{"id":666,"date":"2013-07-19T09:00:14","date_gmt":"2013-07-19T07:00:14","guid":{"rendered":"http:\/\/hkreiter.com\/?p=666"},"modified":"2015-09-14T16:11:11","modified_gmt":"2015-09-14T15:11:11","slug":"5-ausweg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/5-ausweg\/","title":{"rendered":"(5) Ausweg"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Mein Selbstvertrauen st\u00fcrzte f\u00fcr Sekunden total ab. Da sa\u00dfen die Zuckerbarone, die Schattenm\u00e4nner, und ich mitten drin. Die M\u00e4nner der Security kamen also hereingest\u00fcrzt und bedeuteten mir, mitzukommen. Umst\u00e4ndlich sch\u00e4lte ich mich aus meinem Stuhl, nach einem Ausweg suchend, aber es gab keinen.<!--more--> &#8222;Don&#8217;t touch me, fassen Sie mich nicht an&#8220;, sagte ich erstaunlich ruhig und mit fester Stimme. &#8222;Wer sind Sie denn schon?&#8220;, h\u00f6rte ich mich weiter reden, und dachte, das k\u00f6nne gar nicht ich sein, &#8222;Eine Handvoll reicher M\u00e4nner, die glauben, die Welt geh\u00f6re ihnen? Die manipulieren und \u00fcber Leichen gehen, solange es dem Profit dient? Sie sind es selbst, die alles zerst\u00f6ren, am Ende sich selbst.&#8220; Sekundenlang absolute Stille. Mein Selbstvertrauen pulsierte zur\u00fcck, \u00fcberschwemmte mich nahezu. Meine Zuversicht wuchs weiter, als einer der M\u00e4nner sich pl\u00f6tzlich r\u00e4usperte und sagte: &#8222;Bringt ihn raus und lasst ihn gehen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Haben diese paar Worte einen solchen Eindruck hinterlassen? Ich konnte mir das kaum vorstellen und ich sollte leider recht behalten. Ich folgte den Securitym\u00e4nnern zum Aufzug. Einer zog einen Schl\u00fcssel, steckte ihn in den Zylinder, eine halbe Drehung nach rechts und der Lift surrte heran. Keiner sagte etwas. Ich stieg ein, dr\u00fcckte auf\u00a0<em>Lobby,\u00a0<\/em>die T\u00fcren schlossen und ich schwebte nach unten. Surreal, dachte ich. Da hocken diese M\u00e4nner da oben und spinnen Dinge aus, die die ganze Menschheit zugrunde richten und ich stehe hier, in der Hotelhalle, soeben noch inmitten dieser Leute, und kann nicht das Geringste unternehmen. Niemand w\u00fcrde mir glauben, wie so auch? Wer war ich denn schon? Verr\u00fcckte liefen zuhauf durch die Gegend und ich w\u00e4re in den Augen anderer, denen ich diese Geschichte erz\u00e4hlte, sicherlich nicht mehr gewesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am n\u00e4chsten Morgen, ich wollte gerade das Hotel verlassen und mir einen Platz zum Beobachten der Sonnenfinsternis sichern, ich hatte mir sogar eine Spezialbrille hierf\u00fcr zugelegt, kamen zwei M\u00e4nner auf mich zu und sagten, ich solle kein Aufsehen erregen und mitkommen. Wenn dich zwei Typen dieser Couleur um etwas bitten, schl\u00e4gst du es ihnen nicht ab, darauf w\u00fcrde ich jede Wette eingehen. Vor dem Hotel wartete eine dunkle Limousine, in die wir einstiegen. Alle drei hinten, ich in der Mitte. Flucht? Unm\u00f6glich, sagte mein logisches Denken. Wir fuhren kreuz und quer durch die Stadt, offensichtlich, um mir jede Orientierung zu nehmen, dann pl\u00f6tzlich erreichten wir ein Villenviertel, stoppten irgendwo und man sagte mir, ich solle aussteigen. Der Wagen rauschte ab und ich stand etwas verloren vor einem Anwesen der obersten Klasse. Gepflegter Park, was sage ich, es war mehr als das. Eine mit dem Lineal gezogene, von filigraner Hand angelegte Architektur aus B\u00e4umen, Str\u00e4uchern und Pflanzen jeglicher Art tat sich vor meinen erstaunten Augen auf. Und noch etwas erstaunte mich, ich sah keinen Zaun oder eine Mauer, wohl aber ein schmiedeeisernes Tor, vielleicht an die dreieinhalb Meter hoch. Dieses tat sich pl\u00f6tzlich auf und eine Stimme aus einem unsichtbaren Lautsprecher bat mich, einzutreten. Kaum stand ich jenseits des Tores, schloss sich dieses, wie von Geisterhand getrieben, und ich sah einen Wagen auf mich zukommen, wie ihn Golfpl\u00e4tze verwenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein livrierter Zeitgenosse l\u00e4chelte mich freundlich an, ich stieg ein und wir fuhren los. Im Wegfahren erkannte ich noch, warum kein Zaun oder \u00e4hnliches zu sehen war. Das Anwesen war von einem dicht bepflanzten Graben einges\u00e4umt und die Umz\u00e4unung, tief im Graben verankert, sicher in einer H\u00f6he, wie die des Tores, folgte dem Verlauf des Grabens.