dann bist neamands, host me (hast mich verstanden)?\u201c<\/p>\n<p>Ja, der Fragesteller verstand den Ignatius nur zu gut. Langsam l\u00f6ste er die gekrampfte Faust vom Krug, froh, diesen nicht als Schlagger\u00e4t eingesetzt haben zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Er, der von einer Zeitung aus der Stadt herausgekommen war, wunderte sich einmal mehr, mit welcher Eloquenz in Bayern Dinge doch einvernehmlich zu regeln waren.<\/p>\n<p><span style=\"color: #999999;\">Foto: Creative Commons Lizenz, flickr, https:\/\/www.flickr.com\/photos\/qualiflyer\/<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4799,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[352],"tags":[989,1156,885,1157,1158],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4790"}],"collection":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4790"}],"version-history":[{"count":12,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4790\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4845,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4790\/revisions\/4845"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4799"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4790"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4790"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4790"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}