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Tag Archives: Polizei

Warum vier Meter Schnee noch nicht die Welt verändern!

Wir alle müssen unseren Beitrag leisten!

Du auch?, schrie einer aus der wie gebannt lauschenden aber auch durchaus aufgebrachten Zuhörerschaft.

Der Gemeindesaal in Dingharting war brechend voll. Wer es irgendwie einrichten konnte, war gekommen. Read more »

Die wirren Gedanken des Ludenhammer Schorsch

Schon als Bub mußte der Schorsch allerlei Anzüglichkeiten über sich ergehen lassen. Erst als er älter wurde, verstand er manches von dem, was die Leute ihm so hinterherriefen. Bis zur fünften, sechsten Klasse ging’s noch so, was wahrscheinlich darauf zurückzuführen war, dass die Kinder einfach nicht wussten, was ein Lude ist. Das hat sich dann sehr schnell und radikal geändert, ja… bis zu dem Tag, als einer einen derben Witz über seinen Vater losließ.

Des müssen’s verstehn, sagte die Mutter zum Schulrektor, als dieser, gerade konnte sie noch an sich halten, sonst hätte sie gesagt: …dieser windige Schuhriegel Bua, aber so sagte sie nur: als dieser Bub der Schuhriegels zum Schorsch sagte: Dei Vater, treibt’s der mit andere Weiber? I moan bloß von wegen Ludenhammer und so!

Des stimmt, daraufhin hat im der Schorsch eine neig’haun, weil so was a Sauerei is, net wahr?, fuhr die Mutter fort, das Geschehene zu erklären.

Fakt war und da setzte der Schulrektor ein: Er hat ihm net bloß eine g’schmiert, wofür man ja noch ein gewisses Verständnis hätte aufbringen können. Nein, Ihr Schorsch hat dem Schuhriegel Alois des Nasenbein zertrümmert, worauf der Bub noch jetzt im Krankenhaus behandelt werden muß!

Das ganze Reden nützte nichts. Mit sofortiger Wirkung wurde der Ludenhammer Schorsch der Schule verwiesen und musste jetzt einen weit längeren Schulweg in Kauf nehmen. Dort an der neuen Schule wußten natürlich alle Bescheid. Die Lehrer, die Schüler und selbstverständlich auch die Eltern.

Für den Schorsch war es eine völlig neue Erfahrung. Verstohlen blickten ihm die Mädchen hinterher, was ihm durchaus gefiel, und die Buben ließen ihn in Ruhe, redeten aber auch nicht viel mit ihm. Er, der Schorsch, galt als Schläger, vor dem man sich gefälligst in Acht zu nehmen hatte.

Allerdings währte es nicht sehr lange so. Denn schon bald glaubte einer aus der Achten, es locker mit dem Schorsch aufnehmen zu können. Er war um einiges Größer und machte auch sportlich eine gute Figur. Und so kam es, wie später in den Schulakten zu lesen war, erneut zu einem Zwischenfall mit dem Ludenhammer Schorsch.

Was war geschehen? In der großen Pause versammelte sich eine Gruppe von Mädchen, zu der auch die Bernauer Angelika zählte. Nun, was der Schorsch nicht wußte, just dieser Achtklässler hatte schon lange eine Auge auf die Angelika geworfen und glaubte, dass gerade jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen wäre, sich hervorzutun und einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Aber es kam dann doch etwas anders als es sich dieser Knabe vorgestellt hatte. Kaum hatte er dem Ludenhammer Schorsch etwas unflätiges zugerufen, diesmal war Schorschs Mutter die Zielscheibe des Spotts, als ihm ganz analog zu dem Ereignis mit dem Schuhriegel Alois auch schon das Blut aus der Nase schoß, er hintenüber kippte und am Boden liegen blieb.

Von den anderen Schülern rührte sich keiner. Mit dem Schläger Ludenhammer sich einzulassen, nein danke, lieber nicht. Viel mehr gibt’s nicht weiter zu berichten. Der Schorsch mußte wieder die Schule wechseln. Bei den Mädchen rangierte er jetzt zwar als so etwas wie ein Held, bei den Jungs aber eher als ein gefürchteter, jähzorniger Zeitgenosse.

Wie war das gewesen, resümierte Schorsch eines Tages: Ich bin immer der Blöde, egal, was die andern machen. Ein Licht ging ihm gleich auf. Dem Alois sein Vater war ein bekannter Rechtsanwalt im Ort und im anderen Fall saß der Vater gar im Gemeinderat. Da haben die Herren Rektoren halt einfach den Schwanz eingezogen, so ist das!

Da ihn für eine Weile alle in Ruhe ließen, gab es auch keine Zwischenfälle mehr. Bis er eines Tages, der Schorsch war mittlerweile 16 und von kräftiger Statur, des abends so des Weges ging und etwas weiter vor sich undeutlich glaubte, eine Auseinandersetzung zwischen drei Personen wahrzunehmen.