\u00a0<em>Wie fr\u00fcher um die Ritterburgen, aber moderner, der heutigen Zeit angepasst,\u00a0<\/em>fuhr es mir durch den Kopf. Wir waren einige Minuten gefahren, als wir das Haus des Anwesens erreichten. Architektur ist nicht meine Sache, aber der Stil erinnerte mich sehr stark an verschiedene <em>Mansions, <\/em>die ich in England gesehen hatte. Weiter entfernt sah man durch eine Baumgruppe die D\u00e4cher weiterer H\u00e4user schimmern. Wahrscheinlich f\u00fcr&#8217;s Personal, Ger\u00e4tschaften und Garagen, dachte ich. Ich stieg aus und sofort tauchte ein weiterer Livrierter auf, der mich bat, ihm zu folgen. Immerhin einer, der sprechen konnte. Ich will mich jetzt an dieser Stelle nicht darin verlieren, welcher Luxus mir im Haus entgegen prallte. Alles vom Feinsten, teuer und erlesen. In einem, mit hellen M\u00f6beln ausgestatteten Zimmer, bat mich der Livrierte, Platz zu nehmen, der Hausherr w\u00fcrde sofort kommen. So war es auch. Nur wenige Sekunden sp\u00e4ter begr\u00fcsste mich ein Afrikaner, seine blendend wei\u00dfen Z\u00e4hne zeigend, in feinstem Zwirn gekleidet, einfach nobel. Er stellte sich mir als ein Mister <em>soundso<\/em> vor, der von meinem gestrigen Abenteuer geh\u00f6rt habe und mir ein paar erkl\u00e4rende Worte sagen wolle, bevor ich abreiste. &#8222;Sie wollen sicher erst die Sonnenfinsternis erleben, nicht war?&#8220;, sagte er und schob mich auf eine Terrasse, reichte mir eine Brille, obwohl ich selbst ein besass und sagte l\u00e4chelnd: &#8222;Ein paar Minuten noch&#8220;, dann schwiegen wir. Das Schauspiel war auf eine Art beeindruckend, die nur sehr schwer zu beschreiben ist. Alles wird mit einem Mal unwirklich still. Kein Tier, das sich ger\u00fchrt oder einen Laut von sich gegeben h\u00e4tte. Unheimlich irgendwie und dann kommt der grosse Schatten. Der Mond schiebt sich vor die Sonne, sie sehen es durch ihre Brille, gleichzeitig, aus den Augenwinkeln heraus, werden sie gewahr, wie die Natur zu ersterben scheint. Kein Blatt, kein Zweig bewegt sich mehr, Ruhe, unbeschreibliche Ruhe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es dauert eine Weile, bis sie wieder zur\u00fcck sind im Jetzt. Mister <em>soundso\u00a0<\/em>liess Getr\u00e4nke und H\u00e4ppchen reichen und bat mich, wieder Platz zu nehmen. Dann erz\u00e4hlte er mir eine erstaunliche Geschichte, die erstaunlichste, die ich vielleicht jemals geh\u00f6rt habe. &#8222;Sehen Sie&#8220;, fing er an, &#8222;was sie gestern erlebt haben, hat vielleicht nur in Ihrem Kopf stattgefunden. Wenn Sie heute im Hotel nach diesem Stockwerk suchten, es w\u00e4re verschwunden. Es hat es nie gegeben. Die Menschen, die Sie glaubten, getroffen zu haben, hat niemand au\u00dfer Ihnen wahrgenommen, also kann das, was Sie vermeinten, geh\u00f6rt zu haben, ebenfalls nur ein Produkt Ihrer Fantasie gewesen sein.&#8220; Ich muss ziemlich bl\u00f6de geschaut haben, denn mein Gastgeber lachte und fuhr fort: &#8222;Selbst unser Treffen heute hat niemals stattgefunden. Mit viel Gl\u00fcck k\u00f6nnten Sie vielleicht dieses Anwesen wieder finden, aber nicht die Menschen, die Ihnen darin begegnet sind. Uns gibt es nicht. Alles nur Produkte Ihrer Fantasie. Wem wollen Sie also etwas von einem Erlebnis berichten, das nicht stattgefunden haben kann? \u00a0Die Menschen, denen Sie solches erz\u00e4hlen wollen, werden Sie f\u00fcr verr\u00fcckt erkl\u00e4ren. Gehen Sie also sehr vorsichtig mit ihrer Erinnerung um. Es k\u00f6nnte Menschen geben, die sich sonst sch\u00fctzen \u00a0wollen und sie w\u00fcrden Mittel finden, Sie in eine Anstalt einweisen zu lassen. Glauben Sie mir, das wollen Sie nicht und denken Sie nicht, das w\u00e4re unm\u00f6glich. Ich sage Ihnen, und befolgen Sie meinen Rat, wer gen\u00fcgend Geld besitzt, dem \u00f6ffnen sich Wege, die anderen zeitlebens verschlossen bleiben. Seien Sie klug und beenden nicht Ihr noch so junges Leben hinter den Mauern einer Psychiatrie. Das w\u00fcrden Sie nicht sehr lange durchstehen. Viele Medikamente, Psychopharmaka, und wenn Sie toben, Zwang, k\u00f6rperliche Fixierung, Zwangsjacken. Ein junger Mann, wie Sie, ich bitte sie, das w\u00e4re doch keine Perspektive.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Foto von <a style=\"color: #999999;\" title=\"Juergen\" href=\"http:\/\/juergenreiter.com\" target=\"_blank\">Juergen Reiter<\/a><\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":684,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[126],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/666"}],"collection":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=666"}],"version-history":[{"count":28,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/666\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2568,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/666\/revisions\/2568"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media\/684"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=666"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=666"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/hkreiter.com\/tilt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=666"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}