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The Blog

Immer nachts… (1)

Den Hut tief in die Stirn gezogen, war das Gesicht des Mannes im mageren Schein der Straßenlaterne nicht zu erkennen. Exakt das gleiche sagten mehrere Passanten aus, als sie später von der Polizei danach befragt wurden. Einer meinte, im aufkommenden Nebelreißen sei nicht sehr viel auszumachen gewesen, eine Gestalt eben mit Hut und Parka, vielleicht oliv, wie sie auch beim Militär getragen werden. Read more »

Silvester 2015

Vor 250 Jahren, exakt am 31. Dezember 1765, ein Dienstag, geschahen in einem Bergdorf nahe Ruhpolding in Bayern seltsame Dinge. Starkes Schneetreiben hatte die Bergwelt in ein kaum noch zugängliches Refugium verwandelt. Einige Bauern mühten sich vergebens, mit schweren Pflügen hinter Pferden- und Ochsengespannen wenigstens die allerwichtigsten Verbindungen freizuräumen. Aussichtslos! Schon bald waren die Menschen sich selbst überlassen. Niemand, der ihnen noch hätte zu Hilfe eilen können. Read more »

Dritter Advent

Zünftig sehen’s aus, die Burschen, wie sie da oben so auf dem Tanzboden stehen und rhythmisch ihre Goaßln schnalzen. Ein scharfes Peng, Peng…, Peng, Peng, und noch einmal Peng, Peng hallte durch die Nacht. Trocken und hart knallte es, wenn die Burschen mit geübter Hand ganz abrupt den Schwung ihrer Peitschen in der Luft stoppten. Read more »

Was wir nicht wissen!

Früh am Morgen verließen die Männer den Ort. Wetterfeste Umhänge schützten sie vor dem einsetzenden Schneetreiben – unten im Tal. Oben in den höheren Lagen würde sie ein schneidender Wind erwarten. Winzigen, scharfen Nadeln gleich würde der Schnee zu Eis gefroren sein und ihre Gesichter malträtieren. Schweigend stapfte die Gruppe gemäßigten Schrittes bergan. Schwere Rucksäcke drückten die Männer in den Boden, auf dem sie für kurze Zeit ihre Spuren hinterließen. Read more »

Der alte Fall

Wussten Sie, dass in Deutschland 95 Prozent aller Mordfälle aufgeklärt werden?, sagte Dagmar Hochfellner und wies mit der Hand auf einen Stuhl. Schwerfällig ließ sich der Mann im derben Lodenzeug darauf nieder, wobei er fauchend den Atem zwischen den Zähnen ausstieß.

Und warum erzählen Sie mir das?, fragte der Mann ungehalten. Ja, warum eigentlich? Dagmar Hochfellner stellte sich diese Frage selbst und war sich mit einem Mal gar nicht mehr so sicher, den Richtigen vor sich zu haben.  Verworren war das alles, aber die Indizien…

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Familiendrama

Dagmar Hochfellner liess sich generft in ihren Bürostuhl plumpsen. Es war wieder einer jener Tage, die ihr so gar nicht lagen. Erst schon kein Durchkommen mit dem Auto zur Dienststelle, dann eine vergeudete Stunde beim Chef – Wochenresümee nannte er das an jedem Freitag früh stattfindende Treffen der leitenden Kommissare. Und dann noch ein versautes Wochenende vor der Nase.

Lesen Sie sich da mal hinein, hatte er gesagt und ihr einen leicht vergilbten Schnellhefter auf den Tisch geknallt. Hinterkaifeck stand da in steilen Lettern zu lesen und darunter in Klammern gesetzt:  Mordfall vom 31. März/1. April 1922 – unaufgeklärt. Der Fall sei über 90 Jahre alt, bemerkte Dagmar und wollte wissen, warum sie sich ausgerechnet jetzt damit beschäftigen sollte. Es tut mir leid, sagte der Chef, aber Sie müssen da rausfahren. Gleich in der Nähe hat man heute Morgen ein ähnliches Familienmassaker entdeckt.
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Der Zettel

YOGTZE schrieb Günther Stoll am 25. Oktober 1984 auf einen Zettel. Stunden später war er tot. Ermordet. Weder die Sendung Aktenzeichen XY ungelöst (zu sehen bei YouTube) noch die umfangreichen Ermittlungen der Polizei brachten Licht ins Dunkel. Experten versuchten das geheimnisvolle Wort zu entschlüsseln. Spekulationen, sonst nichts.

Oben auf einer Hütte bei Garmisch saßen 30 Jahre später zur nächtlichen Stunde ein paar Männer um den kargen Schein einer Petroleumlampe versammelt.  Read more »

Sonntagsfieber

Dienstag Morgen, der Briefträger kommt immer früh, spätestens gegen neun hat er die Post eingeworfen. So war es gestern, heute und morgen wird es auch so sein.

Als der Strohmeier Maximilian, im Dorf kurz Maxl genannt, zum Briefkasten vorne am Gartentürl schlurfte, ahnte er nicht, welche Folgen sich aus dieser alltäglichen Routine ergeben würden.  Read more »

St. Korbinian

Der Hallenbacher Ferdinand ist immer schon nicht g’scheid aus dem Bett gekommen, egal, ob’s in der Früh um sechs war oder eine Stunde später. Must halt früher ins Bett, haben die Eltern oft gemeint. Für den Ferdinand war solches aber undenkbar. Früher ins Bett! Was die Leut‘ sich bloss denken?

Gerade am Abend, nach getaner Arbeit, traf sich die Jugend gern beim Dudler Hans, einer Art Wirtschaft, aber nicht so mit Gastraum und Theke, sondern Read more »

Das Geheimnis

Als irgendwann zu Beginn des letzten Jahrhunderts der Feldmeier Quirin den Hof von seinem Vater übernahm, hatte ihn dieser davor schon von seinem Vater und dieser wiederum von seinem Vater übernommen und so fort. Bis in die Lutherische Zeit hinein konnte der Quirinhof zurückverfolgt werden. Und es war Brauch, dass der jeweils Erstgeborene auf den Namen des Heiligen Quirin getauft wurde.

Der Quirin, von dem hier die Rede ist, war allerdings alles andere als ein rechtschaffender Bauer. Weithin war er als Hallodri bekannt und wegen seiner Weibergeschichten Read more »