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The Blog

Der Spaziergänger

Langsam drehte sich der Mann im dunklen Trenchcoat um. Für einen Augenblick sah man sein vernarbtes Gesicht im Schein der Straßenlaterne aufblitzen, dann ging der Mann zügig weiter, bis er schließlich dem Kegel der Lampe entkam und in der Finsternis verschwand.

Neugierig folgten die Blicke der beiden Frauen an der Ecke dem Mann. Sie schüttelten den Kopf und tuschelten miteinander. Grüss Gott die Damen, quetschte ein hinzukommender Passant zwischen den Zähnen und einer kurzen Stummelpfeife hervor, lüftete seinen Hut und hörte im Vorbeigehen eine der Frauen sagen: Haben’s den mit den Narben auch gesehen? Ja, unheimlich war der, sagte die andere. Read more »

Tödlicher Fehler (1)

Die Zeiten sind bewegt. Heute mehr als früher, möchte man meinen. Oder können wir uns an früher weniger gut erinnern? Vielleicht hatte mancher zu dieser Zeit noch nicht einmal das Licht der Welt erblickt und weiss deshalb nur aus Erzählungen und Berichten von jener sagenumwobenen Zeit.

Es scheint lange her: Adelsgeschlechter wurden hingemetzelt, Weltkriege geführt, Millionen Menschen in Gaskammern und auf Schlachtfeldern gemeuchelt und geopfert, Rebellion gegen das Establishment in den 68ern, RAF Terror und so weiter, bis heute.

Heute, ja heute ist es nicht viel anders, schossen Felix Baumgartner die Gedanken durch den Kopf, während er schon leicht schläfrig mit seinem Wagen auf der A 96 nach Lindau brauste. Es war wieder einmal einer jener freudlosen Abende gewesen. Stundenlanges, sinnloses palavern um Nichtigkeiten. Jeder war von sich überzeugt und dachte, er habe die Geschicke der Nation und der Welt mitzulenken. Am Ende wurde weniger um Inhalte als um Formulierungen gestritten. Und die Juristen unter ihnen, die waren dann ganz vorne mit dabei, ganz in ihrem Element. Read more »

Neubeginn

Als im Winter des letzten Jahres der Schnee auf sich warten ließ und so mancher in den Bergregionen um seine Existenz fürchtete, war die Stimmung der Menschen mehr als nur gedrückt. Die Gemeindeversammlung stand deshalb unter keinem guten Stern und der Bürgermeister frage sich, ob es wirklich eine so gute Idee gewesen sei, ausgerechnet jetzt über die Zukunft zu reden. Read more »

Jahreswechsel

Langsam fallen die Schatten tiefer, verlieren sich in bizarren Formen und lösen sich schliesslich in der Dunkelheit der Nacht auf. Read more »

Stille Nacht

Im Jahre 1843 erblickte Luise, genannt Luiserl, Partenninger das Licht der Welt. Die Mutter, eine rechtschaffende junge Frau aus Straubing, der Vater, so konnte man später in den Geburtenregistern des Erzbischöflichen Ordinariats in München nachlesen, kam aus dem Montafon in Österreich. Der Herkunftsort war allerdings nicht zu entziffern, wie natürlich überhaupt das Lesen des Registers Kenntnis der Deutschen Schrift voraussetzte. Fein säuberlich war seinerzeit alles mit Tinte in den gebräuchlichen steilen deutschen Buchstaben auf die amtlichen Blätter geschrieben worden. Bis auf den Ort eben, der war vergilbt, verwischt oder sonst etwas – jedenfalls war und blieb er unleserlich. Read more »

Ein Tag für die Ewigkeit (3)

Seit jeher wird um die Weihnachtszeit der Sendlinger Mordweihnacht gedacht. Das schon. Aber den Männern um Georg Fuchs reichte das nicht. Sie verlangten Anerkennung. Schließlich waren es ihre Vorfahren gewesen, die unsäglich zugrunde gehen mussten, ihrem Wahlspruch folgend: Liaba bairisch steam als kaiserlich verdeam! (Lieber bayrisch sterben als kaiserlich verderben). Allein in Sendling soll es über 11oo Tote gegebne haben – niedergemeuchelt von des Kaisers Truppen, obwohl sich die Aufständischen bereits ergeben und ihre Waffen abgelegt hatten. Insgesamt waren am Ende des dreiwöchigen Aufstandes über 10.000 Tote zu beklagen. Das war dem Kaiser Joseph I nicht zu verzeihen!und natürlich generell der Obrigkeit nicht. Read more »

Ein Tag für die Ewigkeit (2)

Bei 600 Metern begannen Flinserl von weißem Schnee Bäume und Wiesen zu bedecken. Je höher die Männer stiegen, desto fester wurde die Schneedecke, bis es schließlich einige hundert Meter weiter oben schon ordentlich unter den Schuhsohlen knirschte. Unten am See hatte es in der letzten Woche noch einigen Regen heruntergeprasselt, aber dort, wo sie jetzt ihre Vorbereitungen treffen wollten,  war der Winter nicht mehr fern. Read more »

Ein Tag für die Ewigkeit (1)

Die unbeschreiblichen Greueltaten in der Nacht zum 25. Dezember 1705 haben sich unauslöschlich in die bayerische Volksseele eingebrannt. Bayerische Aufständische waren von den Truppen des habsburgischen Kaisers Joseph I. völlig aufgerieben worden. Aufständische, die sich nach Sendling, einem Ortsteil Münchens, durchgeschlagen hatten und sich dort den kaiserlichen Truppen ergaben, wurden ungeachtet dessen in einem Massaker auf das Brutalste niedergemetzelt. In die Geschichte fand dieses Blutbad als Sendlinger Bauernschlacht oder Sendlinger Mordweihnacht Einzug. Read more »

Adele

Als Adele am frühen Morgen das Haus verlässt, ahnt sie nichts von den schicksalhaften Zufällen, bei denen sie eine unvergessliche Rolle spielen sollte. Read more »

Humankapital

Als König Ludwig der Bayer am 1. Mai 1327 in Como den Walstätten Uri, Schwyz und Unterwalden das Reichsprivileg einer Reichsvogtei ohne Reichsvogt ausstellte und sie damit zum Dank für die gewährte Unterstützung im damaligen Hickhack der süddeutschen Gebiete privilegierte, konnte niemand wissen, dass hierdurch der vielleicht entscheidende Anstoß für die eidgenössische Entwicklung der späteren Schweiz erfolgt war. Read more »