50 Meter weiter war es gewiss! Zwei Burschen und ein Mädchen lagen im Streit. Noch einmal 50 Meter und Schorsch fing an zu spurten. Das war die Veronika, aus seiner Nachbarklasse. Lass mich los!, hörte er sie ängstlich schreien.

Da war er schon da. Was ist Veronika? 

Misch di net ei!, sagte einer der beiden, die der Schorsch nie vorher gesehen hatte. Des geht di nix oh!, bemerkte der andere.

De woll’n mi net vorbei lassen und versuchen dauernd rumzugrabschen, stieß Veronika hervor.

Hau ab!, zischte einer der Burschen.
Gleich!, fauchte der Schorsch und landete einen seiner gefürchteten Hiebe mitten auf der Nase seines Gegenüber. Blut spritzte, der Getroffene heulte auf, der andere gab sofort Fersengeld und verschwand.

Martinshorn, zuckendes Blaulich, die Polizei war zur Stelle. Passanten, hatten den Notruf gewählt.

Der do, der, sagte einer und zeigte unmissverständlich auf den Schorsch. Der is auf den do losganga und hot eam einfach oane nei’ghaut. 

Genau, so war’s, sagte der mit der kaputten Nase.

Der Schorsch blickte verzweifelt um sich. Wo war bloß Veronika? 

Dann kommen’s mal mit, sagte einer der Polizisten zum Schorsch. Und Sie, sagte er zu dem anderen, warten’s kurz, da Sanka is glei do. Nimmst derweil die Personalien auf, wies er seine Kollegin an.

Völlig perplex wusste der Schorsch gar nicht, was er zu seiner Verteidigung vorbringen sollte.

Auf der Wache war dann alles sehr schnell erledigt. Aha, Sie san also der Ludenhammer Schorsch. Und zu einem Kollegen: Ein bekannter Schläger!

Da wirst verrückt, sagte der Schorsch als er seinen Eltern den Sachverhalt schilderte. Immer trifft’s mich. Ich helf‘ der Veronika, die haut ab und irgend ein Zeuge erzählt an Stuss und mich ham’s am Arsch, wie immer halt.

Das lassen wir uns jetzt nicht bieten, sagt der Vater. Wir nehmen an Anwalt!

An Anwalt, erwidert die Mutter, vielleicht a no vor Gericht, na, des machen mia sicher net!

Für den Schorsch war das alles zu viel. In seinem Kopf rumorte es. Finstere Gedanken bemächtigten sich seiner. Du kriegst nie recht! Du kannst es so oder so machen, wurscht, weil den Eimer kippen’s immer über dir aus! 

Es war am nächsten Tag. Die Schulsekretärin klopft an die Tür, unterbricht den Unterricht: Herr Ludenhammer  zum Direktor, bitte!

Vorher hießen sie Rektoren. Jetzt am Gymnasium Direktor, schoß es Dem Schorsch durch den Kopf. Wahrscheinlich wieder ein Verweis, eine neue Schule, aber würde ihn überhaupt noch eine nehmen?

Gehens ruhig rein!, sagte die Sekretärin. Man wartet schon.

Man wartet schon, wer ist man?, dachte der Schorsch, klopfte und trat ein ins Geheiligte.

Ein Haufen Leute wartet bereits ganz offensichtlich auf ihn. Welche mit Fotoapparaten und Cameras, irgendwo der Direktor, der mit einem strahlenden Lachen auf ihn zusteuerte.

Die Cameras surrten, die Fotoapparate klickten. Da vorne, Veronika, daneben ein Mann, den er nur zu gut kannte, der Vater vom Alois, der bekannte Anwalt.

Mein lieber Schorsch Ludenhammer, hob der Direktor an und überhäufte den so Gelobten mit mit Dank und Anerkennung, dass es dem Schorsch richtig blümerant wurde. Und dann auch noch der Vater vom Alois: Ich hoffe Schorsch, du bist nicht nachtragend, wegen damals, du weißt schon! Die Veronika, meine Tochter, hat alles ganz genau berichtet und bei der Polizei auch zu Protokoll gegeben. Heldenhaft, wahrlich heldenhaft!

Am Abend kam es in den Lokalnachrichten und im Regionalfernsehen, was für ein toller und furchtloser Bursche er, der Schorsch Ludenhammer, doch sei.

Und am nächsten Tag berichteten die Zeitungen darüber: Vom Schlage eines Schorsch Ludenhammer bräuchte es mehr! Zivilcourage, das hat er gezeigt, furchtlos und ohne Tadel!

Jetzt war er plötzlich ein Held, der Schorsch. Und alles, weil er diesmal zum richtigen Zeitpunkt den richtigen verprügelt  hatte, dachte er. Diese, seine Schlussfolgerung, verwirrte ihn noch mehr als der ganze Rummel.

 

Foto: Creative Commons Lizenz, flickr, Nuria Fatych

 

 

 

 

Die Dachauer Bank – Kriminologisches aus Bayern

Niemand lebt mehr, der Zeugnis über Adele Spitzeder ablegen könnte.

Als Adele am 9. Februar 1832 das Licht der Welt erblickte, hätte keiner der illustren zur Taufe geladenen Gäste dieser so lieblich blinzelnden Erdenbürgerin auch nur im Ansatz ein verbrecherisches Talent zugeschrieben. Read more »

Morgenstund – Kriminologisches aus Bayern

Unbarmherzig zertrümmerte das Stakkato des Telefons ihre wohligen Träume.

Hochfellner, krächzte sie schließlich schlaftrunken in den Apparat. Minuten später saß sie im Auto, das Blaulicht auf dem Dach, und jagte aus der Stadt. Read more »

Weihnacht vor der Tür…

Jeder merkt es, kennt den Wandel, spürt, wenn die Zeit auf Weihnachten zueilt. Nicht jeder, könnte man mit Fug und Recht einwenden, aber solcherlei Betrachtungen haben hier und jetzt keinen Platz.

Der November zieht auf. Herbststürme begleiten ihn, bunt gefärbte Blätter fallen von Busch und Baum, der erste Schnee ist nicht mehr fern und doch hindern warme, laue Föhnlagen ihn an manchen Tagen, seine weiße Last ins Land zu tragen. Read more »

zeitweilig…

Bewegte Wochen waren das!, meinte Ferdinand Lechner in Anspielung auf die zurückliegenden Wahlen. Ferdinand war einer der kleineren Bauern am Ort. Nicht so klein, dass er und seine Familie nicht hätten davon leben können, aber nicht so groß, wie einige der anderen am Tisch. Der Hinterkofler zum Beispiel, der besaß einen Hof mit an die zweihundert bester Milchkühe. Oder der Markthaler Alfons, der weniger mit der Viehwirtschaft im Sinn hatte, dafür aber jeden Quadratmeter, den er pachten oder kaufen konnte, mit dem Ertragreichsten bebaute, das der Boden hergab und von der EU subventioniert wurde – das musste man dazu schon auch sagen. Read more »

Blickfang – ein bayerischer Tatort

Wir wissen nicht, warum er es getan hat, sagen die Leute. Keiner weiß es, sagt der Herr Kaplan.

Der lüsterne Blick des Mannes vorne am Altar galt zweifellos dem Mädchen rechts in der ersten Reihe. Die Ministranten schleppten die sakralen Utensilien umher: die Heilige Schrift, ein schweres Buch mit Goldschnitt, Weihrauchgefäße und Kännchen mit Wein und Wasser. Read more »

Schneeschmelze

Der Schlapphut verdeckte die zerfurchte Stirn des Mannes und gab nur wenig seiner funkelnden Augen preis, als er mit einem verächtlichen Grinsen ins Tal blickte. Seit Wochen waren sie hinter ihm her. Er sah sie gut hundert Meter unterhalb ein Schneefeld queren. Fünf Männer, bewaffnet, ganz deutlich waren die Mündungen der geschulterten Gewehre zu erkennen. Grenzschutz, Bundespolizei oder wem immer sie sonst angehörten – für ihn war das ohne Bedeutung. Read more »

Verwandtschaft – Raubmord im Donaumoos

Ohne Moos nix los. Zwei Raubmörder aus dem Donaumoos (ª)

Eduard Gänswürger (1843-1873) und Ferdinand Gump (1844-1873) begannen nach ihrer gemeinsamen Volksschulzeit in Karlskron (Lkr. Neuburg-Schrobenhausen) 1860 eine Schreinerlehre bei Paul Heckersmüller in Reichertshofen (Lkr. Pfaffenhofen a. d. Ilm). Während Gänswürger anstatt zu arbeiten lieber mit Johann „Christlhannes“ Schneider aus Winden zum Wildern ging, nahm Gump die Sache ernst. Doch schon bald schloss sich auch Gump den beiden an. Nachdem Gänswürger am 11. Juni 1869 wegen schweren Diebstahls zu neun Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, wilderten Gump und Schneider weiter. Read more »

Immer nachts… (1)

Den Hut tief in die Stirn gezogen, war das Gesicht des Mannes im mageren Schein der Straßenlaterne nicht zu erkennen. Exakt das gleiche sagten mehrere Passanten aus, als sie später von der Polizei danach befragt wurden. Einer meinte, im aufkommenden Nebelreißen sei nicht sehr viel auszumachen gewesen, eine Gestalt eben mit Hut und Parka, vielleicht oliv, wie sie auch beim Militär getragen werden. Read more »